ErgoReader
Preface
Ergo Reader Experiment Modern translation

Groundwork of the Metaphysics of Morals

Experimental modern English drafted with gpt-5.6-sol (2026)

Modernize the language. Preserve the argument. This paragraph-by-paragraph pilot places Kant’s 1785 German beside a new, independent translation in contemporary English.

Complete workThis draft has not yet received the independent review and editorial reconciliation required for a finished Ergo translation.
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Ergo’s approach

Closer to Kant, with less friction.

  1. Source firstThe 1785 German—not Abbott’s English—was the model input.
  2. Not a summaryThe language changes; the claims, structure, and distinctions must not.
  3. Transparent draftThe exact model and review status stay visible so readers can judge the work.
Text view

Preface

Die alte griechische Philosophie teilte sich in drei Wissenschaften ab: Die Physik, die Ethik und die Logik. Diese Einteilung ist der Natur der Sache vollkommen angemessen, und man hat an ihr nichts zu verbessern, als etwa nur das Prinzip derselben hinzu zu tun, um sich auf solche Art teils ihrer Vollständigkeit zu versichern, teils die notwendigen Unterabteilungen richtig bestimmen zu können.

Ancient Greek philosophy was divided into three sciences: physics, ethics, and logic. This division fits the nature of the subject perfectly. Nothing needs to be improved in it, except perhaps to add the principle on which it is based. This would allow us both to make sure that the division is complete and to determine its necessary subdivisions correctly.

Alle Vernunfterkenntnis ist entweder material und betrachtet irgend ein Objekt; oder formal und beschäftigt sich bloß mit der Form des Verstandes und der Vernunft selbst und den allgemeinen Regeln des Denkens überhaupt ohne Unterschied der Objekte. Die formale Philosophie heißt Logik, die materiale aber, welche es mit bestimmten Gegenständen und den Gesetzen zu tun hat, denen sie unterworfen sind, ist wiederum zwiefach. Denn diese Gesetze sind entweder Gesetze der Natur, oder der Freiheit. Die Wissenschaft von der ersten heißt Physik, die der andern ist Ethik; jene wird auch Naturlehre, diese Sittenlehre genannt.

All rational knowledge is either substantive and considers some object, or formal and concerns only the form of understanding and reason themselves, together with the universal rules of thought as such, without regard to differences among objects. Formal philosophy is called logic. Substantive philosophy, which deals with specific objects and the laws to which they are subject, is in turn divided into two branches. For these laws are either laws of nature or laws of freedom. The science of the former is called physics, and the science of the latter ethics; the former is also called the doctrine of nature, and the latter the doctrine of morals.

Die Logik kann keinen empirischen Teil haben, d. i. einen solchen, da die allgemeinen und notwendigen Gesetze des Denkens auf Gründen beruhten, die von der Erfahrung hergenommen wären; denn sonst wäre sie nicht Logik, d. i. ein Kanon für den Verstand oder die Vernunft, der bei allem Denken gilt und demonstriert werden muss. Dagegen können sowohl die natürliche, als sittliche Weltweisheit jede ihren empirischen Teil haben, weil jene der Natur als einem Gegenstande der Erfahrung, diese aber dem Willen des Menschen, so fern er durch die Natur affiziert wird, ihre Gesetze bestimmen muss, die erstern zwar als Gesetze, nach denen alles geschieht, die zweiten als solche, nach denen alles geschehen soll, aber doch auch mit Erwägung der Bedingungen, unter denen es öfters nicht geschieht.

Logic can have no empirical part—that is, no part in which the universal and necessary laws of thought rest on grounds taken from experience. Otherwise it would not be logic: a standard for understanding or reason that applies to all thought and must be established by proof. By contrast, both natural and moral philosophy can each have an empirical part. Natural philosophy must determine laws for nature as an object of experience, while moral philosophy must determine laws for the human will insofar as nature affects it. The first are laws according to which everything happens; the second are laws according to which everything ought to happen, though moral philosophy must also consider the conditions under which it often does not happen.

Man kann alle Philosophie, so fern sie sich auf Gründe der Erfahrung fußt, empirische, die aber, so lediglich aus Prinzipien a priori, ihre Lehren vorträgt, reine Philosophie nennen. Die letztere, wenn sie bloß formal ist, heißt Logik; ist sie aber auf bestimmte Gegenstände des Verstandes eingeschränkt, so heißt sie Metaphysik.

We may call all philosophy empirical insofar as it rests on grounds supplied by experience. Philosophy that presents its teachings solely from a priori principles may be called pure philosophy. When pure philosophy is merely formal, it is called logic; when it is restricted to specific objects of the understanding, it is called metaphysics.

Auf solche Weise entspringt die Idee einer zwiefachen Metaphysik, einer Metaphysik der Natur und einer Metaphysik der Sitten. Die Physik wird also ihren empirischen, aber auch einen rationalen Teil haben; die Ethik gleichfalls, wiewohl hier der empirische Teil besonders praktische Anthropologie, der rationale aber eigentlich Moral heißen könnte.

This gives rise to the idea of two kinds of metaphysics: a metaphysics of nature and a metaphysics of morals. Physics will therefore have both an empirical and a rational part; so will ethics, although here the empirical part might be called practical anthropology in particular, while the rational part might properly be called morals.

Alle Gewerbe, Handwerke und Künste haben durch die Verteilung der Arbeiten gewonnen, da nämlich nicht einer alles macht, sondern jeder sich auf gewisse Arbeit, die sich ihrer Behandlungsweise nach von andern merklich unterscheidet, einschränkt, um sie in der größten Vollkommenheit und mit mehrerer Leichtigkeit leisten zu können. Wo die Arbeiten so nicht unterschieden und verteilt werden, wo jeder ein Tausendkünstler ist, da liegen die Gewerbe noch in der größten Barbarei. Aber ob dieses zwar für sich ein der Erwägung nicht unwürdiges Objekt wäre, zu fragen: ob die reine Philosophie in allen ihren Teilen nicht ihren besonderen Mann erheische, und es um das Ganze des gelehrten Gewerbes nicht besser stehen würde, wenn die, so das Empirische mit dem Rationalen dem Geschmacke des Publikums gemäß nach allerlei ihnen selbst unbekannten Verhältnissen gemischt zu verkaufen gewohnt sind, die sich Selbstdenker, andere aber, die den bloß rationalen Teil zubereiten, Grübler nennen, gewarnt würden, nicht zwei Geschäfte zugleich zu treiben, die in der Art, sie zu behandeln, gar sehr verschieden sind, zu deren jedem vielleicht ein besonderes Talent erfordert wird, und deren Verbindung in einer Person nur Stümper hervorbringt: so frage ich hier doch nur, ob nicht die Natur der Wissenschaft es erfordere, den empirischen von dem rationalen Teil jederzeit sorgfältig abzusondern und vor der eigentlichen (empirischen) Physik eine Metaphysik der Natur, vor der praktischen Anthropologie aber eine Metaphysik der Sitten voranzuschicken, die von allem Empirischen sorgfältig gesäubert sein müssten, um zu wissen, wie viel reine Vernunft in beiden Fällen leisten könne, und aus welchen Quellen sie selbst diese ihre Belehrung a priori schöpfe, es mag übrigens das letztere Geschäfte von allen Sittenlehrern (deren Name Legion heißt) oder nur von einigen, die Beruf dazu fühlen, getrieben werden.

Every trade, craft, and art has benefited from the division of labor. Instead of one person doing everything, each person confines himself to a particular kind of work that differs markedly from others in the way it must be carried out. This enables him to perform it more perfectly and with greater ease. Where work is not distinguished and divided in this way, and everyone is a jack-of-all-trades, the trades remain in a state of extreme barbarism. It would itself be worth considering whether every part of pure philosophy requires its own specialist, and whether scholarship as a whole would be better served if a warning were given to certain people. They are accustomed to mixing empirical and rational elements in all sorts of proportions unknown even to themselves and selling the mixture in a way that suits public taste. They call themselves independent thinkers, while calling those who prepare the purely rational part mere speculators. Perhaps they should be warned not to pursue two occupations at once—occupations whose methods differ greatly, each of which may require a special talent, and whose combination in a single person produces only bunglers. But here I ask only whether the nature of science does not require us always to separate its empirical part carefully from its rational part. Should we not place a metaphysics of nature before empirical physics proper, and a metaphysics of morals before practical anthropology? Both would have to be carefully cleansed of everything empirical, so that we could know how much pure reason can accomplish in each case and from what sources it draws its own a priori instruction. Whether this latter task is undertaken by all teachers of morals—whose name is legion—or only by some who feel called to it is a separate matter.

Da meine Absicht hier eigentlich auf die sittliche Weltweisheit gerichtet ist, so schränke ich die vorgelegte Frage nur darauf ein: ob man nicht meine, dass es von der äußersten Notwendigkeit sei, einmal eine reine Moralphilosophie zu bearbeiten, die von allem, was nur empirisch sein mag und zur Anthropologie gehört, völlig gesäubert wäre; denn dass es eine solche geben müsse, leuchtet von selbst aus der gemeinen Idee der Pflicht und der sittlichen Gesetze ein. Jedermann muss eingestehen, dass ein Gesetz, wenn es moralisch, d. i. als Grund einer Verbindlichkeit, gelten soll, absolute Notwendigkeit bei sich führen müsse; dass das Gebot: du sollst nicht lügen, nicht etwa bloß für Menschen gelte, andere vernünftige Wesen sich aber daran nicht zu kehren hätten, und so alle übrige eigentliche Sittengesetze; dass mithin der Grund der Verbindlichkeit hier nicht in der Natur des Menschen, oder den Umständen in der Welt, darin er gesetzt ist, gesucht werden müsse, sondern a priori lediglich in Begriffen der reinen Vernunft, und dass jede andere Vorschrift, die sich auf Prinzipien der bloßen Erfahrung gründet, und sogar eine in gewissem Betracht allgemeine Vorschrift, so fern sie sich dem mindesten Teile, vielleicht nur einem Bewegungsgrunde nach auf empirische Gründe stützt, zwar eine praktische Regel, niemals aber ein moralisches Gesetz heißen kann.

Since my actual purpose here concerns moral philosophy, I will limit the question before us to this: should we not regard it as absolutely necessary to develop, for once, a pure moral philosophy, completely cleansed of everything that may be empirical and belongs to anthropology? That there must be such a philosophy is evident from the common idea of duty and moral laws. Everyone must admit that if a law is to count as moral—that is, as the basis of an obligation—it must carry absolute necessity with it. The command “You are not to lie” cannot apply merely to human beings, while other rational beings have no need to heed it; and the same holds for every other genuine moral law. The basis of obligation here must therefore be sought not in human nature or in the circumstances of the world in which human beings are placed, but a priori, solely in concepts of pure reason. Any other prescription that rests on principles of mere experience—even a prescription that is universal in some respect—is indeed a practical rule, but can never be called a moral law if it relies in the slightest part, perhaps only in one of its motives, on empirical grounds.

Also unterscheiden sich die moralischen Gesetze samt ihren Prinzipien unter allem praktischen Erkenntnisse von allem übrigen, darin irgend etwas Empirisches ist, nicht allein wesentlich, sondern alle Moralphilosophie beruht gänzlich auf ihrem reinen Teil, und auf den Menschen angewandt, entlehnt sie nicht das mindeste von der Kenntnis desselben (Anthropologie), sondern gibt ihm, als vernünftigem Wesen, Gesetze a priori, die freilich noch durch Erfahrung geschärfte Urteilskraft erfordern, um teils zu unterscheiden, in welchen Fällen sie ihre Anwendung haben, teils ihnen Eingang in den Willen des Menschen und Nachdruck zur Ausübung zu verschaffen, da dieser, als selbst mit so viel Neigungen affiziert, der Idee einer praktischen reinen Vernunft zwar fähig, aber nicht so leicht vermögend ist, sie in seinem Lebenswandel in concreto wirksam zu machen.

Thus, among all practical knowledge, moral laws and their principles differ essentially from everything else that contains anything empirical. Indeed, all moral philosophy rests entirely on its pure part. When it is applied to human beings, it borrows not the slightest thing from knowledge of them—that is, from anthropology. Instead, it gives them, as rational beings, laws a priori. These laws admittedly still require judgment sharpened by experience: partly to distinguish the cases in which they apply, and partly to gain them access to the human will and give them force in practice. For the human being, affected as he is by so many inclinations, is capable of the idea of pure practical reason, but is not so readily able to make it effective in his conduct in concrete cases.

Eine Metaphysik der Sitten ist also unentbehrlich notwendig, nicht bloß aus einem Bewegungsgrunde der Spekulation, um die Quelle der a priori in unserer Vernunft liegenden praktischen Grundsätze zu erforschen, sondern weil die Sitten selber allerlei Verderbnis unterworfen bleiben, so lange jener Leitfaden und oberste Norm ihrer richtigen Beurteilung fehlt. Denn bei dem, was moralisch gut sein soll, ist es nicht genug, dass es dem sittlichen Gesetze gemäß sei, sondern es muss auch um desselben willen geschehen; widrigenfalls ist jene Gemäßheit nur sehr zufällig und misslich, weil der unsittliche Grund zwar dann und wann gesetzmäßige, mehrmals aber gesetzwidrige Handlungen hervorbringen wird. Nun ist aber das sittliche Gesetz in seiner Reinigkeit und Echtheit (woran eben im Praktischen am meisten gelegen ist) nirgend anders, als in einer reinen Philosophie zu suchen, also muss diese (Metaphysik) vorangehen, und ohne sie kann es überall keine Moralphilosophie geben; selbst verdient diejenige, welche jene reine Prinzipien unter die empirischen mischt, den Namen einer Philosophie nicht (denn dadurch unterscheidet diese sich eben von der gemeinen Vernunfterkenntnis, dass sie, was diese nur vermengt begreift, in abgesonderter Wissenschaft vorträgt), viel weniger einer Moralphilosophie, weil sie eben durch diese Vermengung sogar der Reinigkeit der Sitten selbst Abbruch tut und ihrem eigenen Zwecke zuwider verfährt.

A metaphysics of morals is therefore indispensably necessary. This is so not merely from a speculative motive, so that we may investigate the source of the a priori practical principles that lie in our reason, but also because morals themselves remain vulnerable to every kind of corruption as long as we lack this guiding thread and supreme standard for judging them correctly. For something that is to be morally good must not merely conform to the moral law; it must also be done for the sake of that law. Otherwise, its conformity to the law is only highly contingent and precarious, because an immoral ground will sometimes produce actions that conform to law but more often actions that violate it. The moral law in its purity and authenticity—which is precisely what matters most in practice—is to be found nowhere except in a pure philosophy. This pure philosophy, or metaphysics, must therefore come first, and without it there can be no moral philosophy at all. A philosophy that mixes these pure principles with empirical ones does not even deserve the name of philosophy. For philosophy is distinguished from common rational knowledge precisely by presenting in a separate science what common rational knowledge grasps only in a confused mixture. Still less does such a mixture deserve the name of moral philosophy, since by mixing the two it even damages the purity of morals themselves and acts contrary to its own purpose.

Man denke doch ja nicht, dass man das, was hier gefordert wird, schon an der Propädeutik des berühmten Wolff vor seiner Moralphilosophie, nämlich der von ihm so genannten allgemeinen praktischen Weltweisheit, habe, und hier also nicht eben ein ganz neues Feld einzuschlagen sei. Eben darum, weil sie eine allgemeine praktische Weltweisheit sein sollte, hat sie keinen Willen von irgend einer besondern Art, etwa einen solchen, der ohne alle empirische Bewegungsgründe, völlig aus Prinzipien a priori, bestimmt werde, und den man einen reinen Willen nennen könnte, sondern das Wollen überhaupt im Betrachtung gezogen mit allen Handlungen und Bedingungen, die ihm in dieser allgemeinen Bedeutung zukommen, und dadurch unterscheidet sie sich von einer Metaphysik der Sitten, eben so wie die allgemeine Logik von der Transszendentalphilosophie, von denen die erstere die Handlungen und Regeln des Denkens überhaupt, diese aber bloß die besondern Handlungen und Regeln des reinen Denkens, d. i. desjenigen, wodurch Gegenstände völlig a priori erkannt werden, vorträgt. Denn die Metaphysik der Sitten soll die Idee und die Prinzipien eines möglichen reinen Willens untersuchen und nicht die Handlungen und Bedingungen des menschlichen Wollens überhaupt, welche größtenteils aus der Psychologie geschöpft werden. Dass in der allgemeinen praktischen Weltweisheit (wiewohl wider alle Befugnis) auch von moralischen Gesetzen und Pflicht geredet wird, macht keinen Einwurf wider meine Behauptung aus. Denn die Verfasser jener Wissenschaft bleiben ihrer Idee von derselben auch hierin treu; sie unterscheiden nicht die Bewegungsgründe, die als solche völlig a priori bloß durch Vernunft vorgestellt werden und eigentlich moralisch sind, von den empirischen, die der Verstand bloß durch Vergleichung der Erfahrungen zu allgemeinen Begriffen erhebt, sondern betrachten sie, ohne auf den Unterschied ihrer Quellen zu achten, nur nach der größeren oder kleineren Summe derselben (indem sie alle als gleichartig angesehen werden) und machen sich dadurch ihren Begriff von Verbindlichkeit, der freilich nichts weniger als moralisch, aber doch so beschaffen ist, als es in einer Philosophie, die über den Ursprung aller möglichen praktischen Begriffe, ob sie auch a priori oder bloß a posteriori stattfinden, gar nicht urteilt, nur verlangt werden kann.

It should certainly not be thought that what is required here can already be found in the propaedeutic that the celebrated Wolff placed before his moral philosophy, in what he called universal practical philosophy, and that there is therefore no need to enter an entirely new field. Precisely because it was meant to be a universal practical philosophy, it did not consider a will of any particular kind—for example, a will determined entirely by a priori principles, without any empirical motives, which could be called a pure will. Instead, it considered willing in general, together with all the actions and conditions belonging to it in this general sense. This distinguishes universal practical philosophy from a metaphysics of morals in the same way that general logic differs from transcendental philosophy. General logic presents the actions and rules of thought in general, whereas transcendental philosophy presents only the special actions and rules of pure thought—that is, the thought through which objects are known entirely a priori. For a metaphysics of morals is to investigate the idea and principles of a possible pure will, not the actions and conditions of human willing in general, which are drawn for the most part from psychology. It is no objection to my claim that universal practical philosophy also speaks—though without any justification—of moral laws and duty. The authors of that science remain faithful to their conception of it even here. They do not distinguish motives that are represented entirely a priori by reason alone, and are properly moral, from empirical motives, which the understanding raises to universal concepts merely by comparing experiences. Instead, without attending to the difference between their sources, they consider these motives only by their greater or lesser total amount, treating them all as homogeneous. In this way they form their concept of obligation. That concept is admittedly anything but moral, yet it is all that can be expected from a philosophy that passes no judgment at all on the origin of any possible practical concepts—whether they arise a priori or merely a posteriori.

Im Vorsatze nun, eine Metaphysik der Sitten dereinst zu liefern, lasse ich diese Grundlegung vorangehen. Zwar gibt es eigentlich keine andere Grundlage derselben, als die Kritik einer reinen praktischen Vernunft, so wie zur Metaphysik die schon gelieferte Kritik der reinen spekulativen Vernunft. Allein teils ist jene nicht von so äußerster Notwendigkeit als diese, weil die menschliche Vernunft im Moralischen selbst beim gemeinsten Verstande leicht zu großer Richtigkeit und Ausführlichkeit gebracht werden kann, da sie hingegen im theoretischen, aber reinen Gebrauch ganz und gar dialektisch ist: teils erfordere ich zur Kritik einer reinen praktischen Vernunft, dass, wenn sie vollendet sein soll, ihre Einheit mit der spekulativen in einem gemeinschaftlichen Prinzip zugleich müsse dargestellt werden können, weil es doch am Ende nur eine und dieselbe Vernunft sein kann, die bloß in der Anwendung unterschieden sein muss. Zu einer solchen Vollständigkeit konnte ich es aber hier noch nicht bringen, ohne Betrachtungen von ganz anderer Art herbeizuziehen und den Leser zu verwirren. Um deswillen habe ich mich statt der Benennung einer Kritik der reinen Vernunft der von einer Grundlegung zur Metaphysik der Sitten bedient.

Since I intend one day to provide a metaphysics of morals, I am publishing this groundwork first. Strictly speaking, its only proper foundation is a critique of pure practical reason, just as the foundation of metaphysics is the already published critique of pure speculative reason. But, for one thing, the former critique is not so urgently necessary as the latter. In moral matters, human reason can easily be brought to a high degree of correctness and completeness, even in the most ordinary understanding; in its theoretical but pure use, by contrast, it is thoroughly dialectical. For another thing, I require that a critique of pure practical reason, if it is to be complete, must also be able to present the unity of practical reason with speculative reason in a common principle. For in the end there can be only one and the same reason, which must differ only in its application. But I could not yet achieve such completeness here without bringing in considerations of an entirely different kind and confusing the reader. For this reason, instead of calling this work a Critique of Pure Practical Reason, I have used the title Groundwork of the Metaphysics of Morals.

Weil aber drittens auch eine Metaphysik der Sitten ungeachtet des abschreckenden Titels dennoch eines großen Grades der Popularität und Angemessenheit zum gemeinen Verstande fähig ist, so finde ich für nützlich, diese Vorarbeitung der Grundlage davon abzusondern, um das Subtile, was darin unvermeidlich ist, künftig nicht fasslichern Lehren beifügen zu dürfen.

Thirdly, despite its forbidding title, a metaphysics of morals is capable of being made highly accessible and well suited to the common understanding. I therefore find it useful to separate this preliminary work on its foundation from the metaphysics itself, so that later I will not have to add the subtle material that is unavoidable here to teachings that are easier to grasp.

Gegenwärtige Grundlegung ist aber nichts mehr, als die Aufsuchung und Festsetzung des obersten Prinzips der Moralität, welche allein ein in seiner Absicht ganzes und von aller anderen sittlichen Untersuchung abzusonderndes Geschäfte ausmacht. Zwar würden meine Behauptungen über diese wichtige und bisher bei weitem noch nicht zur Genugtuung erörterte Hauptfrage durch Anwendung desselben Prinzips auf das ganze System viel Licht und durch die Zulänglichkeit, die es allenthalben blicken lässt, große Bestätigung erhalten: allein ich musste mich dieses Vorteils begeben, der auch im Grunde mehr eigenliebig, als gemeinnützig sein würde, weil die Leichtigkeit im Gebrauche und die scheinbare Zulänglichkeit eines Prinzips keinen ganz sicheren Beweis von der Richtigkeit desselben abgibt, vielmehr eine gewisse Parteilichkeit erweckt, es nicht für sich selbst, ohne alle Rücksicht auf die Folge, nach aller Strenge zu untersuchen und zu wägen.

The present groundwork is nothing more than the search for and establishment of the supreme principle of morality. This task alone forms a complete undertaking in its purpose and must be kept separate from every other moral investigation. Admittedly, applying the same principle to the entire system would throw much light on my claims about this important central question, which has so far been very far from adequately discussed. Those claims would also receive strong confirmation from the adequacy that the principle displays everywhere. But I had to give up this advantage. At bottom, it would be more self-serving than beneficial to the public, because a principle’s ease of use and apparent adequacy provide no entirely certain proof that it is correct. Instead, they create a certain bias against examining and weighing the principle rigorously on its own, without any regard for its consequences.

Ich habe meine Methode in dieser Schrift so genommen, wie ich glaube, dass sie die schicklichste sei, wenn man vom gemeinen Erkenntnisse zur Bestimmung des obersten Prinzips desselben analytisch und wiederum zurück von der Prüfung dieses Prinzips und den Quellen desselben zur gemeinen Erkenntnis, darin sein Gebrauch angetroffen wird, synthetisch den Weg nehmen will. Die Einteilung ist daher so ausgefallen:

In this work I have adopted what I believe to be the most suitable method. We proceed analytically from common knowledge to the determination of its supreme principle, and then synthetically back again, from the examination of this principle and its sources to the common knowledge in which the principle is used. The division of the work is therefore as follows:

1. Erster Abschnitt: Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen.

1. First Section: Transition from common moral rational knowledge to philosophical moral knowledge.

2. Zweiter Abschnitt: Übergang von der populären Moralphilosophie zur Metaphysik der Sitten.

2. Second Section: Transition from popular moral philosophy to the metaphysics of morals.

3. Dritter Abschnitt: Letzter Schritt von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen praktischen Vernunft.

3. Third Section: Final step from the metaphysics of morals to the critique of pure practical reason.

Section I — From common moral reason to philosophy

Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille. Verstand, Witz, Urteilskraft und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze als Eigenschaften des Temperaments sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist. Mit den Glücksgaben ist es eben so bewandt. Macht, Reichtum, Ehre, selbst Gesundheit und das ganze Wohlbefinden und Zufriedenheit mit seinem Zustande unter dem Namen der Glückseligkeit machen Mut und hierdurch öfters auch Übermut, wo nicht ein guter Wille da ist, der den Einfluss derselben aufs Gemüt und hiermit auch das ganze Prinzip zu handeln berichtige und allgemein-zweckmäßig mache; ohne zu erwähnen, dass ein vernünftiger unparteiischer Zuschauer sogar am Anblicke eines ununterbrochenen Wohlergehens eines Wesens, das kein Zug eines reinen und guten Willens ziert, nimmermehr ein Wohlgefallen haben kann, und so der gute Wille die unerlässliche Bedingung selbst der Würdigkeit glücklich zu sein auszumachen scheint.

Nothing anywhere in the world—or indeed even beyond it—can be conceived as good without qualification except a good will. Understanding, wit, judgment, and whatever else the talents of the mind may be called, or courage, resolve, and perseverance in one’s purposes as qualities of temperament, are undoubtedly good and desirable in many respects. But they can also become extremely bad and harmful if the will that is to make use of these natural gifts—and whose distinctive constitution is therefore called character—is not good. The same is true of the gifts of fortune. Power, wealth, honor, even health, and all well-being and satisfaction with one’s condition—what we call happiness—produce courage and thereby often arrogance as well, unless a good will is present to correct their influence on the mind and thus also to correct the whole principle of action, making it universally suited to its purpose. Moreover, a rational and impartial observer could never take pleasure in seeing the uninterrupted prosperity of a being who displays no trace of a pure and good will. Thus the good will seems to be the indispensable condition even of being worthy of happiness.

Einige Eigenschaften sind sogar diesem guten Willen selbst beförderlich und können sein Werk sehr erleichtern, haben aber dem ungeachtet keinen innern unbedingten Wert, sondern setzen immer noch einen guten Willen voraus, der die Hochschätzung, die man übrigens mit Recht für sie trägt, einschränkt und es nicht erlaubt, sie für schlechthin gut zu halten. Mäßigung in Affekten und Leidenschaften, Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung sind nicht allein in vielerlei Absicht gut, sondern scheinen sogar einen Teil vom innern Werte der Person auszumachen; allein es fehlt viel daran, um sie ohne Einschränkung für gut zu erklären (so unbedingt sie auch von den Alten gepriesen worden). Denn ohne Grundsätze eines guten Willens können sie höchst böse werden, und das kalte Blut eines Bösewichts macht ihn nicht allein weit gefährlicher, sondern auch unmittelbar in unsern Augen noch verabscheuungswürdiger, als er ohne dieses dafür würde gehalten werden.

Some qualities even promote this good will itself and can make its work much easier. Nevertheless, they have no inner, unconditional value, but always presuppose a good will. This limits the high regard we otherwise rightly have for them and does not allow us to consider them absolutely good. Moderation in emotions and passions, self-control, and sober reflection are not only good in many respects but even seem to make up part of a person’s inner worth. Yet they fall far short of being good without qualification, however unconditionally the ancients may have praised them. For without the principles of a good will, they can become extremely bad. A villain’s coolness under pressure not only makes him far more dangerous but also makes him immediately more detestable in our eyes than we would otherwise consider him.

Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zur Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d. i. an sich, gut und, für sich selbst betrachtet, ohne Vergleich weit höher zu schätzen als alles, was durch ihn zu Gunsten irgend einer Neigung, ja wenn man will, der Summe aller Neigungen nur immer zu Stande gebracht werden könnte. Wenn gleich durch eine besondere Ungunst des Schicksals, oder durch kärgliche Ausstattung einer stiefmütterlichen Natur es diesem Willen gänzlich an Vermögen fehlte, seine Absicht durchzusetzen; wenn bei seiner größten Bestrebung dennoch nichts von ihm ausgerichtet würde, und nur der gute Wille (freilich nicht etwa als ein bloßer Wunsch, sondern als die Aufbietung aller Mittel, so weit sie in unserer Gewalt sind) übrig bliebe: so würde er wie ein Juwel doch für sich selbst glänzen, als etwas, das seinen vollen Wert in sich selbst hat. Die Nützlichkeit oder Fruchtlosigkeit kann diesem Werte weder etwas zusetzen, noch abnehmen. Sie würde gleichsam nur die Einfassung sein, um ihn im gemeinen Verkehr besser handhaben zu können, oder die Aufmerksamkeit derer, die noch nicht genug Kenner sind, auf sich zu ziehen, nicht aber um ihn Kennern zu empfehlen und seinen Wert zu bestimmen.

A good will is good not because of what it effects or accomplishes, nor because it is fit to attain some proposed end, but solely because of the willing—that is, it is good in itself. Considered in itself, it is beyond comparison far more valuable than anything it could ever bring about in favor of any inclination, or even, if you like, of the sum of all inclinations. Even if, through some special disfavor of fate or the meager endowment of a stepmotherly nature, this will entirely lacked the power to carry out its intention; even if, despite its greatest efforts, it accomplished nothing and only the good will remained—not, of course, as a mere wish, but as the summoning of every means within our power—it would still shine like a jewel in its own right, as something that has its full value in itself. Its usefulness or fruitlessness can neither add anything to this value nor take anything away from it. Usefulness would be merely the setting that allows the jewel to be handled more conveniently in ordinary dealings, or that attracts the attention of those who are not yet expert judges—not something that recommends it to experts or determines its value.

Es liegt gleichwohl in der Idee von dem absoluten Werte des bloßen Willens, ohne einigen Nutzen bei Schätzung desselben in Anschlag zu bringen, etwas so Befremdliches, dass unerachtet aller Einstimmung selbst der gemeinen Vernunft mit derselben dennoch ein Verdacht entspringen muss, dass vielleicht bloß hochfliegende Phantasterei insgeheim zum Grunde liege, und die Natur in ihrer Absicht, warum sie unserm Willen Vernunft zur Regiererin beigelegt habe, falsch verstanden sein möge. Daher wollen wir diese Idee aus diesem Gesichtspunkte auf die Prüfung stellen.

Yet there is something so strange in the idea that the mere will has absolute value, without any consideration of usefulness in assessing it, that despite the agreement of ordinary reason with this idea, a suspicion must still arise. Perhaps it rests secretly on nothing more than high-flown fantasy, and perhaps we have misunderstood nature’s purpose in appointing reason to govern our will. We will therefore examine this idea from this point of view.

In den Naturanlagen eines organisierten, d. i. zweckmäßig zum Leben eingerichteten, Wesens nehmen wir es als Grundsatz an, dass kein Werkzeug zu irgend einem Zwecke in demselben angetroffen werde, als was auch zu demselben das schicklichste und ihm am meisten angemessen ist. Wäre nun an einem Wesen, das Vernunft und einen Willen hat, seine Erhaltung, sein Wohlergehen, mit einem Worte seine Glückseligkeit, der eigentliche Zweck der Natur, so hätte sie ihre Veranstaltung dazu sehr schlecht getroffen, sich die Vernunft des Geschöpfs zur Ausrichterin dieser ihrer Absicht zu ersehen. Denn alle Handlungen, die es in dieser Absicht auszuüben hat, und die ganze Regel seines Verhaltens würden ihm weit genauer durch Instinkt vorgezeichnet und jener Zweck weit sicherer dadurch haben erhalten werden können, als es jemals durch Vernunft geschehen kann, und sollte diese ja obenein dem begünstigten Geschöpf erteilt worden sein, so würde sie ihm nur dazu haben dienen müssen, um über die glückliche Anlage seiner Natur Betrachtungen anzustellen, sie zu bewundern, sich ihrer zu erfreuen und der wohltätigen Ursache dafür dankbar zu sein; nicht aber, um sein Begehrungsvermögen jener schwachen und trüglichen Leitung zu unterwerfen und in der Naturabsicht zu pfuschen; mit einem Worte, sie würde verhütet haben, dass Vernunft nicht in praktischen Gebrauch ausschlüge und die Vermessenheit hätte, mit ihren schwachen Einsichten ihr selbst den Entwurf der Glückseligkeit und der Mittel dazu zu gelangen auszudenken; die Natur würde nicht allein die Wahl der Zwecke, sondern auch der Mittel selbst übernommen und beide mit weiser Vorsorge lediglich dem Instinkte anvertraut haben.

With regard to the natural capacities of an organized being—that is, a being organized in a way suited to life—we adopt this principle: no instrument for any end is to be found in it unless that instrument is also the most fitting and best suited to that end. Now suppose that in a being possessing reason and a will, nature’s real end were the being’s preservation, its well-being—in a word, its happiness. Nature would then have made a very poor arrangement by choosing the creature’s reason to carry out this purpose. For all the actions it must perform for this purpose, and the entire rule of its conduct, would have been prescribed to it far more precisely by instinct; and that end could have been attained through instinct far more reliably than it ever can be through reason. If reason were nevertheless granted to this favored creature in addition, it would have had to serve only to let the creature reflect on the fortunate constitution of its nature, admire it, enjoy it, and be grateful for it to its beneficent cause. Reason would not have been given so that the creature might subject its capacity for desire to such weak and deceptive guidance and meddle with nature’s purpose. In a word, nature would have prevented reason from extending into practical use and presuming, with its weak insight, to devise for itself both a plan of happiness and the means of attaining it. Nature would have taken over the choice not only of the ends but also of the means, and with wise foresight would have entrusted both solely to instinct.

In der Tat finden wir auch, dass, je mehr eine kultivierte Vernunft sich mit der Absicht auf den Genuss des Lebens und der Glückseligkeit abgibt, desto weiter der Mensch von der wahren Zufriedenheit abkomme, woraus bei vielen und zwar den Versuchtesten im Gebrauche derselben, wenn sie nur aufrichtig genug sind, es zu gestehen, ein gewisser Grad von Misologie, d. i. der Hass der Vernunft, entspringt, weil sie nach dem Überschlage alles Vorteils, den sie, ich will nicht sagen von der Erfindung aller Künste des gemeinen Luxus, sondern sogar von den Wissenschaften (die ihnen am Ende auch ein Luxus des Verstandes zu sein scheinen) ziehen, dennoch finden, dass sie sich in der Tat nur mehr Mühseligkeit auf den Hals gezogen, als an Glückseligkeit gewonnen haben und darüber endlich den gemeinen Schlag der Menschen, welcher der Leitung des bloßen Naturinstinkts näher ist, und der seiner Vernunft nicht viel Einfluss auf sein Tun und Lassen verstattet, eher beneiden als geringschätzen. Und so weit muss man gestehen, dass das Urteil derer, die die ruhmredige Hochpreisungen der Vorteile, die uns die Vernunft in Ansehung der Glückseligkeit und Zufriedenheit des Lebens verschaffen sollte, sehr mäßigen und sogar unter Null herabsetzen, keineswegs grämisch, oder gegen die Güte der Weltregierung undankbar sei, sondern dass diesen Urteilen insgeheim die Idee von einer andern und viel würdigern Absicht ihrer Existenz zum Grunde liege, zu welcher und nicht der Glückseligkeit die Vernunft ganz eigentlich bestimmt sei, und welcher darum als oberster Bedingung die Privatabsicht des Menschen größtenteils nachstehen muss.

In fact, we also find that the more a cultivated reason devotes itself to the aim of enjoying life and attaining happiness, the further a human being departs from true satisfaction. In many people—and indeed in those most experienced in the use of reason, if they are only honest enough to admit it—this gives rise to a certain degree of misology, that is, hatred of reason. For when they calculate all the advantages they gain—not only, I would say, from the invention of all the arts of ordinary luxury, but even from the sciences, which in the end also seem to them a luxury of the understanding—they still find that they have in fact brought more hardship upon themselves than they have gained in happiness. Eventually, they are more inclined to envy than to despise the ordinary sort of person, who remains closer to the guidance of mere natural instinct and allows reason little influence over what he does or refrains from doing. To this extent, we must acknowledge that the judgment of those who greatly moderate, or even reduce below zero, the boastful praise of the advantages that reason is supposed to provide us with regard to happiness and satisfaction in life is by no means morose or ungrateful toward the goodness of the world’s government. Rather, these judgments secretly rest on the idea of another and far worthier purpose for their existence. It is for this purpose, and not for happiness, that reason is properly intended; and as the supreme condition, this purpose must therefore take precedence, for the most part, over a human being’s private aims.

Denn da die Vernunft dazu nicht tauglich genug ist, um den Willen in Ansehung der Gegenstände desselben und der Befriedigung aller unserer Bedürfnisse (die sie zum Teil selbst vervielfältigt) sicher zu leiten, als zu welchem Zwecke ein eingepflanzter Naturinstinkt viel gewisser geführt haben würde, gleichwohl aber uns Vernunft als praktisches Vermögen, d. i. als ein solches, das Einfluss auf den Willen haben soll, dennoch zugeteilt ist: so muss die wahre Bestimmung derselben sein, einen nicht etwa in anderer Absicht als Mittel, sondern an sich selbst guten Willen hervorzubringen, wozu schlechterdings Vernunft nötig war, wo anders die Natur überall in Austeilung ihrer Anlagen zweckmäßig zu Werke gegangen ist. Dieser Wille darf also zwar nicht das einzige und das ganze, aber er muss doch das höchste Gut und zu allem Übrigen, selbst allem Verlangen nach Glückseligkeit die Bedingung sein, in welchem Falle es sich mit der Weisheit der Natur gar wohl vereinigen lässt, wenn man wahrnimmt, dass die Kultur der Vernunft, die zur erstern und unbedingten Absicht erforderlich ist, die Erreichung der zweiten, die jederzeit bedingt ist, nämlich der Glückseligkeit, wenigstens in diesem Leben auf mancherlei Weise einschränke, ja sie selbst unter Nichts herabbringen könne, ohne dass die Natur darin unzweckmäßig verfahre, weil die Vernunft, die ihre höchste praktische Bestimmung in der Gründung eines guten Willens erkennt, bei Erreichung dieser Absicht nur einer Zufriedenheit nach ihrer eigenen Art, nämlich aus der Erfüllung eines Zwecks, den wiederum nur Vernunft bestimmt, fähig ist, sollte dieses auch mit manchem Abbruch, der den Zwecken der Neigung geschieht, verbunden sein.

Reason is not sufficiently capable of guiding the will reliably with regard to its objects and the satisfaction of all our needs—some of which reason itself multiplies. An implanted natural instinct would have led us much more reliably to that end. Nevertheless, reason has been given to us as a practical capacity, that is, as a capacity meant to influence the will. Its true vocation must therefore be to produce a will that is good in itself, and not merely good as a means to some other purpose. Reason was absolutely necessary for this, assuming that nature has everywhere acted purposefully in distributing its capacities. This will, then, need not be the sole and complete good, but it must still be the highest good and the condition of everything else, even of every desire for happiness. If so, it is entirely consistent with the wisdom of nature that cultivating reason, which is required for the first and unconditional purpose, should restrict in various ways the attainment of the second, which is always conditional—namely, happiness—and might even reduce it below zero, at least in this life. Nature does not act contrary to its purpose in doing so. For reason recognizes that its highest practical vocation is to establish a good will, and in attaining this purpose it is capable only of a satisfaction of its own kind: satisfaction from fulfilling an end that reason alone determines, even if this involves some loss to the ends of inclination.

Um aber den Begriff eines an sich selbst hochzuschätzenden und ohne weitere Absicht guten Willens, so wie er schon dem natürlichen gesunden Verstande beiwohnt und nicht sowohl gelehrt als vielmehr nur aufgeklärt zu werden bedarf, diesen Begriff, der in der Schätzung des ganzen Werts unserer Handlungen immer obenan steht und die Bedingung alles übrigen ausmacht, zu entwickeln: wollen wir den Begriff der Pflicht vor uns nehmen, der den eines guten Willens, obzwar unter gewissen subjektiven Einschränkungen und Hindernissen, enthält, die aber doch, weit gefehlt dass sie ihn verstecken und unkenntlich machen sollten, ihn vielmehr durch Abstechung heben und desto heller hervorscheinen lassen.

The concept of a good will—one valued highly in itself and good without any further purpose—is already present in natural sound understanding and needs not so much to be taught as merely to be clarified. This concept always stands first in our assessment of the total value of our actions and constitutes the condition of everything else. To develop it, we will consider the concept of duty. The concept of duty contains that of a good will, though under certain subjective limitations and obstacles. Far from concealing the good will or making it unrecognizable, these limitations instead bring it out by contrast and make it shine all the more clearly.

Ich übergehe hier alle Handlungen, die schon als pflichtwidrig erkannt werden, ob sie gleich in dieser oder jener Absicht nützlich sein mögen; denn bei denen ist gar nicht einmal die Frage, ob sie aus Pflicht geschehen sein mögen, da sie dieser sogar widerstreiten. Ich setze auch die Handlungen bei Seite, die wirklich pflichtmäßig sind, zu denen aber Menschen unmittelbar keine Neigung haben, sie aber dennoch ausüben, weil sie durch eine andere Neigung dazu getrieben werden. Denn da lässt sich leicht unterscheiden, ob die pflichtmäßige Handlung aus Pflicht oder aus selbstsüchtiger Absicht geschehen sei. Weit schwerer ist dieser Unterschied zu bemerken, wo die Handlung pflichtmäßig ist und das Subjekt noch überdem unmittelbare Neigung zu ihr hat. Z. B. ist es allerdings pflichtmäßig, dass der Krämer seinen unerfahrnen Käufer nicht überteure, und, wo viel Verkehr ist, tut dieses auch der kluge Kaufmann nicht, sondern hält einen festgesetzten allgemeinen Preis für jedermann, so dass ein Kind eben so gut bei ihm kauft, als jeder andere. Man wird also ehrlich bedient; allein das ist lange nicht genug, um deswegen zu glauben, der Kaufmann habe aus Pflicht und Grundsätzen der Ehrlichkeit so verfahren; sein Vorteil erforderte es; dass er aber überdem noch eine unmittelbare Neigung zu den Käufern haben sollte, um gleichsam aus Liebe keinem vor dem andern im Preise den Vorzug zu geben, lässt sich hier nicht annehmen. Also war die Handlung weder aus Pflicht, noch aus unmittelbarer Neigung, sondern bloß in eigennütziger Absicht geschehen.

I will pass over here all actions already recognized as contrary to duty, even though they may be useful for this or that purpose. In their case, the question does not even arise whether they might have been done from duty, since they actually conflict with it. I will also set aside actions that genuinely accord with duty but toward which people have no immediate inclination, and which they nevertheless perform because another inclination drives them to do so. For there it is easy to distinguish whether an action that accords with duty was done from duty or from a self-interested purpose. It is much harder to notice this distinction when the action accords with duty and the person also has an immediate inclination toward it. For example, it certainly accords with duty for a shopkeeper not to overcharge an inexperienced customer. Where there is a great deal of trade, a prudent merchant does not do so either, but maintains a fixed general price for everyone, so that a child can buy from him just as well as anyone else. Customers are therefore treated honestly. But this is nowhere near enough to justify believing that the merchant acted from duty and from principles of honesty; his advantage required it. Nor can we assume here that he also had an immediate inclination toward his customers and, as it were out of love, gave none of them an advantage over another in price. Thus the action was done neither from duty nor from immediate inclination, but merely for a self-interested purpose.

Dagegen sein Leben zu erhalten, ist Pflicht, und überdem hat jedermann dazu noch eine unmittelbare Neigung. Aber um deswillen hat die oft ängstliche Sorgfalt, die der größte Teil der Menschen dafür trägt, doch keinen innern Wert und die Maxime derselben keinen moralischen Gehalt. Sie bewahren ihr Leben zwar pflichtmäßig aber nicht aus Pflicht. Dagegen wenn Widerwärtigkeiten und hoffnungsloser Gram den Geschmack am Leben gänzlich weggenommen haben; wenn der Unglückliche, stark an Seele, über sein Schicksal mehr entrüstet als kleinmütig oder niedergeschlagen, den Tod wünscht und sein Leben doch erhält, ohne es zu lieben, nicht aus Neigung oder Furcht, sondern aus Pflicht: alsdann hat seine Maxime einen moralischen Gehalt.

By contrast, preserving one’s life is a duty, and everyone also has an immediate inclination to do so. But for that very reason, the often anxious care that most people take to preserve it has no inner worth, and their maxim has no moral content. They preserve their lives in accordance with duty, but not from duty. By contrast, suppose that adversity and hopeless grief have completely taken away someone’s taste for life. Suppose that this unhappy person, strong in soul and more indignant at his fate than fainthearted or dejected, wishes for death and yet preserves his life without loving it—not from inclination or fear, but from duty. Then his maxim has moral content.

Wohltätig sein, wo man kann, ist Pflicht, und überdem gibt es manche so teilnehmend gestimmte Seelen, dass sie auch ohne einen andern Bewegungsgrund der Eitelkeit oder des Eigennutzes ein inneres Vergnügen daran finden, Freude um sich zu verbreiten, und die sich an der Zufriedenheit anderer, so fern sie ihr Werk ist, ergötzen können. Aber ich behaupte, dass in solchem Falle dergleichen Handlung, so pflichtmäßig, so liebenswürdig sie auch ist, dennoch keinen wahren sittlichen Wert habe, sondern mit andern Neigungen zu gleichen Paaren gehe, z. E. der Neigung nach Ehre, die, wenn sie glücklicherweise auf das trifft, was in der Tat gemeinnützig und pflichtmäßig, mithin ehrenwert ist, Lob und Aufmunterung, aber nicht Hochschätzung verdient; denn der Maxime fehlt der sittliche Gehalt, nämlich solche Handlungen nicht aus Neigung, sondern aus Pflicht zu tun. Gesetzt also, das Gemüt jenes Menschenfreundes wäre vom eigenen Gram umwölkt, der alle Teilnehmung an anderer Schicksal auslöscht, er hätte immer noch Vermögen, andern Notleidenden wohlzutun, aber fremde Not rührte ihn nicht, weil er mit seiner eigenen genug beschäftigt ist, und nun, da keine Neigung ihn mehr dazu anreizt, risse er sich doch aus dieser tödlichen Unempfindlichkeit heraus und täte die Handlung ohne alle Neigung, lediglich aus Pflicht, alsdann hat sie allererst ihren echten moralischen Wert. Noch mehr: wenn die Natur diesem oder jenem überhaupt wenig Sympathie ins Herz gelegt hätte, wenn er (übrigens ein ehrlicher Mann) von Temperament kalt und gleichgültig gegen die Leiden anderer wäre, vielleicht weil er, selbst gegen seine eigene mit der besondern Gabe der Geduld und aushaltenden Stärke versehen, dergleichen bei jedem andern auch voraussetzt, oder gar fordert; wenn die Natur einen solchen Mann (welcher wahrlich nicht ihr schlechtestes Produkt sein würde) nicht eigentlich zum Menschenfreunde gebildet hätte, würde er denn nicht noch in sich einen Quell finden, sich selbst einen weit höhern Wert zu geben, als der eines gutartigen Temperaments sein mag? Allerdings! gerade da hebt der Wert des Charakters an, der moralisch und ohne alle Vergleichung der höchste ist, nämlich dass er wohltue, nicht aus Neigung, sondern aus Pflicht.

It is a duty to help others where one can. Moreover, some souls are so sympathetically disposed that, even without any further motive of vanity or self-interest, they find an inner pleasure in spreading joy around them and can delight in the satisfaction of others insofar as it is their own work. But I maintain that in such a case an action of this kind, however much it accords with duty and however lovable it may be, still has no true moral worth. It stands on the same level as other inclinations—for example, the inclination toward honor. If this inclination happens fortunately to settle on what is in fact beneficial to the public and in accordance with duty, and therefore honorable, it deserves praise and encouragement, but not high esteem. For the maxim lacks moral content: the content of doing such actions not from inclination, but from duty. Suppose, then, that this philanthropist’s mind were clouded by his own grief, extinguishing all sympathy with the fate of others. He would still have the power to help others in distress, but their distress would not move him because he was sufficiently occupied with his own. Now suppose that, when no inclination any longer prompted him, he nevertheless tore himself out of this deadly insensibility and performed the action without any inclination, solely from duty. Only then does the action have its genuine moral worth. Still more: suppose nature had placed very little sympathy at all in someone’s heart. Suppose that he—an honest man in other respects—were cold by temperament and indifferent to the sufferings of others, perhaps because he himself was endowed with a special gift of patience and enduring strength toward his own sufferings and therefore assumed, or even demanded, the same of everyone else. If nature had not really formed such a man—who would certainly not be its worst product—to be a philanthropist, would he not still find within himself a source from which to give himself a far higher worth than a good-natured temperament might possess? Certainly. It is precisely there that the worth of character begins—the moral worth that is beyond comparison the highest: that he helps others not from inclination, but from duty.

Seine eigene Glückseligkeit sichern, ist Pflicht (wenigstens indirekt), denn der Mangel der Zufriedenheit mit seinem Zustande in einem Gedränge von vielen Sorgen und mitten unter unbefriedigten Bedürfnissen könnte leicht eine große Versuchung zu Übertretung der Pflichten werden. Aber auch ohne hier auf Pflicht zu sehen, haben alle Menschen schon von selbst die mächtigste und innigste Neigung zur Glückseligkeit, weil sich gerade in dieser Idee alle Neigungen zu einer Summe vereinigen. Nur ist die Vorschrift der Glückseligkeit mehrenteils so beschaffen, dass sie einigen Neigungen großen Abbruch tut und doch der Mensch sich von der Summe der Befriedigung aller unter dem Namen der Glückseligkeit keinen bestimmten und sichern Begriff machen kann; daher nicht zu verwundern ist, wie eine einzige in Ansehung dessen, was sie verheißt, und der Zeit, worin ihre Befriedigung erhalten werden kann, bestimmte Neigung eine schwankende Idee überwiegen könne, und der Mensch, z. B. ein Podagrist, wählen könne, zu genießen, was ihm schmeckt, und zu leiden, was er kann, weil er nach seinem Überschlage hier wenigstens sich nicht durch vielleicht grundlose Erwartungen eines Glücks, das in der Gesundheit stecken soll, um den Genuss des gegenwärtigen Augenblicks gebracht hat, Aber auch in diesem Falle, wenn die allgemeine Neigung zur Glückseligkeit seinen Willen nicht bestimmte, wenn Gesundheit für ihn wenigstens nicht so notwendig in diesen Überschlag gehörte, so bleibt noch hier wie in allen andern Fällen ein Gesetz übrig, nämlich seine Glückseligkeit zu befördern, nicht aus Neigung, sondern aus Pflicht, und da hat sein Verhalten allererst den eigentlichen moralischen Wert.

Securing one’s own happiness is a duty—at least indirectly—for dissatisfaction with one’s condition, amid the pressure of many worries and unmet needs, could easily become a powerful temptation to violate one’s duties. Yet even without considering duty here, all human beings already have, of their own accord, the strongest and most intimate inclination toward happiness, because it is precisely in the idea of happiness that all inclinations are combined into a total. But the prescription for happiness is generally such that it seriously frustrates some inclinations, while a person can form no definite and reliable conception of the total satisfaction of them all that goes by the name of happiness. It is therefore no wonder that a single inclination, definite both about what it promises and about when its satisfaction can be obtained, may outweigh a wavering idea. A person with gout, for example, may choose to enjoy what tastes good and suffer what he can, because, by his calculation, he has at least not deprived himself of the enjoyment of the present moment on the basis of perhaps groundless expectations of a happiness supposedly found in health. But even in this case, if the general inclination toward happiness did not determine his will, and if health, at least for him, did not necessarily enter into this calculation, there would still remain here, as in all other cases, a law: to promote his happiness, not from inclination, but from duty. Only then does his conduct have genuine moral worth.

So sind ohne Zweifel auch die Schriftstellen zu verstehen, darin geboten wird, seinen Nächsten, selbst unsern Feind zu lieben. Denn Liebe als Neigung kann nicht geboten werden, aber Wohltun aus Liebe selbst, wenn dazu gleich gar keine Neigung treibt, ja gar natürliche und unbezwingliche Abneigung widersteht, ist praktische und nicht pathologische Liebe, die im Willen liegt und nicht im Hange der Empfindung, in Grundsätzen der Handlung und nicht schmelzender Teilnehmung; jene aber allein kann geboten werden.

This is no doubt also how we should understand the passages of Scripture that command us to love our neighbor, even our enemy. For love as inclination cannot be commanded. But doing good from love, even when no inclination at all impels us to do so—and indeed when a natural and unconquerable aversion resists—is practical rather than affective love. It lies in the will, not in the tendency of feeling; in principles of action, not in tender sympathy. Only the former kind of love can be commanded.

Der zweite Satz ist: eine Handlung aus Pflicht hat ihren moralischen Wert nicht in der Absicht, welche dadurch erreicht werden soll, sondern in der Maxime, nach der sie beschlossen wird, hängt also nicht von der Wirklichkeit des Gegenstandes der Handlung ab, sondern bloß von dem Prinzip des Wollens, nach welchem die Handlung unangesehen aller Gegenstände des Begehrungsvermögens geschehen ist. Dass die Absichten, die wir bei Handlungen haben mögen, und ihre Wirkungen, als Zwecke und Triebfedern des Willens, den Handlungen keinen unbedingten und moralischen Wert erteilen können, ist aus dem vorigen klar. Worin kann also dieser Wert liegen, wenn er nicht im Willen in Beziehung auf deren verhoffte Wirkung bestehen soll? Er kann nirgends anders liegen, als im Prinzip des Willens unangesehen der Zwecke, die durch solche Handlung bewirkt werden können; denn der Wille ist mitten inne zwischen seinem Prinzip a priori, welches formell ist, und zwischen seiner Triebfeder a posteriori, welche materiell ist, gleichsam auf einem Scheidewege, und da er doch irgend wodurch muss bestimmt werden, so wird er durch das formelle Prinzip des Wollens überhaupt bestimmt werden müssen, wenn eine Handlung aus Pflicht geschieht, da ihm alles materielle Prinzip entzogen worden.

The second proposition is this: an action from duty has its moral worth not in the aim to be achieved by it, but in the maxim according to which it is decided upon. Its worth therefore does not depend on whether the object of the action becomes a reality, but solely on the principle of willing according to which the action is performed, regardless of all objects of desire. What has already been said makes it clear that the aims we may have in acting, and the effects of our actions, cannot give those actions unconditional and moral worth when they serve as ends and incentives of the will. Where, then, can this worth lie, if it is not to consist in the will’s relation to the hoped-for effect? It can lie nowhere but in the principle of the will, regardless of the ends that such an action can bring about. For the will stands, as it were, at a crossroads between its a priori principle, which is formal, and its a posteriori incentive, which is material. Since it must nevertheless be determined by something, it must be determined by the formal principle of willing as such whenever an action is done from duty, because every material principle has been taken away from it.

Den dritten Satz als Folgerung aus beiden vorigen würde ich so ausdrücken: Pflicht ist die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz. Zum Objekte als Wirkung meiner vorhabenden Handlung kann ich zwar Neigung haben, aber niemals Achtung, eben darum weil sie bloß eine Wirkung und nicht Tätigkeit eines Willens ist. Eben so kann ich für Neigung überhaupt, sie mag nun meine oder eines andern seine sein, nicht Achtung haben, ich kann sie höchstens im ersten Falle billigen, im zweiten bisweilen selbst lieben, d. i. sie als meinem eigenen Vorteile günstig ansehen. Nur das, was bloß als Grund, niemals aber als Wirkung mit meinem Willen verknüpft ist, was nicht meiner Neigung dient, sondern sie überwiegt, wenigstens diese von deren Überschlage bei der Wahl ganz ausschließt, mithin das bloße Gesetz für sich kann ein Gegenstand der Achtung und hiermit ein Gebot sein. Nun soll eine Handlung aus Pflicht den Einfluss der Neigung und mit ihr jeden Gegenstand des Willens ganz absondern, also bleibt nichts für den Willen übrig, was ihn bestimmen könne, als objektiv das Gesetz und subjektiv reine Achtung für dieses praktische Gesetz, mithin die Maxime , einem solchen Gesetze selbst mit Abbruch aller meiner Neigungen Folge zu leisten.

I would express the third proposition, as a conclusion from the previous two, in this way: duty is the necessity of an action from respect for the law. I can certainly have an inclination toward the object that is to result from my intended action, but I can never have respect for it, precisely because it is merely an effect and not the activity of a will. In the same way, I cannot have respect for inclination as such, whether it is my own or someone else’s. At most, in the first case, I can approve of it; in the second, I can sometimes even love it—that is, regard it as favorable to my own advantage. Only what is connected with my will solely as its ground and never as its effect—what does not serve my inclination, but outweighs it, or at least excludes it entirely from the calculation involved in choosing—can be an object of respect and therefore a command. Thus only the law by itself can be such an object. Now an action from duty is to set aside entirely the influence of inclination and, along with it, every object of the will. Nothing therefore remains that could determine the will except, objectively, the law and, subjectively, pure respect for this practical law, and hence the maxim of obeying such a law even at the cost of all my inclinations.

Es liegt also der moralische Wert der Handlung nicht in der Wirkung, die daraus erwartet wird, also auch nicht in irgend einem Prinzip der Handlung, welches seinen Bewegungsgrund von dieser erwarteten Wirkung zu entlehnen bedarf. Denn alle diese Wirkungen (Annehmlichkeit seines Zustandes, ja gar Beförderung fremder Glückseligkeit) konnten auch durch andere Ursachen zu Stande gebracht werden, und es brauchte also dazu nicht des Willens eines vernünftigen Wesens, worin gleichwohl das höchste und unbedingte Gute allein angetroffen werden kann. Es kann daher nichts anders als die Vorstellung des Gesetzes an sich selbst, die freilich nur im vernünftigen Wesen stattfindet so fern sie, nicht aber die verhoffte Wirkung der Bestimmungsgrund des Willens ist, das so vorzügliche Gute, welches wir sittlich nennen, ausmachen, welches in der Person selbst schon gegenwärtig ist, die darnach handelt, nicht aber allererst aus der Wirkung erwartet werden darf .

The moral worth of an action therefore does not lie in the effect expected from it, nor, consequently, in any principle of action that must derive its motive from this expected effect. For all these effects—making one’s own condition agreeable, or even promoting the happiness of others—could also have been brought about by other causes. They therefore did not require the will of a rational being, even though it is only in such a will that the highest and unconditional good can be found. Thus nothing other than the representation of the law in itself can constitute the preeminent good that we call moral. Such a representation can, of course, occur only in a rational being, insofar as it—not the hoped-for effect—is the determining ground of the will. This good is already present in the person who acts according to that representation; it must not first be expected from the action’s effect .

Was kann das aber wohl für ein Gesetz sein, dessen Vorstellung, auch ohne auf die daraus erwartete Wirkung Rücksicht zu nehmen, den Willen bestimmen muss, damit dieser schlechterdings und ohne Einschränkung gut heißen könne? Da ich den Willen aller Antriebe beraubt habe, die ihm aus der Befolgung irgend eines Gesetzes entspringen könnten, so bleibt nichts als die allgemeine Gesetzmäßigkeit der Handlungen überhaupt übrig, welche allein dem Willen zum Prinzip dienen soll, d. i. ich soll niemals anders verfahren als so, dass ich auch wollen könne, meine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden. Hier ist nun die bloße Gesetzmäßigkeit überhaupt (ohne irgend ein auf gewisse Handlungen bestimmtes Gesetz zum Grunde zu legen) das, was dem Willen zum Prinzip dient und ihm auch dazu dienen muss, wenn Pflicht nicht überall ein leerer Wahn und schimärischer Begriff sein soll; hiermit stimmt die gemeine Menschenvernunft in ihrer praktischen Beurteilung auch vollkommen überein und hat das gedachte Prinzip jederzeit vor Augen.

But what kind of law could it be whose representation must determine the will, even without regard to the effect expected from it, if the will is to be called absolutely and without qualification good? Since I have deprived the will of every incentive that might arise for it from obeying any law, nothing remains but the universal lawfulness of actions as such, which alone is to serve the will as its principle. That is, I should never act except in such a way that I could also will that my maxim should become a universal law. Here, then, mere lawfulness as such—without taking any law directed at particular actions as its basis—is what serves the will as its principle, and must serve it as such if duty is not everywhere to be an empty delusion and a chimerical concept. Ordinary human reason, in its practical judgment, also agrees completely with this and always keeps the principle just stated in view.

Die Frage sei z. B.: darf ich, wenn ich im Gedränge bin, nicht ein Versprechen tun, in der Absicht, es nicht zu halten? Ich mache hier leicht den Unterschied, den die Bedeutung der Frage haben kann, ob es klüglich, oder ob es pflichtmäßig sei, ein falsches Versprechen zu tun. Das erstere kann ohne Zweifel öfters stattfinden. Zwar sehe ich wohl, dass es nicht genug sei, mich vermittelst dieser Ausflucht aus einer gegenwärtigen Verlegenheit zu ziehen, sondern wohl überlegt werden müsse, ob mir aus dieser Lüge nicht hinterher viel größere Ungelegenheit entspringen könne, als die sind, von denen ich mich jetzt befreie, und, da die Folgen bei aller meiner vermeinten Schlauigkeit nicht so leicht vorauszusehen sind, dass nicht ein einmal verlornes Zutrauen mir weit nachteiliger werden könnte als alles Übel, das ich jetzt zu vermeiden gedenke, ob es nicht klüglicher gehandelt sei, hierbei nach einer allgemeinen Maxime zu verfahren und es sich zur Gewohnheit zu machen, nichts zu versprechen als in der Absicht, es zu halten. Allein es leuchtet mir hier bald ein, dass eine solche Maxime doch immer nur die besorglichen Folgen zum Grunde habe. Nun ist es doch etwas ganz anderes, aus Pflicht wahrhaft zu sein, als aus Besorgnis der nachteiligen Folgen: indem im ersten Falle der Begriff der Handlung an sich selbst schon ein Gesetz für mich enthält, im zweiten ich mich allererst anderwärtsher umsehen muss, welche Wirkungen für mich wohl damit verbunden sein möchten. Denn wenn ich von dem Prinzip der Pflicht abweiche, so ist es ganz gewiss böse; werde ich aber meiner Maxime der Klugheit abtrünnig, so kann das mir doch manchmal sehr vorteilhaft sein, wiewohl es freilich sicherer ist, bei ihr zu bleiben. Um indessen mich in Ansehung der Beantwortung dieser Aufgabe, ob ein lügenhaftes Versprechen pflichtmäßig sei, auf die allerkürzeste und doch untrügliche Art zu belehren, so frage ich mich selbst: würde ich wohl damit zufrieden sein, dass meine Maxime (mich durch ein unwahres Versprechen aus Verlegenheit zu ziehen) als ein allgemeines Gesetz (sowohl für mich als andere) gelten solle, und würde ich wohl zu mir sagen können: es mag jedermann ein unwahres Versprechen tun, wenn er sich in Verlegenheit befindet, daraus er sich auf andere Art nicht ziehen kann? So werde ich bald inne, dass ich zwar die Lüge, aber ein allgemeines Gesetz zu lügen gar nicht wollen könne; denn nach einem solchen würde es eigentlich gar kein Versprechen geben, weil es vergeblich wäre, meinen Willen in Ansehung meiner künftigen Handlungen andern vorzugeben, die diesem Vorgeben doch nicht glauben, oder, wenn sie es übereilter Weise täten, mich doch mit gleicher Münze bezahlen würden, mithin meine Maxime, so bald sie zum allgemeinen Gesetze gemacht würde, sich selbst zerstören müsse.

Suppose, for example, the question is this: When I am in a predicament, may I make a promise with no intention of keeping it? Here I can easily distinguish the two meanings the question may have: whether making a false promise is prudent, or whether it is consistent with duty. The former can undoubtedly often be the case. I certainly see that it is not enough to use this escape to get myself out of a present difficulty. I must carefully consider whether this lie might later cause me much greater trouble than the troubles from which I am now freeing myself. And since, despite all my supposed cleverness, the consequences are not so easy to foresee, I must consider whether losing someone’s trust might not harm me far more than all the harm I now intend to avoid. Perhaps it would be more prudent here to follow a general maxim and make it my habit to promise nothing unless I intend to keep it. But I soon see that such a maxim is still based only on fear of the possible consequences. Yet being truthful from duty is something entirely different from being truthful out of concern about harmful consequences. In the first case, the concept of the action in itself already contains a law for me; in the second, I must first look elsewhere to discover what effects the action might have for me. For if I depart from the principle of duty, that is certainly wrong; but if I abandon my maxim of prudence, that can sometimes be very advantageous to me, although it is of course safer to adhere to it. To resolve, in the shortest yet most reliable way, the question whether a lying promise is consistent with duty, I ask myself: Would I be content for my maxim—getting myself out of a predicament by making a false promise—to hold as a universal law, for myself as well as for others? And could I say to myself: Everyone may make a false promise when facing a predicament from which there is no other way out? I then soon realize that although I could will the lie, I could not possibly will a universal law of lying. For under such a law there would really be no promises at all. It would be pointless to tell others what I intend to do in the future, since they would not believe what I told them—or, if they rashly did believe it, they would repay me in kind. Thus my maxim, as soon as it was made a universal law, would necessarily destroy itself.

Was ich also zu tun habe, damit mein Wollen sittlich gut sei, dazu brauche ich gar keine weit ausholende Scharfsinnigkeit. Unerfahren in Ansehung des Weltlaufs, unfähig auf alle sich ereignende Vorfälle desselben gefasst zu sein, frage ich mich nur: Kannst du auch wollen, dass deine Maxime ein allgemeines Gesetz werde? Wo nicht, so ist sie verwerflich und das zwar nicht um eines dir oder auch anderen daraus bevorstehenden Nachteils willen, sondern weil sie nicht als Prinzip in eine mögliche allgemeine Gesetzgebung passen kann; für diese aber zwingt mir die Vernunft unmittelbare Achtung ab, von der ich zwar jetzt noch nicht einsehe, worauf sie sich gründe (welches der Philosoph untersuchen mag), wenigstens aber doch so viel verstehe: dass es eine Schätzung des Wertes sei, welcher allen Wert dessen, was durch Neigung angepriesen wird, weit überwiegt, und dass die Notwendigkeit meiner Handlungen aus reiner Achtung fürs praktische Gesetz dasjenige sei, was die Pflicht ausmacht, der jeder andere Bewegungsgrund weichen muss, weil sie die Bedingung eines an sieh guten Willens ist, dessen Wert über alles geht.

So I do not need any far-reaching cleverness to know what I must do for my willing to be morally good. Inexperienced in the ways of the world and unable to be prepared for everything that may happen in it, I ask myself only: Can you also will that your maxim should become a universal law? If not, then the maxim must be rejected—not because of any disadvantage that might result from it for you or even for others, but because it cannot fit as a principle into a possible universal legislation. Reason compels me to have immediate respect for such legislation. Admittedly, I do not yet see what this respect is based on—that is something the philosopher may investigate. But I do at least understand this much: it is an esteem for a value that far outweighs the value of everything praised by inclination; and the necessity of my actions from pure respect for the practical law is what constitutes duty. Every other motive must give way to duty, because duty is the condition of a will that is good in itself, whose value surpasses everything else.

So sind wir denn in der moralischen Erkenntnis der gemeinen Menschenvernunft bis zu ihrem Prinzip gelangt, welches sie sich zwar freilich nicht so in einer allgemeinen Form abgesondert denkt, aber doch jederzeit wirklich vor Augen hat und zum Richtmaße ihrer Beurteilung braucht. Es wäre hier leicht zu zeigen, wie sie mit diesem Kompasse in der Hand in allen vorkommenden Fällen sehr gut Bescheid wisse, zu unterscheiden, was gut, was böse, pflichtmäßig, oder pflichtwidrig sei, wenn man, ohne sie im mindesten etwas Neues zu lehren, sie nur, wie Sokrates tat, auf ihr eigenes Prinzip aufmerksam macht, und dass es also keiner Wissenschaft und Philosophie bedürfe, um zu wissen, was man zu tun habe, um ehrlich und gut, ja sogar um weise und tugendhaft zu sein. Das ließe sich auch wohl schon zum voraus vermuten, dass die Kenntnis dessen, was zu tun, mithin auch zu wissen jedem Menschen obliegt, auch jedes, selbst des gemeinsten Menschen Sache sein werde. Hier kann man es doch nicht ohne Bewunderung ansehen, wie das praktische Beurteilungsvermögen vor dem theoretischen im gemeinen Menschenverstande so gar viel voraus habe. In dem letzteren, wenn die gemeine Vernunft es wagt, von den Erfahrungsgesetzen und den Wahrnehmungen der Sinne abzugehen, gerät sie in lauter Unbegreiflichkeiten und Widersprüche mit sich selbst, wenigstens in ein Chaos von Ungewissheit, Dunkelheit und Unbestand. Im praktischen aber fängt die Beurteilungskraft dann eben allererst an, sich recht vorteilhaft zu zeigen, wenn der gemeine Verstand alle sinnliche Triebfedern von praktischen Gesetzen ausschließt. Er wird alsdann sogar subtil, es mag sein, dass er mit seinem Gewissen oder anderen Ansprüchen in Beziehung auf das, was recht heißen soll, schikanieren, oder auch den Wert der Handlungen zu seiner eigenen Belehrung aufrichtig bestimmen will, und was das meiste ist, er kann im letzteren Falle sich eben so gut Hoffnung machen, es recht zu treffen, als es sich immer ein Philosoph versprechen mag, ja ist beinahe noch sicherer hierin, als selbst der letztere, weil dieser doch kein anderes Prinzip als jener haben, sein Urteil aber durch eine Menge fremder, nicht zur Sache gehöriger Erwägungen leicht verwirren und von der geraden Richtung abweichend machen kann. Wäre es demnach nicht ratsamer, es in moralischen Dingen bei dem gemeinen Vernunfturteil bewenden zu lassen und höchstens nur Philosophie anzubringen, um das System der Sitten desto vollständiger und fasslicher, imgleichen die Regeln derselben zum Gebrauche (noch mehr aber zum Disputieren) bequemer darzustellen, nicht aber um selbst in praktischer Absicht den gemeinen Menschenverstand von seiner glücklichen Einfalt abzubringen und ihn durch Philosophie auf einen neuen Weg der Untersuchung und Belehrung zu bringen?

Thus, in the moral knowledge of ordinary human reason, we have reached its principle. Ordinary reason does not, of course, think of this principle separately in such a universal form, but it nevertheless always actually has it before its eyes and uses it as the standard for its judgments. It would be easy to show here how, with this compass in hand, ordinary reason knows very well in every case that arises how to distinguish what is good from what is evil, and what conforms to duty from what is contrary to duty. One need only draw its attention to its own principle, as Socrates did, without teaching it anything new at all. This would also show that no science or philosophy is needed in order to know what one must do to be honest and good, or even wise and virtuous. Indeed, one might well have expected in advance that knowing what it is incumbent on every human being to do, and therefore also to know, would be within the reach of everyone, even the most ordinary person. Here we cannot help admiring how greatly ordinary human understanding’s power of practical judgment surpasses its power of theoretical judgment. In theoretical matters, when ordinary reason ventures beyond the laws of experience and the perceptions of the senses, it falls into sheer incomprehensibility and self-contradiction, or at least into a chaos of uncertainty, obscurity, and instability. In practical matters, by contrast, its power of judgment begins to show itself to best advantage precisely when ordinary understanding excludes every sensory incentive from practical laws. It then even becomes subtle—whether it wants to quibble with its conscience or with other claims about what is to count as right, or instead sincerely to determine the value of actions for its own instruction. Most importantly, in the latter case it can be just as confident of reaching the right judgment as any philosopher could ever be, and indeed is almost more certain to do so than the philosopher. For the philosopher can have no principle other than the one available to ordinary understanding, yet can easily confuse his judgment with a mass of irrelevant considerations and divert it from its direct course. Would it not therefore be more advisable, in moral matters, to leave things to the judgment of ordinary reason? At most, philosophy might be used to present the system of morals more completely and intelligibly, and to make its rules more convenient for use—and still more convenient for disputation. But perhaps philosophy should not, even for practical purposes, lead ordinary human understanding away from its fortunate simplicity and set it on a new path of inquiry and instruction.

Es ist eine herrliche Sache um die Unschuld, nur es ist auch wiederum sehr schlimm, dass sie sich nicht wohl bewahren lässt und leicht verführt wird. Deswegen bedarf selbst die Weisheit – die sonst wohl mehr im Thun und Lassen, als im Wissen besteht – doch auch der Wissenschaft, nicht um von ihr zu lernen, sondern ihrer Vorschrift Eingang und Dauerhaftigkeit zu verschaffen. Der Mensch fühlt in sich selbst ein mächtiges Gegengewicht gegen alle Gebote der Pflicht, die ihm die Vernunft so hochachtungswürdig vorstellt, an seinen Bedürfnissen und Neigungen, deren ganze Befriedigung er unter dem Namen der Glückseligkeit zusammenfasst. Nun gebietet die Vernunft, ohne doch dabei den Neigungen etwas zu verheißen, unnachlasslich, mithin gleichsam mit Zurücksetzung und Nichtachtung jener so ungestümen und dabei so billig scheinenden Ansprüche (die sich durch kein Gebot wollen aufheben lassen) ihre Vorschriften. Hieraus entspringt aber eine natürliche Dialektik d. i. ein Hang, wider jene strenge Gesetze der Pflicht zu vernünfteln und ihre Gültigkeit, wenigstens ihre Reinigkeit und Strenge in Zweifel zu ziehen und sie wo möglich unsern Wünschen und Neigungen angemessener zu machen, d. i. sie im Grunde zu verderben und um ihre ganze Würde zu bringen, welches denn doch selbst die gemeine praktische Vernunft am Ende nicht gut heißen kann.

Innocence is a splendid thing. But it is also very unfortunate that innocence cannot easily preserve itself and is readily led astray. That is why even wisdom—which otherwise consists more in what we do and refrain from doing than in what we know—still needs systematic knowledge. It needs this not in order to learn from it, but in order to secure acceptance and lasting force for its prescriptions. Within himself, a human being feels a powerful counterweight to all the commands of duty, which reason presents to him as so worthy of respect. This counterweight consists in his needs and inclinations, whose complete satisfaction he sums up under the name of happiness. Yet reason issues its prescriptions relentlessly, without promising the inclinations anything in return. It thus seems to set aside and disregard claims that are so forceful and at the same time appear so reasonable—claims that will not allow themselves to be abolished by any command. From this there arises a natural dialectic: a tendency to rationalize against those strict laws of duty, to cast doubt on their validity, or at least on their purity and strictness, and, wherever possible, to make them better suited to our wishes and inclinations. But this amounts to corrupting them at their foundation and stripping them of all their dignity—something that even ordinary practical reason cannot ultimately approve.

So wird also die gemeine Menschenvernunft nicht durch irgend ein Bedürfnis der Spekulation (welches ihr, so lange sie sich genügt, bloße gesunde Vernunft zu sein, niemals anwandelt), sondern selbst aus praktischen Gründen angetrieben, aus ihrem Kreise zu gehen und einen Schritt ins Feld einer praktischen Philosophie zu tun, um daselbst wegen der Quelle ihres Prinzips und richtigen Bestimmung desselben in Gegenhaltung mit den Maximen, die sich auf Bedürfnis und Neigung fußen, Erkundigung und deutliche Anweisung zu bekommen, damit sie aus der Verlegenheit wegen beiderseitiger Ansprüche herauskomme und nicht Gefahr laufe, durch die Zweideutigkeit, in die sie leicht geräth, um alle echte sittliche Grundsätze gebracht zu werden. Also entspinnt sich eben sowohl in der praktischen gemeinen Vernunft, wenn sie sich kultiviert, unvermerkt eine Dialektik, welche sie nötigt, in der Philosophie Hülfe zu suchen, als es ihr im theoretischen Gebrauche widerfährt, und die erstere wird daher wohl eben so wenig als die andere irgendwo sonst, als in einer vollständigen Kritik unserer Vernunft Ruhe finden.

Thus ordinary human reason is driven to leave its own sphere and take a step into the field of practical philosophy. It is driven to do so not by any need for speculation—a need that never arises so long as it is content to remain merely sound reason—but by practical considerations themselves. There it seeks information and clear guidance about the source of its principle and the correct determination of that principle in contrast with the maxims based on need and inclination. It does this so that it may escape its perplexity over the competing claims of principle and inclination, and avoid the danger of being deprived of all genuine moral principles by the ambiguity into which it can so easily fall. Thus, when ordinary practical reason develops itself, a dialectic arises in it unnoticed, compelling it to seek help from philosophy, just as happens to reason in its theoretical use. The former, therefore, will probably find rest no more than the latter anywhere except in a complete critique of our reason.

Section II — From popular moral philosophy to the metaphysics of morals

Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten

Wenn wir unsern bisherigen Begriff der Pflicht aus dem gemeinen Gebrauche unserer praktischen Vernunft gezogen haben, so ist daraus keineswegs zu schließen, als hätten wir ihn als einen Erfahrungsbegriff behandelt. Vielmehr, wenn wir auf die Erfahrung vom Tun und Lassen der Menschen Acht haben, treffen wir häufige und, wie wir selbst einräumen, gerechte Klagen an, dass man von der Gesinnung, aus reiner Pflicht zu handeln, so gar keine sichere Beispiele anführen könne, dass, wenn gleich manches dem, was Pflicht gebietet, gemäß geschehen mag, dennoch es immer noch zweifelhaft sei, ob es eigentlich aus Pflicht geschehe und also einen moralischen Wert habe. Daher es zu aller Zeit Philosophen gegeben hat, welche die Wirklichkeit dieser Gesinnung in den menschlichen Handlungen schlechterdings abgeleugnet und alles der mehr oder weniger verfeinerten Selbstliebe zugeschrieben haben, ohne doch deswegen die Richtigkeit des Begriffs von Sittlichkeit in Zweifel zu ziehen, vielmehr mit inniglichem Bedauern der Gebrechlichkeit und Unlauterkeit der menschlichen Natur Erwähnung taten, die zwar edel genug sei, sich eine so achtungswürdige Idee zu ihrer Vorschrift zu machen, aber zugleich zu schwach, um sie zu befolgen, und die Vernunft, die ihr zur Gesetzgebung dienen sollte, nur dazu braucht, um das Interesse der Neigungen, es sei einzeln oder, wenn es hoch kommt, in ihrer größten Verträglichkeit unter einander, zu besorgen.

Transition from Popular Moral Philosophy to the Metaphysics of Morals

If we have drawn our concept of duty so far from the ordinary use of our practical reason, it by no means follows that we have treated it as a concept derived from experience. On the contrary, when we attend to experience of what people do and refrain from doing, we often encounter the complaint—and, as we ourselves acknowledge, a justified one—that no reliable examples can be given of a disposition to act from pure duty. Even if much may be done in accordance with what duty commands, it still remains doubtful whether it was actually done from duty and thus has moral worth. For this reason, philosophers in every age have entirely denied that this disposition is real in human actions and have attributed everything to more or less refined self-love. Yet they did not therefore question the correctness of the concept of morality. Instead, they spoke with heartfelt regret of the frailty and impurity of human nature: it is noble enough to make so worthy an idea its rule, but at the same time too weak to follow it; and it uses the reason that ought to serve it in giving law only to promote the interests of the inclinations, whether separately or, at best, in their greatest possible compatibility with one another.

In der Tat ist es schlechterdings unmöglich, durch Erfahrung einen einzigen Fall mit völliger Gewissheit auszumachen, da die Maxime einer sonst pflichtmäßigen Handlung lediglich auf moralischen Gründen und auf der Vorstellung seiner Pflicht beruht habe. Denn es ist zwar bisweilen der Fall, dass wir bei der schärfsten Selbstprüfung gar nichts antreffen, was außer dem moralischen Grunde der Pflicht mächtig genug hätte sein können, uns zu dieser oder jener guten Handlung und so großer Aufopferung zu bewegen; es kann aber daraus gar nicht mit Sicherheit geschlossen werden, dass wirklich gar kein geheimer Antrieb der Selbstliebe unter der bloßen Vorspiegelung jener Idee die eigentliche bestimmende Ursache des Willens gewesen sei, dafür wir denn gerne uns mit einem uns fälschlich angemaßten edleren Bewegungsgrunde schmeicheln, in der Tat aber selbst durch die angestrengteste Prüfung hinter die geheimen Triebfedern niemals völlig kommen können, weil, wenn vom moralischen Werte die Rede ist, es nicht auf die Handlungen ankommt, die man sieht, sondern auf jene innere Prinzipien derselben, die man nicht sieht.

In fact, it is absolutely impossible to identify through experience even a single case with complete certainty in which the maxim of an action otherwise in accordance with duty rested solely on moral grounds and on the conception of one’s duty. Admittedly, there are times when, even under the most searching self-examination, we find nothing at all, apart from the moral ground of duty, that could have been powerful enough to move us to this or that good action and to such great self-sacrifice. But we still cannot conclude with certainty that no secret impulse of self-love, merely disguised as that idea, was in fact the true determining cause of the will. We then like to flatter ourselves by claiming a nobler motive that is not really ours. Yet even the most strenuous examination can never fully uncover our hidden incentives, because when moral worth is at issue, what matters is not the actions we can see, but their inner principles, which we cannot see.

Man kann auch denen, die alle Sittlichkeit als bloßes Hirngespinst einer durch Eigendünkel sich selbst übersteigenden menschlichen Einbildung verlachen, keinen gewünschteren Dienst tun, als ihnen einzuräumen, dass die Begriffe der Pflicht (so wie man sich auch aus Gemächlichkeit gerne überredet, dass es auch mit allen übrigen Begriffen bewandt sei) lediglich aus der Erfahrung gezogen werden mussten; denn da bereitet man jenen einen sichern Triumph. Ich will aus Menschenliebe einräumen, dass noch die meisten unserer Handlungen pflichtmäßig seien; sieht man aber ihr Tichten und Trachten näher an, so stößt man allenthalben auf das liebe Selbst, was immer hervorsticht, worauf und nicht auf das strenge Gebot der Pflicht, welches mehrmals Selbstverleugnung erfordern würde, sich ihre Absicht stützt. Man braucht auch eben kein Feind der Tugend, sondern nur ein kaltblütiger Beobachter zu sein, der den lebhaftesten Wunsch für das Gute nicht sofort für dessen Wirklichkeit hält, um (vornehmlich mit zunehmenden Jahren und einer durch Erfahrung teils gewitzigten, teils zum Beobachten geschärften Urteilskraft) in gewissen Augenblicken zweifelhaft zu werden, ob auch wirklich in der Welt irgend wahre Tugend angetroffen werde. Und hier kann uns nun nichts vor dem gänzlichen Abfall von unseren Ideen der Pflicht bewahren und gegründete Achtung gegen ihr Gesetz in der Seele erhalten, als die klare Überzeugung, dass, wenn es auch niemals Handlungen gegeben habe, die aus solchen reinen Quellen entsprungen wären, dennoch hier auch davon gar nicht die Rede sei, ob dies oder jenes geschehe, sondern die Vernunft für sich selbst und unabhängig von allen Erscheinungen gebiete, was geschehen soll, mithin Handlungen, von denen die Welt vielleicht bisher noch gar kein Beispiel gegeben hat, an deren Tunlichkeit sogar der, so alles auf Erfahrung gründet, sehr zweifeln möchte, dennoch durch Vernunft unnachlässlich geboten seien, und dass z. B. reine Redlichkeit in der Freundschaft um nichts weniger von jedem Menschen gefordert werden könne, wenn es gleich bis jetzt gar keinen redlichen Freund gegeben haben möchte, weil diese Pflicht als Pflicht überhaupt vor aller Erfahrung in der Idee einer den Willen durch Gründe a priori bestimmenden Vernunft liegt.

We could do no greater favor to those who ridicule all morality as a mere fantasy of the human imagination overreaching itself through conceit than to concede that the concepts of duty had to be drawn solely from experience—as people also like, out of laziness, to persuade themselves is true of all other concepts. For that would hand them a certain triumph. Out of charity, I am willing to concede that most of our actions may still conform to duty. But if we look more closely at all their designs and aims, we encounter the dear self everywhere, always standing out. Their intention rests on self-interest, not on the strict command of duty, which would often require self-denial. Nor need one be an enemy of virtue. One need only be a dispassionate observer who does not immediately mistake the liveliest wish for the good for its reality. Such an observer may at times begin to doubt—especially with increasing age and a power of judgment partly made shrewder by experience and partly sharpened for observation—whether any true virtue is actually to be found anywhere in the world. At this point, nothing can save us from completely abandoning our ideas of duty, or preserve in our minds a well-founded respect for its law, except the clear conviction that, even if no actions have ever sprung from such pure sources, that is not what is at issue here. The issue is not whether this or that actually happens, but that reason, by itself and independently of all appearances, commands what ought to happen. Accordingly, actions for which the world may so far have provided no example—and whose feasibility might be seriously doubted by someone who bases everything on experience—are nevertheless unrelentingly commanded by reason. Pure honesty in friendship, for example, can be required of every human being no less fully even if there may never yet have been an honest friend, because this duty, considered simply as duty, lies prior to all experience in the idea of a reason that determines the will on a priori grounds.

Setzt man hinzu, dass, wenn man dem Begriffe von Sittlichkeit nicht gar alle Wahrheit und Beziehung auf irgend ein mögliches Objekt bestreiten will, man nicht in Abrede ziehen könne, dass sein Gesetz von so ausgebreiteter Bedeutung sei, dass es nicht bloß für Menschen, sondern alle vernünftige Wesen überhaupt, nicht bloß unter zufälligen Bedingungen und mit Ausnahmen, sondern schlechterdings notwendig gelten müsse: so ist klar, dass keine Erfahrung, auch nur auf die Möglichkeit solcher apodiktischen Gesetze zu schließen, Anlass geben könne. Denn mit welchem Rechte können wir das, was vielleicht nur unter den zufälligen Bedingungen der Menschheit gültig ist, als allgemeine Vorschrift für jede vernünftige Natur in unbeschränkte Achtung bringen, und wie sollen Gesetze der Bestimmung unseres Willens für Gesetze der Bestimmung des Willens eines vernünftigen Wesens überhaupt und nur als solche auch für den unsrigen gehalten werden, wenn sie bloß empirisch wären und nicht völlig a priori aus reiner, aber praktischer Vernunft ihren Ursprung nähmen?

If we add that, unless we are prepared to deny the concept of morality all truth and any relation to any possible object, we cannot deny that its law has such far-reaching significance that it must hold not only for human beings but for all rational beings as such—not merely under contingent conditions and with exceptions, but with absolute

Man könnte auch der Sittlichkeit nicht übler raten, als wenn man sie von Beispielen entlehnen wollte. Denn jedes Beispiel, was mir davon vorgestellt wird, muss selbst zuvor nach Prinzipien der Moralität beurteilt werden, ob es auch würdig sei, zum ursprünglichen Beispiele, d. i. zum Muster, zu dienen, keineswegs aber kann es den Begriff derselben zu oberst an die Hand geben. Selbst der Heilige des Evangellii muss zuvor mit unserm Ideal der sittlichen Vollkommenheit verglichen werden, ehe man ihn dafür erkennt; auch sagt er von sich selbst: was nennt ihr mich (den ihr sehet) gut? niemand ist gut (das Urbild des Guten) als der einige Gott (den ihr nicht sehet). Woher haben wir aber den Begriff von Gott als dem höchsten Gut? Lediglich aus der Idee, die die Vernunft a priori von sittlicher Vollkommenheit entwirft und mit dem Begriffe eines freien Willens unzertrennlich verknüpft. Nachahmung findet im Sittlichen gar nicht statt, und Beispiele dienen nur zur Aufmunterung, d. i. sie setzen die Tunlichkeit dessen, was das Gesetz gebietet, außer Zweifel, sie machen das, was die praktische Regel allgemeiner ausdrückt, anschaulich, können aber niemals berechtigen, ihr wahres Original, das in der Vernunft liegt, bei Seite zu setzen und sich nach Beispielen zu richten.

Nor could one give morality worse advice than to try to derive it from examples. For every example of morality presented to me must first be judged by principles of morality, to determine whether it is worthy to serve as an original example—that is, as a model. It can never furnish the concept of morality in the first place. Even the Holy One of the Gospel must first be compared with our ideal of moral perfection before he is recognized as such. He also says of himself: Why do you call me (whom you see) good? No one is good (the archetype of the good) except the one God (whom you do not see). But where do we get the concept of God as the highest good? Solely from the idea of moral perfection that reason devises a priori and inseparably links with the concept of a free will. Imitation has no place at all in morality, and examples serve only as encouragement. That is, they put beyond doubt the feasibility of what the law commands, and they make vivid what the practical rule expresses more generally. But they can never justify setting aside its true original, which lies in reason, and taking examples as one’s guide.

Wenn es denn keinen ächten obersten Grundsatz der Sittlichkeit gibt, der nicht unabhängig von aller Erfahrung bloß auf reiner Vernunft beruhen müsste, so glaube ich, es sei nicht nötig, auch nur zu fragen, ob es gut sei, diese Begriffe, so wie sie samt den ihnen zugehörigen Prinzipien a priori feststehen, im Allgemeinen (in abstracto) vorzutragen, wofern das Erkenntnis sich vom gemeinen unterscheiden und philosophisch heißen soll. Aber in unsern Zeiten möchte dieses wohl nötig sein. Denn wenn man Stimmen sammelte, ob reine von allem Empirischen abgesonderte Vernunfterkenntnis, mithin Metaphysik der Sitten, oder populäre praktische Philosophie vorzuziehen sei, so errät man bald, auf welche Seite das Übergewicht fallen werde.

If there is no genuine supreme principle of morality that does not have to rest solely on pure reason, independently of all experience, then I believe it is unnecessary even to ask whether these concepts, together with the principles belonging to them, should be presented in general terms (in the abstract), just as they are established a priori—provided that this cognition is to differ from ordinary cognition and be called philosophical. Yet in our time this question may well be necessary. For if votes were gathered on whether preference should be given to pure rational cognition separated from everything empirical—and thus to a metaphysics of morals—or to popular practical philosophy, one can readily guess which side would prevail.

Diese Herablassung zu Volksbegriffen ist allerdings sehr rühmlich, wenn die Erhebung zu den Prinzipien der reinen Vernunft zuvor geschehen und zur völligen Befriedigung erreicht ist, und das würde heißen, die Lehre der Sitten zuvor auf Metaphysik gründen, ihr aber, wenn sie fest steht, nachher durch Popularität Eingang verschaffen. Es ist aber äußerst ungereimt, dieser in der ersten Untersuchung, worauf alle Richtigkeit der Grundsätze ankommt, schon willfahren zu wollen. Nicht allein dass dieses Verfahren auf das höchst seltene Verdienst einer wahren philosophischen Popularität niemals Anspruch machen kann, indem es gar keine Kunst ist, gemeinverständlich zu sein, wenn man dabei auf alle gründliche Einsicht Verzicht tut, so bringt es einen ekelhaften Mischmasch von zusammengestoppelten Beobachtungen und halbvernünftelnden Prinzipien zum Vorschein, daran sich schale Köpfe laben, weil es doch etwas gar Brauchbares fürs alltägliche Geschwätz ist, wo Einsehende aber Verwirrung fühlen und unzufrieden, ohne sich doch helfen zu können, ihre Augen wegwenden, obgleich Philosophen, die das Blendwerk ganz wohl durchschauen, wenig Gehör finden, wenn sie auf einige Zeit von der vorgeblichen Popularität abrufen, um nur allererst nach erworbener bestimmter Einsicht mit Recht populär sein zu dürfen.

This descent to commonly held concepts is certainly highly commendable, provided that the ascent to the principles of pure reason has first taken place and been completed to full satisfaction. That would mean first grounding the doctrine of morals in metaphysics and then, once it is firmly established, making it accessible through a popular presentation. But it is utterly absurd to accommodate popular thinking in the very first inquiry, on which the correctness of all the principles depends. Such a procedure can never claim the exceedingly rare merit of genuine philosophical accessibility, since there is no skill at all in making oneself generally intelligible if one renounces every thorough insight. Moreover, it produces a repellent jumble of cobbled-together observations and half-reasoned principles. Shallow minds relish this jumble because it provides something quite useful for everyday chatter. Those with insight, however, are left confused and dissatisfied and turn their eyes away without being able to remedy the situation. Yet philosophers who see through the illusion perfectly well gain little hearing when they call people away for a time from this supposed accessibility, so that only after attaining definite insight may they rightly present philosophy in a popular form.

Man darf nur die Versuche über die Sittlichkeit in jenem beliebten Geschmacke ansehen, so wird man bald die besondere Bestimmung der menschlichen Natur (mitunter aber auch die Idee von einer vernünftigen Natur überhaupt), bald Vollkommenheit, bald Glückseligkeit, hier moralisches Gefühl, dort Gottesfurcht, von diesem etwas, von jenem auch etwas in wunderbarem Gemische antreffen, ohne dass man sich einfallen lässt zu fragen, ob auch überall in der Kenntnis der menschlichen Natur (die wir doch nur von der Erfahrung herhaben können) die Prinzipien der Sittlichkeit zu suchen seien, und, wenn dieses nicht ist, wenn die letztere völlig a priori, frei von allem Empirischen, schlechterdings in reinen Vernunftbegriffen und nirgends anders auch nicht dem mindesten Teile nach anzutreffen sind, den Anschlag zu fassen, diese Untersuchung als reine praktische Weltweisheit, oder (wenn man einen verschrieenen Namen nennen darf) als Metaphysik der Sitten lieber ganz abzusondern, sie für sich allein zu ihrer ganzen Vollständigkeit zu bringen und das Publikum, das Popularität verlangt, bis zum Ausgange dieses Unternehmens zu vertrösten.

One need only look at attempts to discuss morality in that popular style. One soon encounters, now the particular constitution of human nature—and sometimes even the idea of a rational nature in general—now perfection, now happiness, here moral feeling, there fear of God, with something from one source and something from another, all in a remarkable mixture. Yet no one thinks to ask whether the principles of morality should be sought at all in our knowledge of human nature, which we can obtain only from experience. And if they should not—if they are to be found entirely a priori, free from everything empirical, solely in pure concepts of reason and nowhere else, not even in the smallest part—no one resolves to set this inquiry completely apart as pure practical philosophy or, if one may use a name that has fallen into disrepute, as a metaphysics of morals; to develop it by itself to its full completeness; and to ask the public, which demands accessibility, to wait until this undertaking is finished.

Es ist aber eine solche völlig isolierte Metaphysik der Sitten, die mit keiner Anthropologie, mit keiner Theologie, mit keiner Physik oder Hyperphysik, noch weniger mit verborgenen Qualitäten (die man hypophysisch nennen könnte) vermischt ist, nicht allein ein unentbehrliches Substrat aller theoretischen, sicher bestimmten Erkenntnis der Pflichten, sondern zugleich ein Desiderat von der höchsten Wichtigkeit zur wirklichen Vollziehung ihrer Vorschriften. Denn die reine und mit keinem fremden Zusatze von empirischen Anreizen vermischte Vorstellung der Pflicht und überhaupt des sittlichen Gesetzes hat auf das menschliche Herz durch den Weg der Vernunft allein (die hierbei zuerst inne wird, dass sie für sich selbst auch praktisch sein kann) einen so viel mächtigern Einfluss, als alle andere Triebfedern, die man aus dem empirischen Felde aufbieten mag, dass sie im Bewusstsein ihrer Würde die letzteren verachtet und nach und nach ihr Meister werden kann; an dessen Statt eine vermischte Sittenlehre, die aus Triebfedern von Gefühlen und Neigungen und zugleich aus Vernunftbegriffen zusammengesetzt ist, das Gemüt zwischen Bewegursachen, die sich unter kein Prinzip bringen lassen, die nur sehr zufällig zum Guten, öfters aber auch zum Bösen leiten können, schwankend machen muss.

Yet such a completely separate metaphysics of morals—unmixed with anthropology, theology, physics or hyperphysics, and still less with hidden qualities, which might be called hypophysical—is not only an indispensable foundation for all theoretical and reliably determined knowledge of duties. It is also something urgently needed if its precepts are actually to be carried out. For the pure representation of duty and of the moral law in general, unmixed with any extraneous addition of empirical incentives, exerts on the human heart, through reason alone—which here first becomes aware that it can also be practical by itself—an influence far more powerful than all the other motives that can be summoned from the empirical domain. Conscious of its dignity, it scorns these motives and can gradually become their master. By contrast, a mixed doctrine of morals, composed partly of motives drawn from feelings and inclinations and partly of concepts of reason, must leave the mind wavering between causes of action that cannot be brought under any single principle and that can lead to the good only very contingently, but often also to evil.

Aus dem Angeführten erhellt: dass alle sittliche Begriffe völlig a priori in der Vernunft ihren Sitz und Ursprung haben und dieses zwar in der gemeinsten Menschenvernunft eben sowohl, als der im höchsten Maße spekulativen; dass sie von keinem empirischen und darum bloß zufälligen Erkenntnisse abstrahiert werden können; dass in dieser Reinigkeit ihres Ursprungs eben ihre Würde liege, um uns zu obersten praktischen Prinzipien zu dienen; dass man jedesmal so viel, als man Empirisches hinzu tut, so viel auch ihrem ächten Einflusse und dem uneingeschränkten Werte der Handlungen entziehe; dass es nicht allein die größte Notwendigkeit in theoretischer Absicht, wenn es bloß auf Spekulation ankommt, erfordere, sondern auch von der größten praktischen Wichtigkeit sei, ihre Begriffe und Gesetze aus reiner Vernunft zu schöpfen, rein und unvermengt vorzutragen, ja den Umfang dieses ganzen praktischen oder reinen Vernunfterkenntnisses, d. i. das ganze Vermögen der reinen praktischen Vernunft, zu bestimmen, hierin aber nicht, wie es wohl die spekulative Philosophie erlaubt, ja gar bisweilen notwendig findet, die Prinzipien von der besondern Natur der menschlichen Vernunft abhängig zu machen, sondern darum, weil moralische Gesetze für jedes vernünftige Wesen überhaupt gelten sollen, sie schon aus dem allgemeinen Begriffe eines vernünftigen Wesens überhaupt abzuleiten und auf solche Weise alle Moral, die zu ihrer Anwendung auf Menschen der Anthropologie bedarf, zuerst unabhängig von dieser als reine Philosophie, d. i. als Metaphysik, vollständig (welches sich in dieser Art ganz abgesonderter Erkenntnisse wohl tun lässt) vorzutragen, wohl bewusst, dass es, ohne im Besitze derselben zu sein, vergeblich sei, ich will nicht sagen, das Moralische der Pflicht in allem, was pflichtmäßig ist, genau für die spekulative Beurteilung zu bestimmen, sondern sogar im bloß gemeinen und praktischen Gebrauche, vornehmlich der moralischen Unterweisung, unmöglich sei, die Sitten auf ihre echte Prinzipien zu gründen und dadurch reine moralische Gesinnungen zu bewirken und zum höchsten Weltbesten den Gemütern einzupfropfen.

What has been said makes the following clear: all moral concepts have their seat and origin wholly a priori in reason, in the most ordinary human reason no less than in reason that is speculative to the highest degree; they cannot be abstracted from any empirical, and therefore merely contingent, knowledge; the dignity that enables them to serve as our supreme practical principles lies precisely in the purity of their origin; whenever we add anything empirical, we detract by just that much from their genuine influence and from the unconditional worth of actions. It is therefore not only absolutely necessary for theoretical purposes, when the issue is merely one of speculation, but also of the greatest practical importance, to draw their concepts and laws from pure reason, to present them in their purity and without admixture, and indeed to determine the scope of this entire body of practical, or pure rational, knowledge—that is, the entire capacity of pure practical reason. In doing so, however, we must not make the principles depend on the particular nature of human reason, as speculative philosophy may permit and even at times find necessary. Instead, because moral laws are to hold for every rational being as such, we must derive them from the general concept of a rational being as such. In this way, all moral philosophy—which requires anthropology when it is applied to human beings—must first be presented completely and independently of anthropology as pure philosophy, that is, as metaphysics, something that can readily be done with this kind of entirely separate knowledge. We must remain fully aware that, without possessing such a metaphysics, it is futile—not merely, I would say, to determine precisely for theoretical judgment what is morally required by duty in everything that conforms with duty, but that even in ordinary practical use, especially in moral instruction, it is impossible to ground morals on their genuine principles, thereby to bring about pure moral dispositions, and to graft them onto people’s minds for the sake of the highest good in the world.

Um aber in dieser Bearbeitung nicht bloß von der gemeinen sittlichen Beurteilung (die hier sehr achtungswürdig ist) zur philosophischen, wie sonst geschehen ist, sondern von einer populären Philosophie, die nicht weiter geht, als sie durch Tappen vermittelst der Beispiele kommen kann, bis zur Metaphysik (die sich durch nichts Empirisches weiter zurückhalten lässt und, indem sie den ganzen Inbegriff der Vernunfterkenntnis dieser Art ausmessen muss, allenfalls bis zu Ideen geht, wo selbst die Beispiele uns verlassen) durch die natürlichen Stufen fortzuschreiten, müssen wir das praktische Vernunftvermögen von seinen allgemeinen Bestimmungsregeln an bis dahin, wo aus ihm der Begriff der Pflicht entspringt, verfolgen und deutlich darstellen.

But in this inquiry, we aim to advance through the natural stages—not merely from ordinary moral judgment (which is highly worthy of respect here) to philosophical judgment, as has usually been done, but from a popular philosophy that can go no further than it can grope its way with the help of examples, all the way to metaphysics (which cannot be held back by anything empirical and, since it must survey the entire range of rational cognition of this kind, may even reach ideas, where examples themselves leave us behind). To do this, we must trace the practical faculty of reason from its general determining rules to the point where the concept of duty arises from it, and present this faculty clearly.

Ein jedes Ding der Natur wirkt nach Gesetzen. Nur ein vernünftiges Wesen hat das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, d. i. nach Prinzipien, zu handeln, oder einen Willen. Da zur Ableitung der Handlungen von Gesetzen Vernunft erfordert wird, so ist der Wille nichts anders als praktische Vernunft. Wenn die Vernunft den Willen unausbleiblich bestimmt, so sind die Handlungen eines solchen Wesens, die als Objektiv notwendig erkannt werden, auch subjektiv notwendig, d. i. der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was die Vernunft unabhängig von der Neigung als praktisch notwendig, d. i. als gut, erkennt. Bestimmt aber die Vernunft für sich allein den Willen nicht hinlänglich, ist dieser noch subjektiven Bedingungen (gewissen Triebfedern) unterworfen, die nicht immer mit den Objektiven übereinstimmen; mit einem Worte, ist der Wille nicht an sich völlig der Vernunft gemäß (wie es bei Menschen wirklich ist): so sind die Handlungen, die Objektiv als notwendig erkannt werden, subjektiv zufällig, und die Bestimmung eines solchen Willens Objektiven Gesetzen gemäß ist Nötigung; d. i. das Verhältnis der Objektiven Gesetze zu einem nicht durchaus guten Willen wird vorgestellt als die Bestimmung des Willens eines vernünftigen Wesens zwar durch Gründe der Vernunft, denen aber dieser Wille seiner Natur nach nicht notwendig folgsam ist.

Everything in nature acts according to laws. Only a rational being has the capacity to act according to its representation of laws—that is, according to principles—or, in other words, has a will. Since reason is required to derive actions from laws, the will is nothing other than practical reason. If reason unfailingly determines the will, then the actions of such a being that are recognized as objectively necessary are also subjectively necessary. That is, the will is a capacity to choose only what reason, independently of inclination, recognizes as practically necessary—that is, as good. But if reason by itself does not adequately determine the will, and the will remains subject to subjective conditions—certain incentives—that do not always agree with the objective ones; in short, if the will is not in itself entirely in accord with reason, as is in fact the case with human beings, then actions recognized as objectively necessary are subjectively contingent, and determining such a will in accordance with objective laws is necessitation. That is, the relation of objective laws to a will that is not thoroughly good is represented as the determination of a rational being’s will by grounds of reason, although this will, by its nature, does not necessarily obey them.

Die Vorstellung eines Objektiven Prinzips, sofern es für einen Willen nötigend ist, heißt ein Gebot (der Vernunft), und die Formel des Gebots heißt Imperativ.

The representation of an objective principle, insofar as it constrains a will, is called a command (of reason), and the formula of the command is called an imperative.

Alle Imperativen werden durch ein Sollen ausgedrückt und zeigen dadurch das Verhältnis eines Objektiven Gesetzes der Vernunft zu einem Willen an, der seiner subjektiven Beschaffenheit nach dadurch nicht notwendig bestimmt wird (eine Nötigung). Sie sagen, dass etwas zu tun oder zu unterlassen gut sein würde, allein sie sagen es einem Willen, der nicht immer darum etwas tut, weil ihm vorgestellt wird, dass es zu tun gut sei. Praktisch gut ist aber, was vermittelst der Vorstellungen der Vernunft, mithin nicht aus subjektiven Ursachen, sondern Objektiv, d. i. aus Gründen, die für jedes vernünftige Wesen als ein solches gültig sind, den Willen bestimmt. Es wird vom Angenehmen unterschieden als demjenigen, was nur vermittelst der Empfindung aus bloß subjektiven Ursachen, die nur für dieses oder jenes seinen Sinn gelten, und nicht als Prinzip der Vernunft, das für jedermann gilt, auf den Willen Einfluss hat.

All imperatives are expressed by an “ought” and thereby indicate the relation of an objective law of reason to a will that, because of its subjective constitution, is not necessarily determined by that law—a constraint. They say that it would be good to do or to refrain from doing something; but they say this to a will that does not always do something simply because it is presented with the thought that doing it would be good. What is practically good, however, determines the will through representations of reason, and therefore not through subjective causes but objectively—that is, on grounds valid for every rational being as such. It is distinct from what is pleasant, which influences the will only through sensation, from merely subjective causes that are valid only for the senses of this or that individual, and not as a principle of reason valid for everyone.

Ein vollkommen guter Wille würde also eben sowohl unter Objektiven Gesetzen (des Guten) stehen, aber nicht dadurch als zu gesetzmäßigen Handlungen genötigt vorgestellt werden können, weil er von selbst nach seiner subjektiven Beschaffenheit nur durch die Vorstellung des Guten bestimmt werden kann. Daher gelten für den göttlichen und überhaupt für einen heiligen Willen keine Imperativen; das Sollen ist hier am unrechten Orte, weil das Wollen schon von selbst mit dem Gesetz notwendig einstimmig ist. Daher sind Imperativen nur Formeln, das Verhältnis Objektiver Gesetze des Wollens überhaupt zu der subjektiven Unvollkommenheit des Willens dieses oder jenes vernünftigen Wesens, z. B. des menschlichen Willens, auszudrücken.

A perfectly good will would therefore likewise be subject to objective laws (of the good), but it could not on that account be conceived as compelled to perform actions in conformity with law, because, given its subjective constitution, it can of itself be determined only by the conception of the good. Thus no imperatives apply to the divine will, or indeed to any holy will. Here the ought is out of place, because willing already necessarily accords with the law of its own accord. Imperatives are therefore only formulas expressing the relation between objective laws of willing as such and the subjective imperfection of the will of this or that rational being—for example, the human will.

Alle Imperativen nun gebieten entweder hypothetisch, oder kategorisch. Jene stellen die praktische Notwendigkeit einer möglichen Handlung als Mittel zu etwas anderem, was man will (oder doch möglich ist, dass man es wolle), zu gelangen vor. Der kategorische Imperativ würde der sein, welcher eine Handlung als für sich selbst, ohne Beziehung auf einen andern Zweck, als Objektiv-notwendig vorstellte.

All imperatives, then, command either hypothetically or categorically. Hypothetical imperatives present a possible action as practically necessary, as a means of attaining something else that one wills—or that one might at least possibly will. The categorical imperative would be one that presented an action as objectively necessary in itself, without reference to any further end.

Weil jedes praktische Gesetz eine mögliche Handlung als gut und darum für ein durch Vernunft praktisch bestimmbares Subjekt als notwendig vorstellt, so sind alle Imperativen Formeln der Bestimmung der Handlung, die nach dem Prinzip eines in irgend einer Art guten Willens notwendig ist. Wenn nun die Handlung bloß wozu anders als Mittel gut sein würde, so ist der Imperativ hypothetisch; wird sie als an sich gut vorgestellt, mithin als notwendig in einem an sich der Vernunft gemäßen Willen, als Prinzip desselben, so ist er kategorisch.

Because every practical law presents a possible action as good, and therefore as necessary for a subject capable of being practically determined by reason, all imperatives are formulas for determining an action that is necessary according to the principle of a will that is good in some respect. If the action would be good merely as a means to something else, the imperative is hypothetical. If the action is presented as good in itself, and therefore as necessary in a will that in itself accords with reason—as the principle of that will—the imperative is categorical.

Der Imperativ sagt also, welche durch mich mögliche Handlung gut wäre, und stellt die praktische Regel in Verhältnis auf einen Willen vor, der darum nicht sofort eine Handlung tut, weil sie gut ist, teils weil das Subjekt nicht immer weiß, dass sie gut sei, teils weil, wenn es dieses auch wüsste, die Maximen desselben doch den Objektiven Prinzipien einer praktischen Vernunft zuwider sein könnten.

The imperative therefore says which action within my power would be good, and presents the practical rule in relation to a will that does not immediately perform an action just because it is good. This is partly because the subject does not always know that the action is good, and partly because, even if it did know this, its maxims might still conflict with the objective principles of practical reason.

Der hypothetische Imperativ sagt also nur, dass die Handlung zu irgend einer möglichen oder wirklichen Absicht gut sei. Im ersteren Falle ist er ein problematisch, im zweiten assertorisch-praktisches Prinzip. Der kategorische Imperativ, der die Handlung ohne Beziehung auf irgend eine Absicht, d. i. auch ohne irgend einen andern Zweck, für sich als Objektiv notwendig erklärt, gilt als ein apodiktisch-praktisches Prinzip.

The hypothetical imperative says only that an action is good for some possible or actual purpose. In the first case, it is a problematic-practical principle; in the second, an assertoric-practical principle. The categorical imperative declares an action objectively necessary in itself, without reference to any purpose—that is, without any other end—and thus counts as an apodictic-practical principle.

Man kann sich das, was nur durch Kräfte irgend eines vernünftigen Wesens möglich ist, auch für irgend einen Willen als mögliche Absicht denken, und daher sind der Prinzipien der Handlung, so fern diese als notwendig vorgestellt wird, um irgend eine dadurch zu bewirkende mögliche Absicht zu erreichen, in der Tat unendlich viel. Alle Wissenschaften haben irgend einen praktischen Teil, der aus Aufgaben besteht, dass irgend ein Zweck für uns möglich sei, und aus Imperativen, wie er erreicht werden könne. Diese können daher überhaupt Imperativen der Geschicklichkeit heißen. Ob der Zweck vernünftig und gut sei, davon ist hier gar nicht die Frage, sondern nur was man tun müsse, um ihn zu erreichen. Die Vorschriften für den Arzt, um seinen Mann auf gründliche Art gesund zu machen, und für einen Giftmischer, um ihn sicher zu töten, sind in so fern von gleichem Wert, als eine jede dazu dient, ihre Absicht vollkommen zu bewirken. Weil man in der frühen Jugend nicht weiß, welche Zwecke uns im Leben aufstoßen dürften, so suchen Eltern vornehmlich ihre Kinder recht vielerlei lernen zu lassen und sorgen für die Geschicklichkeit im Gebrauch der Mittel zu allerlei beliebigen Zwecken, von deren keinem sie bestimmen können, ob er etwa wirklich künftig eine Absicht ihres Zöglings werden könne, wovon es indessen doch möglich ist, dass er sie einmal haben möchte, und diese Sorgfalt ist so groß, dass sie darüber gemeiniglich verabsäumen, ihnen das Urteil über den Wert der Dinge, die sie sich etwa zu Zwecken machen möchten, zu bilden und zu berichtigen.

Whatever can be accomplished only through the powers of some rational being can also be conceived as a possible aim for some will. There are therefore infinitely many principles of action represented as necessary for attaining some possible aim that the action is to bring about. Every science has some practical part, consisting of problems that set some end as possible for us and of imperatives stating how it can be attained. These can all be called imperatives of skill. The question here is not at all whether the end is rational and good, but only what one must do to attain it. The instructions a doctor follows to restore a patient fully to health and those a poisoner follows to kill him reliably are of equal value in this respect: each serves to accomplish its aim perfectly. Since in early youth we do not know what ends we may encounter in life, parents seek above all to have their children learn a great many different things and make sure that they acquire skill in using means toward all sorts of ends they might choose. The parents cannot tell whether any one of these ends will actually become an aim of their child in the future, though it remains possible that the child may one day adopt it. Their concern for this is so great that they generally neglect to train and correct their children’s judgment about the value of the things they might make their ends.

Es ist gleichwohl ein Zweck, den man bei allen vernünftigen Wesen (so fern Imperative auf sie, nämlich als abhängige Wesen, passen) als wirklich voraussetzen kann, und also eine Absicht, die sie nicht etwa bloß haben können, sondern von der man sicher voraussetzen kann, dass sie solche insgesamt nach einer Naturnotwendigkeit haben, und das ist die Absicht auf Glückseligkeit. Der hypothetische Imperativ, der die praktische Notwendigkeit der Handlung als Mittel zur Beförderung der Glückseligkeit vorstellt, ist assertorisch. Man darf ihn nicht bloß als notwendig zu einer ungewissen, bloß möglichen Absicht vortragen, sondern zu einer Absicht, die man sicher und a priori bei jedem Menschen voraussetzen kann, weil sie zu seinem Wesen gehört. Nun kann man die Geschicklichkeit in der Wahl der Mittel zu seinem eigenen größten Wohlsein Klugheit im engsten Verstande nennen. Also ist der Imperativ, der sich auf die Wahl der Mittel zur eigenen Glückseligkeit bezieht, d. i. die Vorschrift der Klugheit, noch immer hypothetisch; die Handlung wird nicht schlechthin, sondern nur als Mittel zu einer andern Absicht geboten.

Yet there is one end that can be assumed to be actual in all rational beings, insofar as imperatives apply to them—namely, as dependent beings. It is therefore an aim that they not merely may have, but that we can safely assume they all have by natural necessity: the aim of happiness. The hypothetical imperative that presents an action as practically necessary, as a means of promoting happiness, is assertoric. It must not be presented as necessary merely for an uncertain, merely possible aim, but for an aim that can safely be assumed a priori in every human being, because it belongs to human nature. Skill in choosing the means to one’s own greatest well-being can be called prudence in the narrowest sense. Thus the imperative concerned with choosing the means to one’s own happiness—that is, the prescription of prudence—remains hypothetical: the action is commanded not unconditionally, but only as a means to another aim.

Endlich gibt es einen Imperativ, der, ohne irgend eine andere durch ein gewisses Verhalten zu erreichende Absicht als Bedingung zum Grunde zu legen, dieses Verhalten unmittelbar gebietet. Dieser Imperativ ist kategorisch. Er betrifft nicht die Materie der Handlung und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und das Prinzip, woraus sie selbst folgt, und das Wesentlich-Gute derselben besteht in der Gesinnung, der Erfolg mag sein, welcher er wolle. Dieser Imperativ mag der der Sittlichkeit heißen.

Finally, there is an imperative that commands a course of conduct directly, without making it conditional on any other aim to be achieved by that conduct. This imperative is categorical. It concerns not the matter of the action or what is meant to result from it, but the form and the principle from which the action itself follows; what is essentially good in the action lies in the agent’s disposition, whatever the outcome may be. This imperative may be called the imperative of morality.

Das Wollen nach diesen dreierlei Prinzipien wird auch durch die Ungleichheit der Nötigung des Willens deutlich unterschieden. Um diese nun auch merklich zu machen, glaube ich, dass man sie in ihrer Ordnung am angemessensten so benennen würde, wenn man sagte: sie wären entweder Regeln der Geschicklichkeit, oder Rathschläge der Klugheit, oder Gebote (Gesetze) der Sittlichkeit. Denn nur das Gesetz führt den Begriff einer unbedingten und zwar Objektiven und mithin allgemein gültigen Notwendigkeit bei sich, und Gebote sind Gesetze, denen gehorcht, d. i. auch wider Neigung Folge geleistet, werden muss. Die Rathgebung enthält zwar Notwendigkeit, die aber bloß unter subjektiver zufälliger Bedingung, ob dieser oder jener Mensch dieses oder jenes zu seiner Glückseligkeit zähle, gelten kann: dagegen der kategorische Imperativ durch keine Bedingung eingeschränkt wird und als absolut, obgleich praktisch-notwendig ganz eigentlich ein Gebot heißen kann. Man könnte die ersteren Imperative auch technisch (zur Kunst gehörig), die zweiten pragmatisch, (zur Wohlfahrt), die dritten moralisch (zum freien Verhalten überhaupt, d. i. zu den Sitten gehörig) nennen.

Willing according to these three kinds of principles is also clearly distinguished by the different ways in which the will is constrained. To make this difference readily apparent, I think the principles would be most appropriately named, in order, as rules of skill, counsels of prudence, and commands (laws) of morality. For only a law carries with it the concept of an unconditional necessity that is objective and therefore universally valid; and commands are laws that must be obeyed—that is, followed even against inclination. Advice does contain necessity, but this necessity can hold only under the subjective and contingent condition that a particular person counts this or that as part of their happiness. By contrast, the categorical imperative is restricted by no condition and, as absolute yet practically necessary, can properly be called a command. The first imperatives could also be called technical (belonging to skill), the second pragmatic (belonging to well-being), and the third moral (belonging to free conduct in general, that is, to morals).

Nun entsteht die Frage: wie sind alle diese Imperative möglich? Diese Frage verlangt nicht zu wissen, wie die Vollziehung der Handlung, welche der Imperativ gebietet, sondern wie bloß die Nötigung des Willens, die der Imperativ in der Aufgabe ausdrückt, gedacht werden könne. Wie ein Imperativ der Geschicklichkeit möglich sei, bedarf wohl keiner besondern Erörterung. Wer den Zweck will, will (so fern die Vernunft auf seine Handlungen entscheidenden Einfluss hat) auch das dazu unentbehrlich notwendige Mittel, das in seiner Gewalt ist. Dieser Satz ist, was das Wollen betrifft, analytisch; denn in dem Wollen eines Objekts als meiner Wirkung wird schon meine Kausalität als handelnde Ursache, d. i. der Gebrauch der Mittel, gedacht, und der Imperativ zieht den Begriff notwendiger Handlungen zu diesem Zwecke schon aus dem Begriff eines Wollens dieses Zwecks heraus (die Mittel selbst zu einer vorgesetzten Absicht zu bestimmen, dazu gehören allerdings synthetische Sätze, die aber nicht den Grund betreffen, den Aktus des Willens, sondern das Objekt wirklich zu machen). Dass, um eine Linie nach einem sichern Prinzip in zwei gleiche Teile zu Teilen, ich aus den Enden derselben zwei Kreuzbogen machen müsse, das lehrt die Mathematik freilich nur durch synthetische Sätze; aber dass, wenn ich weiß, durch solche Handlung allein könne die gedachte Wirkung geschehen, ich, wenn ich die Wirkung vollständig will, auch die Handlung wolle, die dazu erforderlich ist, ist ein analytischer Satz; denn etwas als eine auf gewisse Art durch mich mögliche Wirkung und mich in Ansehung ihrer auf dieselbe Art handelnd vorstellen, ist ganz einerlei.

The question now arises: how are all these imperatives possible? This question does not ask how the action commanded by the imperative can be carried out. It asks only how we can conceive the constraint on the will that the imperative expresses in its demand. How an imperative of skill is possible probably requires no special discussion. Whoever wills an end also wills—so far as reason has a decisive influence on his actions—the means that are indispensably necessary to it and within his power. As far as willing is concerned, this proposition is analytic. For when I will an object as an effect of my action, I already conceive my causality as an acting cause—that is, my use of the means—and the imperative derives the concept of actions necessary for this end from the very concept of willing the end. (Determining the means themselves to a proposed aim does indeed require synthetic propositions, but these concern not the basis for the act of willing, but how to make the object real.) Mathematics, to be sure, teaches only through synthetic propositions that, to divide a line into two equal parts according to a reliable principle, I must draw two intersecting arcs from its endpoints. But if I know that the intended effect can be produced only through such an action, then the proposition that, if I fully will the effect, I also will the action required for it is analytic. For to represent something as an effect that I can produce in a certain way, and to represent myself as acting in that same way with regard to it, are exactly the same.

Die Imperativen, der Klugheit würden, wenn es nur so leicht wäre, einen bestimmten Begriff von Glückseligkeit zu geben, mit denen der Geschicklichkeit ganz und gar übereinkommen und eben sowohl analytisch sein. Denn es würde eben sowohl hier als dort heißen: wer den Zweck will, will auch (der Vernunft gemäß notwendig) die einzigen Mittel, die dazu in seiner Gewalt sind. Allein es ist ein Unglück, dass der Begriff der Glückseligkeit ein so unbestimmter Begriff ist, dass, obgleich jeder Mensch zu dieser zu gelangen wünscht, er doch niemals bestimmt und mit sich selbst einstimmig sagen kann, was er eigentlich wünsche und wolle. Die Ursache davon ist: dass alle Elemente, die zum Begriff der Glückseligkeit gehören, insgesamt empirisch sind, d. i. aus der Erfahrung müssen entlehnt werden, dass gleichwohl zur Idee der Glückseligkeit ein absolutes Ganze, ein Maximum des Wohlbefindens, in meinem gegenwärtigen und jedem zukünftigen Zustande erforderlich ist. Nun ists unmöglich, dass das einsehendste und zugleich allervermögendste, aber doch endliche Wesen sich einen bestimmten Begriff von dem mache, was er hier eigentlich wolle. Will er Reichtum, wie viel Sorge, Neid und Nachstellung könnte er sich dadurch nicht auf den Hals ziehen! Will er viel Erkenntnis und Einsicht, vielleicht könnte das ein nur um desto schärferes Auge werden, um die Übel, die sich für ihn jetzt noch verbergen und doch nicht vermieden werden können, ihm nur um desto schrecklicher zu zeigen, oder seinen Begierden, die ihm schon genug zu schaffen machen, noch mehr Bedürfnisse aufzubürden. Will er ein langes Leben, wer steht ihm dafür, dass es nicht ein langes Elend sein würde? Will er wenigstens Gesundheit, wie oft hat noch Ungemächlichkeit des Körpers von Ausschweifung abgehalten, darein unbeschränkte Gesundheit würde haben fallen lassen, u. s. w. Kurz, er ist nicht vermögend, nach irgend einem Grundsatze mit völliger Gewissheit zu bestimmen, was ihn wahrhaftig glücklich machen werde, darum weil hiezu Unwissenheit erforderlich sein würde. Man kann also nicht nach bestimmten Prinzipien handeln, um glücklich zu sein, sondern nur nach empirischen Rathschlägen, z. B. der Diät, der Sparsamkeit, der Höflichkeit, der Zurückhaltung u. s. w., von welchen die Erfahrung lehrt, dass sie das Wohlbefinden im Durchschnitt am meisten befördern. Hieraus folgt, dass die Imperativen der Klugheit, genau zu reden, gar nicht gebieten, d. i. Handlungen Objektiv als praktisch-notwendig darstellen, können, dass sie eher für Anratungen (consilia) als Gebote (praecepta) der Vernunft zu halten sind, dass die Aufgabe: sicher und allgemein zu bestimmen, welche Handlung die Glückseligkeit eines vernünftigen Wesens befördern werde, völlig unauflöslich, mithin kein Imperativ in Ansehung derselben möglich sei, der im strengen Verstande geböte, das zu tun, was glücklich macht, weil Glückseligkeit nicht ein Ideal der Vernunft, sondern der Einbildungskraft ist, was bloß auf empirischen Gründen beruht, von denen man vergeblich erwartet, dass sie eine Handlung bestimmen sollten, dadurch die Totalität einer in der Tat unendlichen Reihe von Folgen erreicht würde. Dieser Imperativ der Klugheit würde indessen, wenn man annimmt, die Mittel zur Glückseligkeit ließen sich sicher angeben, ein analytisch-praktischer Satz sein; denn er ist von dem Imperativ der Geschicklichkeit nur darin unterschieden, dass bei diesem der Zweck bloß möglich, bei jenem aber gegeben ist; da beide aber bloß die Mittel zu demjenigen gebieten, von dem man voraussetzt, dass man es als Zweck wollte: so ist der Imperativ, der das Wollen der Mittel für den, der den Zweck will, gebietet, in beiden Fällen analytisch. Es ist also in Ansehung der Möglichkeit eines solchen Imperativs auch keine Schwierigkeit.

If it were only as easy to give a determinate concept of happiness, the imperatives of prudence would agree completely with those of skill and would likewise be analytic. For in both cases the principle would be: whoever wills the end also wills—necessarily, in accordance with reason—the only means to it that are within his power. Unfortunately, the concept of happiness is so indeterminate that, although everyone wishes to attain it, no one can ever say determinately and consistently what he truly wishes and wills. The reason is that all the elements belonging to the concept of happiness are empirical—that is, they must be drawn from experience—while the idea of happiness nonetheless requires an absolute whole, a maximum of well-being in my present and every future state. Now it is impossible for even the most discerning and powerful, yet still finite, being to form a determinate concept of what he truly wills in this matter. If he wills wealth, how much worry, envy, and scheming might he thereby bring upon himself! If he wills extensive knowledge and insight, perhaps these would merely give him a sharper eye with which to see all the more terribly the evils that are still hidden from him and yet cannot be avoided, or would add still more needs to the desires that already cause him enough trouble. If he wills a long life, who can guarantee that it would not be a long misery? If he wills at least health, how often has bodily discomfort kept someone from excesses into which unrestricted health would have allowed him to fall, and so on. In short, he is unable to determine with complete certainty, on the basis of any principle, what would make him truly happy, because ignorance would be required for this. Thus one cannot act according to determinate principles in order to be happy, but only according to empirical counsels—for example, counsels of diet, thrift, courtesy, restraint, and so on—which experience teaches generally do the most to promote well-being. It follows that, strictly speaking, the imperatives of prudence cannot command at all—that is, cannot present actions as objectively practically necessary. They should be regarded as counsels (consilia) rather than commands (praecepta) of reason. The task of determining with certainty and universally which action will promote the happiness of a rational being is completely insoluble. Consequently, no imperative concerning happiness is possible that would, in the strict sense, command us to do what makes us happy. For happiness is not an ideal of reason but of imagination, resting solely on empirical grounds; and one expects in vain that these grounds should determine an action through which the totality of what is in fact an infinite series of consequences would be attained. Nevertheless, if we assume that the means to happiness could be specified with certainty, this imperative of prudence would be an analytic practical proposition. For it differs from the imperative of skill only in this respect: in the latter, the end is merely possible, whereas in the former it is given. But since both command only the means to something that one is assumed to will as an end, the imperative that commands someone who wills the end also to will the means is analytic in both cases. There is therefore no difficulty regarding the possibility of such an imperative.

Dagegen, wie der Imperativ der Sittlichkeit möglich sei, ist ohne Zweifel die einzige einer Auflösung bedürftige Frage, da er gar nicht hypothetisch ist und also die Objektiv-vorgestellte Notwendigkeit sich auf keine Voraussetzung stützen kann, wie bei den hypothetischen Imperativen. Nur ist immer hierbei nicht aus der Acht zu lassen, dass es durch kein Beispiel, mithin empirisch, auszumachen sei, ob es überall irgend einen dergleichen Imperativ gebe, sondern zu besorgen, dass alle, die kategorisch scheinen, doch versteckter Weise hypothetisch sein mögen. Z. B. wenn es heißt: du sollst nichts betrüglich versprechen, und man nimmt an, dass die Notwendigkeit dieser Unterlassung nicht etwa bloße Rathgebung zu Vermeidung irgend eines andern Übels sei, so dass es etwa hieße: du sollst nicht lügenhaft versprechen, damit du nicht, wenn es offenbar wird, dich um den Credit bringest; sondern eine Handlung dieser Art müsse für sich selbst als böse betrachtet werden, der Imperativ des Verbots sei also kategorisch: so kann man doch in keinem Beispiel mit Gewissheit dartun, dass der Wille hier ohne andere Triebfeder, bloß durchs Gesetz, bestimmt werde, ob es gleich so scheint; denn es ist immer möglich, dass insgeheim Furcht vor Beschämung, vielleicht auch dunkle Besorgnis anderer Gefahren Einfluss auf den Willen haben möge. Wer kann das Nichtsein einer Ursache durch Erfahrung beweisen, da diese nichts weiter lehrt, als dass wir jene nicht wahrnehmen? Auf solchen Fall aber würde der sogenannte moralische Imperativ, der als ein solcher kategorisch und unbedingt erscheint, in der Tat nur eine pragmatische Vorschrift sein, die uns auf unsern Vorteil aufmerksam macht und uns bloß lehrt, diesen in Acht zu nehmen.

By contrast, how the imperative of morality is possible is undoubtedly the only question that requires an answer. For this imperative is not hypothetical at all, and so the objectively represented necessity cannot rest on any presupposition, as it can with hypothetical imperatives. Yet we must never lose sight of the fact that no example, and thus no empirical evidence, can establish whether there is any such imperative at all. We must instead be wary that all imperatives which appear categorical may nevertheless be covertly hypothetical. Suppose, for example, that we are told: you must not make a deceitful promise. Assume that the necessity of refraining from this is not merely advice on how to avoid some other harm—as if the instruction were: you must not make a false promise, so that you do not ruin your reputation if the deception comes to light. Assume instead that an action of this kind must be regarded as bad in itself, so that the imperative prohibiting it is categorical. Even then, no example can show with certainty that the will is determined here by the law alone, without any other motive, however much that may appear to be the case. For it is always possible that a secret fear of disgrace, or perhaps a vague apprehension of other dangers, may influence the will. Who can prove through experience that a cause is absent, when experience teaches us nothing more than that we do not perceive it? In that case, however, the so-called moral imperative, which appears as such to be categorical and unconditional, would in fact be merely a pragmatic rule that draws our attention to our own advantage and teaches us only to safeguard it.

Wir werden also die Möglichkeit eines kategorischen Imperativs gänzlich a priori zu untersuchen haben, da uns hier der Vorteil nicht zu statten kommt, dass die Wirklichkeit desselben in der Erfahrung gegeben und also die Möglichkeit nicht zur Festsetzung, sondern bloß zur Erklärung nötig wäre. So viel ist indessen vorläufig einzusehen: dass der kategorische Imperativ allein als ein praktisches Gesetz laute, die übrigen insgesamt zwar Prinzipien des Willens, aber nicht Gesetze heißen können: weil, was bloß zur Erreichung einer beliebigen Absicht zu tun notwendig ist, an sich als zufällig betrachtet werden kann und wir von der Vorschrift jederzeit los sein können, wenn wir die Absicht aufgeben, dahingegen das unbedingte Gebot dem Willen kein Belieben in Ansehung des Gegenteils frei lässt, mithin allein diejenige Notwendigkeit bei sich führt, welche wir zum Gesetze verlangen.

We shall therefore have to investigate the possibility of a categorical imperative entirely a priori. Here we do not have the advantage of its actuality being given in experience, in which case its possibility would be needed not to establish it, but merely to explain it. For now, however, this much can be seen: only the categorical imperative has the form of a practical law. All the others may indeed be called principles of the will, but not laws. For whatever it is necessary to do merely to achieve some chosen aim can in itself be regarded as contingent, and we can always free ourselves from the prescription by giving up the aim. By contrast, the unconditional command leaves the will no freedom to choose the opposite and thus alone carries with it the kind of necessity that we require of a law.

Zweitens ist bei diesem kategorischen Imperativ oder Gesetze der Sittlichkeit der Grund der Schwierigkeit (die Möglichkeit desselben einzusehen) auch sehr groß. Er ist ein synthetisch-praktischer Satz) a priori, und da die Möglichkeit der Sätze dieser Art einzusehen so viel Schwierigkeit im theoretischen Erkenntnisse hat, so lässt sich leicht abnehmen, dass sie im praktischen nicht weniger haben werde.

Second, with this categorical imperative, or law of morality, the source of difficulty—grasping how it is possible—is also very substantial. It is a synthetic practical proposition) a priori; and since grasping the possibility of propositions of this kind presents so much difficulty in theoretical cognition, it is easy to see that it will present no less difficulty in practical cognition.

Bei dieser Aufgabe wollen wir zuerst versuchen, ob nicht vielleicht der bloße Begriff eines kategorischen Imperativs auch die Formel desselben an die Hand gebe, die den Satz enthält, der allein ein kategorischer Imperativ sein kann; denn wie ein solches absolutes Gebot möglich sei, wenn wir auch gleich wissen, wie es lautet, wird noch besondere und schwere Bemühung erfordern, die wir aber zum letzten Abschnitte aussetzen.

In this task, we shall first try to determine whether the mere concept of a categorical imperative might itself provide us with its formula—the formula containing the proposition that alone can be a categorical imperative. For even once we know what such an absolute command says, explaining how it is possible will still require a separate and difficult effort, which we shall postpone until the final section.

Wenn ich mir einen hypothetischen Imperativ überhaupt denke, so weiß ich nicht zum voraus, was er enthalten werde: bis mir die Bedingung gegeben ist. Denke ich mir aber einen kategorischen Imperativ, so weiß ich sofort, was er enthalte. Denn da der Imperativ außer dem Gesetze nur die Notwendigkeit der Maxime enthält, diesem Gesetze gemäß zu sein, das Gesetz aber keine Bedingung enthält, auf die es eingeschränkt war, so bleibt nichts als die Allgemeinheit eines Gesetztes überhaupt übrig, welchem die Maxime der Handlung gemäß sein soll, und welche Gemäßheit allein der Imperativ eigentlich als notwendig vorstellt.

When I conceive of a hypothetical imperative, I do not know in advance what it will contain until the condition is given to me. But when I conceive of a categorical imperative, I know at once what it contains. For besides the law, the imperative contains only the necessity that the maxim conform to this law; and since the law contains no condition that would limit it, nothing remains but the universality of a law as such, to which the maxim of the action is to conform. Strictly speaking, this conformity alone is what the imperative presents as necessary.

Der kategorische Imperativ ist also nur ein einziger und zwar dieser: handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

There is therefore only one categorical imperative, and it is this: act only on a maxim through which you can at the same time will that it become a universal law.

Wenn nun aus diesem einigen Imperativ alle Imperativen der Pflicht als aus ihrem Prinzip abgeleitet werden können, so werden wir, ob wir es gleich unausgemacht lassen, ob nicht überhaupt das, was man Pflicht nennt, ein leerer Begriff sei, doch wenigstens anzeigen können, was wir dadurch denken und was dieser Begriff sagen wolle.

If all imperatives of duty can be derived from this single imperative as their principle, then, even if we leave it unsettled whether what is called duty is an empty concept after all, we can at least show what we mean by it and what this concept is meant to convey.

Weil die Allgemeinheit des Gesetzes, wonach Wirkungen geschehen, dasjenige ausmacht, was eigentlich Natur im allgemeinsten Verstande (der Form nach), d. i. das Dasein der Dinge, heißt, so fern es nach allgemeinen Gesetzen bestimmt ist, so könnte der allgemeine Imperativ der Pflicht auch so lauten: handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.

The universality of the law according to which effects occur constitutes what is properly called nature in the most general sense—as regards its form—that is, the existence of things insofar as it is determined by universal laws. The universal imperative of duty could therefore also be stated as follows: act as if the maxim of your action were, through your will, to become a universal law of nature.

Nun wollen wir einige Pflichten herzählen nach der gewöhnlichen Einteilung derselben in Pflichten gegen uns selbst und gegen andere Menschen, in vollkommene und unvollkommene Pflichten.

Now we will list some duties, following their usual division into duties to ourselves and duties to other people, and into perfect and imperfect duties.

1) Einer, der durch eine Reihe von Übeln, die bis zur Hoffnungslosigkeit angewachsen ist, einen Überdruss am Leben empfindet, ist noch so weit im Besitze seiner Vernunft, dass er sich selbst fragen kann, ob es auch nicht etwa der Pflicht gegen sich selbst zuwider sei, sich das Leben zu nehmen. Nun versucht er: ob die Maxime seiner Handlung wohl ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Seine Maxime aber ist: ich mache es mir aus Selbstliebe zum Prinzip, wenn das Leben bei seiner längern Frist mehr Übel droht, als es Annehmlichkeit verspricht, es mir abzukürzen. Es frägt sich nur noch, ob dieses Prinzip der Selbstliebe ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Da sieht man aber bald, dass eine Natur, deren Gesetz es wäre, durch dieselbe Empfindung, deren Bestimmung es ist, zur Beförderung des Lebens anzutreiben, das Leben selbst zu zerstören, ihr selbst widersprechen und also nicht als Natur bestehen würde, mithin jene Maxime unmöglich als allgemeines Naturgesetz stattfinden könne und folglich dem obersten Prinzip aller Pflicht gänzlich widerstreite.

Someone who has become weary of life through a series of misfortunes that has grown to the point of hopelessness still retains enough reason to ask himself whether taking his own life might perhaps violate a duty to himself. He now tests whether the maxim of his action could become a universal law of nature. His maxim is: from self-love, I make it my principle to shorten my life when its continued duration threatens more evil than it promises enjoyment. The only question that remains is whether this principle of self-love could become a universal law of nature. But it soon becomes clear that a nature whose law was to destroy life itself through the very feeling whose function is to drive us to preserve and advance life would contradict itself and therefore could not exist as nature. Thus that maxim could not possibly hold as a universal law of nature and consequently stands in complete conflict with the supreme principle of all duty.

2) Ein anderer sieht sich durch Not gedrungen, Geld zu borgen. Er weiß wohl, dass er nicht wird bezahlen können, sieht aber auch, dass ihm nichts geliehen werden wird, wenn er nicht festiglicht verspricht, es zu einer bestimmten Zeit zu bezahlen. Er hat Lust, ein solches Versprechen zu tun; noch aber hat er so viel Gewissen, sich zu fragen: ist es nicht unerlaubt und pflichtwidrig, sich auf solche Art aus Not zu helfen? Gesetzt, er beschlösse es doch, so würde seine Maxime der Handlung so lauten: wenn ich mich in Geldnot zu sein glaube, so will ich Geld borgen und versprechen es zu bezahlen, ob ich gleich weiß, es werde niemals geschehen. Nun ist dieses Prinzip der Selbstliebe oder der eigenen Zuträglichkeit mit meinem ganzen künftigen Wohlbefinden vielleicht wohl zu vereinigen, allein jetzt ist die Frage: ob es recht sei. Ich verwandle also die Zumutung der Selbstliebe in ein allgemeines Gesetz und richte die Frage so ein: wie es dann stehen würde, wenn meine Maxime ein allgemeines Gesetz würde. Da sehe ich nun sogleich, dass sie niemals als allgemeines Naturgesetz gelten und mit sich selbst zusammenstimmen könne, sondern sich notwendig widersprechen müsse. Denn die Allgemeinheit eines Gesetzes, dass jeder, nachdem er in Not zu sein glaubt, versprechen könne, was ihm einfällt, mit dem Vorsatz, es nicht zu halten, würde das Versprechen und den Zweck, den man damit haben mag, selbst unmöglich machen, indem niemand glauben würde, dass ihm was versprochen sei, sondern über alle solche Äußerung als eitles Vorgeben lachen würde.

Another person finds himself forced by need to borrow money. He knows perfectly well that he will not be able to repay it, but he also sees that no one will lend him anything unless he firmly promises to repay it at a specified time. He is tempted to make such a promise; but he still has enough conscience to ask himself: Is it not forbidden and contrary to duty to get out of difficulty in this way? Suppose he nevertheless decided to do it. The maxim of his action would then be: When I believe myself to be in need of money, I will borrow money and promise to repay it, even though I know that this will never happen. This principle of self-love, or of personal advantage, may perhaps be consistent with my entire future well-being; but the question now is whether it is right. I therefore turn the demand of self-love into a universal law and frame the question as follows: What would happen if my maxim became a universal law? I then see at once that it could never hold as a universal law of nature and be consistent with itself, but would necessarily contradict itself. For if it were a universal law that anyone who believes himself to be in need could promise whatever he pleased while intending not to keep the promise, this would make promising itself—and whatever end one might have in promising—impossible. No one would believe that anything had been promised to him, but would laugh at every such statement as an empty pretense.

3) Ein dritter findet in sich ein Talent, welches vermittelst einiger Kultur ihn zu einem in allerlei Absicht brauchbaren Menschen machen könnte. Er sieht sich aber in bequemen Umständen und zieht vor, lieber dem Vergnügen nachzuhängen, als sich mit Erweiterung und Verbesserung seiner glücklichen Naturanlagen zu bemühen. Noch frägt er aber: ob außer der Übereinstimmung, die seine Maxime der Verwahrlosung seiner Naturgaben mit seinem Hange zur Ergötzlichkeit an sich hat, sie auch mit dem, was man Pflicht nennt, übereinstimme. Da sieht er nun, dass zwar eine Natur nach einem solchen allgemeinen Gesetze immer noch bestehen könne, obgleich der Mensch (so wie die Südsee-Einwohner) sein Talent rosten ließe und sein Leben bloß auf Müßiggang, Ergötzlichkeit, Fortpflanzung, mit einem Wort auf Genuss zu verwenden bedacht wäre; allein er kann unmöglich wollen, dass dieses ein allgemeines Naturgesetz werde, oder als ein solches in uns durch Naturinstinkt gelegt sei. Denn als ein vernünftiges Wesen will er notwendig, dass alle Vermögen in ihm entwickelt werden, weil sie ihm doch zu allerlei möglichen Absichten dienlich und gegeben sind.

3) A third person finds that he has a talent which, with some cultivation, could make him useful in many respects. But he is comfortably situated and prefers to pursue pleasure rather than make the effort to develop and improve his fortunate natural gifts. Still, he asks whether his maxim of neglecting his natural gifts, besides agreeing with his own tendency toward amusement, also agrees with what is called duty. He now sees that nature could indeed continue to exist under such a universal law, even if human beings—like the inhabitants of the South Seas—let their talents rust and intended to devote their lives solely to idleness, amusement, procreation—in a word, to enjoyment. But he cannot possibly will that this should become a universal law of nature, or that it should be implanted in us as such a law by natural instinct. For as a rational being, he necessarily wills that all his capacities be developed, since they have been given to him and are useful for all sorts of possible purposes.

Noch denkt ein vierter, dem es wohl geht, indessen er sieht, dass andere mit großen Mühseligkeiten zu kämpfen haben (denen er auch wohl helfen könnte): was geht's mich an? mag doch ein jeder so glücklich sein, als es der Himmel will oder er sich selbst machen kann, ich werde ihm nichts entziehen, ja nicht einmal beneiden; nur zu seinem Wohlbefinden oder seinem Beistande in der Not habe ich nicht Lust etwas beizutragen! Nun könnte allerdings, wenn eine solche Denkungsart ein allgemeines Naturgesetz würde, das menschliche Geschlecht gar wohl bestehen und ohne Zweifel noch besser, als wenn jedermann von Teilnehmung und Wohlwollen schwatzt, auch sich beeifert, gelegentlich dergleichen auszuüben, dagegen aber auch, wo er nur kann, betrügt, das Recht der Menschen verkauft, oder ihm sonst Abbruch tut. Aber obgleich es möglich ist, dass nach jener Maxime ein allgemeines Naturgesetz wohl bestehen könnte: so ist es doch unmöglich, zu wollen, dass ein solches Prinzip als Naturgesetz allenthalben gelte. Denn ein Wille, der dieses beschlösse, würde sich selbst widerstreiten, indem der Fälle sich doch manche ereignen können, wo er anderer Liebe und Teilnehmung bedarf, und wo er durch ein solches aus seinem eigenen Willen entsprungenes Naturgesetz sich selbst alle Hoffnung des Beistandes, den er sich wünscht, rauben würde.

A fourth person, who is doing well while he sees others struggling with great hardships that he could readily help them with, thinks: What is that to me? Let everyone be as happy as Heaven wills, or as he can make himself. I will take nothing from him, and will not even envy him; but I have no desire to contribute anything to his well-being or to help him in need. Now, if this way of thinking became a universal law of nature, the human race could certainly continue to exist—and no doubt better than if everyone talked of sympathy and goodwill and even made an effort to practice them from time to time, while also cheating whenever possible, selling out the rights of human beings, or otherwise violating them. But although it is possible for a universal law of nature to exist in accordance with that maxim, it is nevertheless impossible to will that such a principle should hold everywhere as a law of nature. For a will that resolved on this would conflict with itself, since many situations could arise in which it needed the love and sympathy of others, and in which, through such a law of nature arising from its own will, it would deprive itself of every hope of the help it desires.

Dieses sind nun einige von den vielen wirklichen oder wenigstens von uns dafür gehaltenen Pflichten, deren Abteilung aus dem einigen angeführten Prinzip klar in die Augen fällt. Man muss wollen können, dass eine Maxime unserer Handlung ein allgemeines Gesetz werde: dies ist der Kanon der moralischen Beurteilung derselben überhaupt. Einige Handlungen sind so beschaffen, dass ihre Maxime ohne Widerspruch nicht einmal als allgemeines Naturgesetz gedacht werden kann; weit gefehlt, dass man noch wollen könne, es sollte ein solches werden. Bei andern ist zwar jene innere Unmöglichkeit nicht anzutreffen, aber es ist doch unmöglich, zu wollen, dass ihre Maxime zur Allgemeinheit eines Naturgesetzes erhoben werde, weil ein solcher Wille sich selbst widersprechen würde. Man sieht leicht: dass die erstere der strengen oder engeren (unnachlässlichen) Pflicht, die zweite nur der weiteren (verdienstlichen) Pflicht widerstreite, und so alle Pflichten, was die Art der Verbindlichkeit (nicht das Objekt ihrer Handlung) betrifft, durch diese Beispiele in ihrer Abhängigkeit von dem einigen Prinzip vollständig aufgestellt worden.

These, then, are some of the many actual duties—or at least what we take to be duties—whose classification under the single principle stated above is plainly evident. We must be able to will that the maxim of our action become a universal law: this is the general standard for judging it morally. Some actions are such that their maxim cannot even be conceived, without contradiction, as a universal law of nature, much less willed to become one. In other cases, this internal impossibility is not present, but it is nevertheless impossible to will that their maxim be raised to the universality of a law of nature, because such a will would contradict itself. It is easy to see that the former kind conflicts with strict or narrower duty (which permits no neglect), while the latter conflicts only with wider duty (which is meritorious). These examples thus present all duties completely, as regards the kind of obligation involved—not the object of their action—in their dependence on the single principle.

Wenn wir nun auf uns selbst bei jeder Übertretung einer Pflicht Acht haben, so finden wir, dass wir wirklich nicht wollen, es solle unsere Maxime ein allgemeines Gesetz werden, denn das ist uns unmöglich, sondern das Gegenteil derselben soll vielmehr allgemein ein Gesetz bleiben; nur nehmen wir uns die Freiheit, für uns oder (auch nur für diesesmal) zum Vorteil unserer Neigung davon eine Ausnahme zu machen. Folglich wenn wir alles aus einem und demselben Gesichtspunkte, nämlich der Vernunft, erwögen, so würden wir einen Widerspruch in unserm eigenen Willen antreffen, nämlich dass ein gewisses Prinzip objektiv als allgemeines Gesetz notwendig sei und doch subjektiv nicht allgemein gelten, sondern Ausnahmen verstatten sollte. Da wir aber einmal unsere Handlung aus dem Gesichtspunkte eines ganz der Vernunft gemäßen, dann aber auch eben dieselbe Handlung aus dem Gesichtspunkte eines durch Neigung affizierten Willens betrachten, so ist wirklich hier kein Widerspruch, wohl aber ein Widerstand der Neigung gegen die Vorschrift der Vernunft (antagonismus), wodurch die Allgemeinheit des Prinzips(universalitas) in eine bloße Gemeingültigkeit (generalitas) verwandelt wird, dadurch das praktische Vernunftprinzip mit der Maxime auf dem halben Wege zusammenkommen soll. Ob nun dieses gleich in unserm eigenen unparteiisch angestellten Urteile nicht gerechtfertigt werden kann, so beweiset es doch, dass wir die Gültigkeit des kategorischen Imperativs wirklich anerkennen und uns (mit aller Achtung für denselben) nur einige, wie es uns scheint, unerhebliche und uns abgedrungene Ausnahmen erlauben.

If we now pay attention to ourselves whenever we violate a duty, we find that we do not really will that our maxim should become a universal law, for that is impossible for us. Rather, we will that its opposite should continue to be a law universally; we merely take the liberty of making an exception to it for ourselves—or just this once—to benefit our inclination. Consequently, if we considered everything from one and the same standpoint, namely that of reason, we would find a contradiction in our own will: a certain principle would be objectively necessary as a universal law, yet subjectively it would not hold universally but would allow exceptions. But we view our action first from the standpoint of a will wholly in accordance with reason, and then view the very same action from the standpoint of a will affected by inclination. Thus there is in fact no contradiction here, though there is a resistance of inclination to the command of reason (antagonismus). Through this resistance, the universality of the principle (universalitas) is turned into merely general validity (generalitas), so that the principle of practical reason is supposed to meet the maxim halfway. Although this cannot be justified in our own impartial judgment, it nevertheless proves that we really acknowledge the validity of the categorical imperative and merely permit ourselves—with all respect for it—a few exceptions that seem to us insignificant and forced upon us.

Wir haben so viel also wenigstens dargetan, dass, wenn Pflicht ein Begriff ist, der Bedeutung und wirkliche Gesetzgebung für unsere Handlungen enthalten soll, diese nur in kategorischen Imperativen, keineswegs aber in hypothetischen ausgedrückt werden könne; imgleichen haben wir, welches schon viel ist, den Inhalt des kategorischen Imperativs, der das Prinzip aller Pflicht (wenn es überhaupt dergleichen gäbe) enthalten müsste, deutlich und zu jedem Gebrauche bestimmt dargestellt. Noch sind wir aber nicht so weit, a priori zu beweisen, dass dergleichen Imperativ wirklich stattfinde, dass es ein praktisches Gesetz gebe, welches schlechterdings und ohne alle Triebfedern für sich gebietet, und dass die Befolgung dieses Gesetzes Pflicht sei.

We have therefore shown at least this much: if duty is a concept that is to have meaning and provide genuine lawgiving for our actions, it can be expressed only in categorical imperatives, never in hypothetical ones. We have likewise—and this is already a great deal—clearly presented the content of the categorical imperative, which would have to contain the principle of all duty, if there were any such thing at all, and have determined it for every application. But we have not yet reached the point of proving a priori that such an imperative really exists: that there is a practical law which commands absolutely and on its own, without any incentives, and that following this law is duty.

Bei der Absicht, dazu zu gelangen, ist es von der äußersten Wichtigkeit, sich dieses zur Warnung dienen zu lassen, dass man es sich ja nicht in den Sinn kommen lasse, die Realität dieses Prinzips aus der besondern Eigenschaft der menschlichen Natur ableiten zu wollen. Denn Pflicht soll praktisch-unbedingte Notwendigkeit der Handlung sein; sie muss also für alle vernünftige Wesen (auf die nur überall ein Imperativ treffen kann) gelten und allein darum auch für allen menschlichen Willen ein Gesetz sein. Was dagegen aus der besondern Naturanlage der Menschheit, was aus gewissen Gefühlen und Hange, ja sogar wo möglich aus einer besonderen Richtung, die der menschlichen Vernunft eigen wäre und nicht notwendig für den Willen eines jeden vernünftigen Wesens gelten müßte, abgeleitet wird, das kann zwar eine Maxime für uns, aber kein Gesetz abgeben, ein subjektiv Prinzip, nach welchem wir handeln zu dürfen Hang und Neigung haben, aber nicht ein Objektives, nach welchem wir angewiesen waren zu handeln, wenn gleich aller unser Hang, Neigung und Natureinrichtung dawider wäre, sogar, dass es um desto mehr die Erhabenheit und innere Würde des Gebots in einer Pflicht beweiset, je weniger die subjektiven Ursachen dafür, je mehr sie dagegen sind, ohne doch deswegen die Nötigung durchs Gesetz nur im mindesten zu schwächen und seiner Gültigkeit etwas zu benehmen.

In seeking to reach this point, it is of the utmost importance to heed the following warning: we must not even consider trying to derive the reality of this principle from any particular feature of human nature. For duty is to be the practically unconditional necessity of an action. It must therefore hold for all rational beings—the only beings to which an imperative can apply at all—and for that reason alone must also be a law for every human will. By contrast, whatever is derived from humanity’s particular natural constitution, from certain feelings and propensities, or even, if this were possible, from some particular tendency peculiar to human reason that need not necessarily hold for the will of every rational being, may indeed provide us with a maxim, but not with a law. It may provide a subjective principle on which propensity and inclination lead us to act, but not an objective principle by which we would be required to act even if all our propensities, inclinations, and natural constitution opposed it. Indeed, the fewer subjective causes there are in its favor, and the more there are against it, the more a command laid down as a duty proves its sublimity and inner dignity, without this weakening in the slightest the compulsion exerted by the law or detracting at all from its validity.

Hier sehen wir nun die Philosophie in der Tat auf einen misslichen Standpunkt gestellt, der fest sein soll, unerachtet er weder im Himmel, noch auf der Erde an etwas gehängt oder woran gestützt wird. Hier soll sie ihre Lauterkeit beweisen als Selbsthalterin ihrer Gesetze, nicht als Herold derjenigen, welche ihr ein eingepflanzter Sinn, oder wer weiß welche vormundschaftliche Natur einflüstert, die insgesamt, sie mögen immer besser sein als gar nichts, doch niemals Grundsätze abgeben können, die die Vernunft diktiert, und die durchaus völlig a priori ihren Quell und hiermit zugleich ihr gebietendes Ansehen haben müssen: nichts von der Neigung des Menschen, sondern alles von der Obergewalt des Gesetzes und der schuldigen Achtung für dasselbe zu erwarten, oder den Menschen widrigenfalls zur Selbstverachtung und innern Abscheu zu verurteilen.

Here we see philosophy placed in a genuinely precarious position. It is supposed to stand firm, though it hangs from nothing in heaven or on earth and has nothing there to support it. Here philosophy must prove its purity by upholding its laws on its own, not by acting as the herald of laws whispered to it by some implanted sense or by some supposedly guardian nature. Such sources may indeed be better than nothing, but they can never yield principles dictated by reason—principles that must have their source entirely a priori and must therefore also derive their commanding authority from that source. They must expect nothing from human inclination and everything from the supremacy of the law and the respect owed to it; otherwise they must condemn human beings to self-contempt and inward disgust.

Alles also, was empirisch ist, ist als Zutat zum Prinzip der Sittlichkeit nicht allein dazu ganz untauglich, sondern der Lauterkeit der Sitten selbst höchst nachteilig, an welchen der eigentliche und über allen Preis erhabene Wert eines schlechterdings guten Willens eben darin besteht, dass das Prinzip der Handlung von allen Einflüssen zufälliger Gründe, die nur Erfahrung an die Hand geben kann, frei sei. Wider diese Nachlässigkeit oder gar niedrige Denkungsart in Aufsuchung des Prinzips unter empirischen Bewegursachen und Gesetzen kann man auch nicht zu viel und zu oft Warnungen ergehen lassen, indem die menschliche Vernunft in ihrer Ermüdung gern auf diesem Polster ausruht und in dem Traume süßer Vorspiegelungen (die sie doch statt der Juno eine Wolke umarmen lassen) der Sittlichkeit einen aus Gliedern ganz verschiedener Abstammung zusammengeflickten Bastard unterschiebt, der allem ähnlich sieht, was man daran sehen will, nur der Tugend nicht für den, der sie einmal in ihrer wahren Gestalt erblickt hat.

Everything empirical, then, is not only wholly unfit as an addition to the principle of morality; it is also highly damaging to the purity of morals themselves. The true value of an absolutely good will—a value beyond any price—lies precisely in this purity: the principle of action is free from every influence of contingent grounds that experience alone can supply. We cannot warn too strongly or too often against the carelessness, or even the base way of thinking, involved in seeking the principle among empirical motives and laws. For human reason, in its weariness, gladly rests on this cushion; and, dreaming amid sweet illusions (which in fact make it embrace a cloud instead of Juno), it foists on morality a bastard patched together from limbs of entirely different ancestry. This bastard resembles anything one wants to see in it—except virtue, to anyone who has once seen virtue in its true form.

Die Frage ist also diese: ist es ein notwendiges Gesetz für alle vernünftige Wesen, ihre Handlungen jederzeit nach solchen Maximen zu beurteilen, von denen sie selbst wollen können, dass sie zu allgemeinen Gesetzen dienen sollen? Wenn es ein solches ist, so muss es (völlig a priori) schon mit dem Begriffe des Willens eines vernünftigen Wesens überhaupt verbunden sein. Um aber diese Verknüpfung zu entdecken, muss man, so sehr man sich auch sträubt, einen Schritt hinaus tun, nämlich zur Metaphysik, obgleich in ein Gebiet derselben, welches von dem der spekulativen Philosophie unterschieden ist, nämlich in die Metaphysik der Sitten. In einer praktischen Philosophie, wo es uns nicht darum zu tun ist, Gründe anzunehmen von dem, was geschieht, sondern Gesetze von dem, was geschehen soll, ob es gleich niemals geschieht, d. i. Objektiv-praktische Gesetze: da haben wir nicht nötig, über die Gründe Untersuchung anzustellen, warum etwas gefällt oder missfällt, wie das Vergnügen der bloßen Empfindung vom Geschmacke, und ob dieser von einem allgemeinen Wohlgefallen der Vernunft unterschieden sei; worauf Gefühl der Lust und Unlust beruhe, und wie hieraus Begierden und Neigungen, aus diesen aber durch Mitwirkung der Vernunft Maximen entspringen; denn das gehört alles zu einer empirischen Seelenlehre, welche den zweiten Teil der Naturlehre ausmachen würde, wenn man sie als Philosophie der Natur betrachtet, so fern sie auf empirischen Gesetzen gegründet ist. Hier aber ist vom Objektiv-praktischen Gesetze die Rede, mithin von dem Verhältnisse eines Willens zu sich selbst, so fern er sich bloß durch Vernunft bestimmt, da denn alles, was aufs Empirische Beziehung hat, von selbst wegfällt: weil, wenn die Vernunft für sich allein das Verhalten bestimmt (wovon wir die Möglichkeit jetzt eben untersuchen wollen), sie dieses notwendig a priori tun muss.

The question, then, is this: Is it a necessary law for all rational beings always to judge their actions by maxims that they themselves can will to serve as universal laws? If there is such a law, it must already be connected—entirely a priori—with the concept of the will of a rational being as such. But to discover this connection, however reluctant one may be, one must take a step into metaphysics—though into a region of metaphysics distinct from speculative philosophy, namely the metaphysics of morals. In practical philosophy, our concern is not to identify the grounds of what happens, but the laws of what ought to happen, even if it never does—that is, objective practical laws. We therefore have no need to investigate why something pleases or displeases; how the pleasure of mere sensation differs from taste, and whether taste in turn differs from a universal satisfaction of reason; what feelings of pleasure and displeasure are based on; or how desires and inclinations arise from these feelings, and maxims in turn arise from desires and inclinations through the cooperation of reason. All of this belongs to an empirical psychology, which would constitute the second part of the science of nature if that science is regarded as a philosophy of nature insofar as it is based on empirical laws. Here, however, we are concerned with the objective practical law, and thus with the relation of a will to itself insofar as it determines itself solely through reason. Everything related to the empirical therefore drops away of its own accord, since, if reason by itself determines conduct—the possibility of which is precisely what we now intend to investigate—it must necessarily do so a priori.

Der Wille wird als ein Vermögen gedacht, der Vorstellung gewisser Gesetze gemäß sich selbst zum Handeln zu bestimmen. Und ein solches Vermögen kann nur in vernünftigen Wesen anzutreffen sein. Nun ist das, was dem Willen zum Objektiven Grunde seiner Selbstbestimmung dient, der Zweck, und dieser, wenn er durch bloße Vernunft gegeben wird, muss für alle vernünftige Wesen gleich gelten. Was dagegen bloß den Grund der Möglichkeit der Handlung enthält, deren Wirkung Zweck ist, heißt das Mittel. Der subjektive Grund des Begehrens ist die Triebfeder, der Objektive des Wollens der Bewegungsgrund; daher der Unterschied zwischen subjektiven Zwecken, die auf Triebfedern beruhen, und Objektiven, die auf Bewegungsgründe ankommen, welche für jedes vernünftige Wesen gelten. Praktische Prinzipien sind formal, wenn sie von allen subjektiven Zwecken abstrahieren; sie sind aber material, wenn sie diese, mithin gewisse Triebfedern zum Grunde legen. Die Zwecke, die sich ein vernünftiges Wesen als Wirkungen seiner Handlung nach Belieben vorsetzt, (materiale Zwecke) sind insgesamt nur relativ; denn nur bloß ihr Verhältnis auf ein besonders geartetes Begehrungsvermögen des Subjekts gibt ihnen den Wert, der daher keine allgemeine für alle vernünftige Wesen und auch nicht für jedes Wollen gültige und notwendige Prinzipien, d. i. praktische Gesetze, an die Hand geben kann. Daher sind alle diese relative Zwecke nur der Grund von hypothetischen Imperativen.

The will is conceived as a capacity to determine itself to act in accordance with the representation of certain laws. Such a capacity can be found only in rational beings. Now, what serves the will as the objective ground of its self-determination is an end; and if

Gesetzt aber, es gäbe etwas, dessen Dasein an sich selbst einen absoluten Wert hat, was als Zweck an sich selbst ein Grund bestimmter Gesetze sein könnte, so würde in ihm und nur in ihm allein der Grund eines möglichen kategorischen Imperativs, d. i. praktischen Gesetzes, liegen.

But suppose there were something whose existence in itself has absolute value, something that, as an end in itself, could be the ground of determinate laws. Then in it, and in it alone, would lie the ground of a possible categorical imperative—that is, of a practical law.

Nun sage ich: der Mensch und überhaupt jedes vernünftige Wesen existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen, sondern muss in allen seinen sowohl auf sich selbst, als auch auf andere vernünftige Wesen gerichteten Handlungen jederzeit zugleich als Zweck betrachtet werden. Alle Gegenstände der Neigungen haben nur einen bedingten Wert; denn wenn die Neigungen und darauf gegründete Bedürfnisse nicht wären, so würde ihr Gegenstand ohne Wert sein. Die Neigungen selber als Quellen des Bedürfnisses haben so wenig einen absoluten Wert, um sie selbst zu wünschen, dass vielmehr, gänzlich davon frei zu sein, der allgemeine Wunsch eines jeden vernünftigen Wesens sein muss. Also ist der Wert aller durch unsere Handlung zu erwerbenden Gegenstände jederzeit bedingt. Die Wesen, deren Dasein zwar nicht auf unserm Willen, sondern der Natur beruht, haben dennoch, wenn sie vernunftlose Wesen sind, nur einen relativen Wert, als Mittel, und heißen daher Sachen, dagegen vernünftige Wesen Personen genannt werden, weil ihre Natur sie schon als Zwecke an sich selbst, d. i. als etwas, das nicht bloß als Mittel gebraucht werden darf, auszeichnet, mithin so fern alle Willkür einschränkt (und ein Gegenstand der Achtung ist). Dies sind also nicht bloß subjektive Zwecke, deren Existenz als Wirkung unserer Handlung für uns einen Wert hat; sondern Objektive Zwecke, d. i. Dinge, deren Dasein an sich selbst Zweck ist und zwar ein solcher, an dessen Statt kein anderer Zweck gesetzt werden kann, dem sie bloß als Mittel zu Diensten stehen sollten, weil ohne dieses überall gar nichts von absolutem Werte würde angetroffen werden; wenn aber aller Wert bedingt, mithin zufällig wäre, so könnte für die Vernunft überall kein oberstes praktisches Prinzip angetroffen werden.

I now say: A human being—and, in general, every rational being—exists as an end in itself, not merely as a means to be used at the discretion of this or that will. In all actions directed toward oneself or toward other rational beings, one must always also regard each rational being as an end in itself. All objects of inclination have only conditional value. For if inclinations, and the needs based on them, did not exist, their objects would have no value. Inclinations themselves, as sources of need, are so far from having an absolute value that would make them desirable in themselves that every rational being must instead have a general wish to be entirely free of them. Thus the value of all objects that our actions can obtain is always conditional. Beings whose existence rests not on our will but on nature nevertheless have only relative value, as means, if they are non-rational beings, and are therefore called things. Rational beings, by contrast, are called persons, because their nature already marks them out as ends in themselves—that is, as something that may not be used merely as a means—and therefore to that extent limits all arbitrary choice (and is an object of respect). These, then, are not merely subjective ends, whose existence as an effect of our action has value for us, but objective ends—that is, things whose existence is in itself an end, and indeed an end for which no other end can be substituted so that they would merely serve it as means. For without this, nothing of absolute value could be found anywhere at all. But if all value were conditional, and therefore contingent, reason could find no supreme practical principle anywhere.

Wenn es denn also ein oberstes praktisches Prinzip und in Ansehung des menschlichen Willens einen kategorischen Imperativ geben soll, so muss es ein solches sein, das aus der Vorstellung dessen, was notwendig für jedermann Zweck ist, weil es Zweck an sich selbst ist, ein Objektives Prinzip des Willens ausmacht, mithin zum allgemeinen praktischen Gesetz dienen kann. Der Grund dieses Prinzips ist: die vernünftige Natur existiert als Zweck an sich selbst. So stellt sich notwendig der Mensch sein eigenes Dasein vor; so fern ist es also ein subjektives Prinzip menschlicher Handlungen. So stellt sich aber auch jedes andere vernünftige Wesen sein Dasein zufolge eben desselben Vernunftgrundes, der auch für mich gilt, vor; also ist es zugleich ein Objektives Prinzip, woraus als einem obersten praktischen Grunde alle Gesetze des Willens müssen abgeleitet werden können. Der praktische Imperativ wird also folgender sein: Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst. Wir wollen sehen, ob sich dieses bewerkstelligen lasse.

If, then, there is to be a supreme practical principle and, for the human will, a categorical imperative, it must be one that derives from the conception of what is necessarily an end for everyone, because it is an end in itself, and constitutes an objective principle of the will. It can therefore serve as a universal practical law. The basis of this principle is that rational nature exists as an end in itself. A human being necessarily conceives their own existence in this way; to that extent, this is a subjective principle of human actions. But every other rational being also conceives its existence in this way, on the very same rational basis that applies to me. It is therefore at the same time an objective principle from which, as the supreme practical basis, all laws of the will must be capable of being derived. The practical imperative will therefore be this: Act in such a way that you always use humanity, both in your own person and in the person of everyone else, at the same time as an end, never merely as a means. Let us see whether this can be accomplished.

Um bei den vorigen Beispielen zu bleiben, so wird erstlich nach dem Begriffe der notwendigen Pflicht gegen sich selbst derjenige, der mit Selbstmorde umgeht, sich fragen, ob seine Handlung mit der Idee der Menschheit als Zwecks an sich selbst zusammen bestehen könne. Wenn er, um einem beschwerlichen Zustande zu entfliehen, sich selbst zerstört, so bedient er sich einer Person bloß als eines Mittels zu Erhaltung eines erträglichen Zustandes bis zu Ende des Lebens. Der Mensch aber ist keine Sache, mithin nicht etwas, das bloß als Mittel gebraucht werden kann, sondern muss bei allen seinen Handlungen jederzeit als Zweck an sich selbst betrachtet werden. Also kann ich über den Menschen in meiner Person nichts disponieren, ihn zu verstümmeln, zu verderben, oder zu töten. (Die nähere Bestimmung dieses Grundsatzes zur Vermeidung alles Missverstandes, z. B. der Amputation der Glieder, um mich zu erhalten, der Gefahr, der ich mein Leben aussetze, um mein Leben zu erhalten etc., muss ich hier vorbeigehen; sie gehört zur eigentlichen Moral.)

To continue with the preceding examples: first, in accordance with the concept of a necessary duty to oneself, someone contemplating suicide will ask whether his action can be consistent with the idea of humanity as an end in itself. If he destroys himself in order to escape a burdensome condition, he uses a person merely as a means of maintaining a tolerable condition until the end of life. But a human being is not a thing, and therefore not something that can be used merely as a means; in all his actions, he must always be regarded as an end in itself. Thus I cannot dispose of the human being in my own person by maiming, ruining, or killing him. (Here I must pass over the more precise specification of this principle needed to prevent all misunderstanding—for example, regarding the amputation of limbs in order to preserve myself, or the danger to which I expose my life in order to preserve my life, and so on. It belongs to morality proper.)

Zweitens, was die notwendige oder schuldige Pflicht gegen andere betrifft, so wird der, so ein lügenhaftes Versprechen gegen andere zu tun im Sinne hat, sofort einsehen, dass er sich eines andern Menschen bloß als Mittels bedienen will, ohne dass dieser zugleich den Zweck in sich enthalte. Denn der, den ich durch ein solches Versprechen zu meinen Absichten brauchen will, kann unmöglich in meine Art, gegen ihn zu verfahren, einstimmen und also selbst den Zweck dieser Handlung enthalten. Deutlicher fällt dieser Widerstreit gegen das Prinzip anderer Menschen in die Augen, wenn man Beispiele von Angriffe auf Freiheit und Eigentum anderer herbeizieht. Denn da leuchtet klar ein, dass der Übertreter der Rechte der Menschen, sich der Person anderer bloß als Mittel zu bedienen, gesonnen sei, ohne in Betracht zu ziehen, dass sie als vernünftige Wesen jederzeit zugleich als Zwecke, d. i. nur als solche, die von eben derselben Handlung auch in sich den Zweck müssen enthalten können, geschätzt werden sollen.

Second, as concerns a necessary duty, or a duty owed, to others, anyone who intends to make a deceitful promise to another will immediately see that he means to use another human being merely as a means, without that person at the same time containing the end within himself. For the person whom I intend to use for my purposes by making such a promise cannot possibly agree to the way I am treating him and thus himself contain the end of this action. This conflict with the principle concerning other human beings is even clearer when we consider examples of attacks on the freedom and property of others. For then it is obvious that someone who violates the rights of human beings intends to use the persons of others merely as means, without taking into account that, as rational beings, they must always at the same time be valued as ends—that is, only as beings who must also be able to contain within themselves the end of that very same action.

Drittens, in Ansehung der zufälligen (verdienstlichen) Pflicht gegen sich selbst ist's nicht genug, dass die Handlung nicht der Menschheit in unserer Person als Zweck an sich selbst widerstreite, sie muss auch dazu zusammenstimmen. Nun sind in der Menschheit Anlagen zu größerer Vollkommenheit, die zum Zwecke der Natur in Ansehung der Menschheit in unserem Subjekt gehören; diese zu vernachlässigen, würde allenfalls wohl mit der Erhaltung der Menschheit als Zwecks an sich selbst, aber nicht der Beförderung dieses Zwecks bestehen können.

Third, regarding contingent (meritorious) duty to oneself, it is not enough that an action should not conflict with humanity in our own person as an end in itself; it must also accord with it. Humanity contains capacities for greater perfection that belong to nature’s purpose for humanity in us. Neglecting them might perhaps be compatible with preserving humanity as an end in itself, but not with furthering this end.

Viertens, in Betreff der verdienstlichen Pflicht gegen andere ist der Naturzweck, den alle Menschen haben, ihre eigene Glückseligkeit. Nun würde zwar die Menschheit bestehen können, wenn niemand zu des andern Glückseligkeit was beitrüge, dabei aber ihr nichts vorsätzlich entzöge; allein es ist dieses doch nur eine negative und nicht positive Übereinstimmung zur Menschheit als Zweck an sich selbst, wenn jedermann auch nicht die Zwecke anderer, so viel an ihm ist, zu befördern trachtete. Denn das Subjekt, welches Zweck an sich selbst ist, dessen Zwecke müssen, wenn jene Vorstellung bei mir alle Wirkung tun soll, auch, so viel möglich, meine Zwecke sein.

Fourth, regarding meritorious duty toward others, the natural end that all human beings have is their own happiness. Humanity could indeed continue to exist if no one contributed anything to anyone else’s happiness, provided that no one deliberately took anything away from it. But if each person did not also strive, as far as it lay within their power, to further the ends of others, this would be only a negative, not a positive, agreement with humanity as an end in itself. For if the conception of a subject as an end in itself is to have its full effect on me, then that subject’s ends must also, as far as possible, be my ends.

Dieses Prinzip der Menschheit und jeder vernünftigen Natur überhaupt, als Zwecks an sich selbst, (welche die oberste einschränkende Bedingung der Freiheit der Handlungen eines jeden Menschen ist) ist nicht aus der Erfahrung entlehnt: erstlich wegen seiner Allgemeinheit, da es auf alle vernünftige Wesen überhaupt geht, worüber etwas zu bestimmen keine Erfahrung zureicht; zweitens weil darin die Menschheit nicht als Zweck der Menschen (subjektiv), d. i. als Gegenstand, den man sich von selbst wirklich zum Zwecke macht, sondern als Objektiver Zweck, der, wir mögen Zwecke haben, welche wir wollen, als Gesetz die oberste einschränkende Bedingung aller subjektiven Zwecke ausmachen soll, vorgestellt wird, mithin es aus reiner Vernunft entspringen muss. Es liegt nämlich der Grund aller praktischen Gesetzgebung Objektiv in der Regel und der Form der Allgemeinheit, die sie ein Gesetz (allenfalls Naturgesetz) zu sein fähig macht (nach dem ersten Prinzip), subjektiv aber im Zwecke; das Subjekt aller Zwecke aber ist jedes vernünftige Wesen, als Zweck an sich selbst (nach dem zweiten Prinzip): hieraus folgt nun das dritte praktische Prinzip des Willens, als oberste Bedingung der Zusammenstimmung desselben mit der allgemeinen praktischen Vernunft, die Idee des Willens jedes vernünftigen Wesens als eines allgemein gesetzgebenden Willens.

This principle—that humanity, and every rational nature in general, is an end in itself—is the supreme limiting condition on the freedom of every human being’s actions. It is not drawn from experience. First, it is universal, since it applies to all rational beings as such, and no experience is sufficient to determine anything about all of them. Second, it presents humanity not as an end of human beings (subjectively)—that is, as an object that we actually make our end of our own accord—but as an objective end. Whatever ends we may have, this objective end is to serve as a law and constitute the supreme limiting condition of all subjective ends. This principle must therefore arise from pure reason. For the basis of all practical legislation lies, objectively, in the rule and the form of universality that makes the rule capable of being a law—or possibly a law of nature—according to the first principle; subjectively, it lies in the end. But the subject of all ends is every rational being as an end in itself, according to the second principle. From this now follows the third practical principle of the will, as the supreme condition under which it agrees with universal practical reason: the idea of the will of every rational being as a will that legislates universally.

Alle Maximen werden nach diesem Prinzip verworfen, die mit der eigenen allgemeinen Gesetzgebung des Willens nicht zusammen bestehen können. Der Wille wird also nicht lediglich dem Gesetze unterworfen, sondern so unterworfen, dass er auch als selbstgesetzgebend und eben um deswillen allererst dem Gesetze (davon er selbst sich als Urheber betrachten kann) unterworfen angesehen werden muss.

By this principle, all maxims are rejected that cannot coexist with the will’s own universal lawmaking. The will is therefore not merely subject to the law. It is subject to it in such a way that it must also be regarded as making the law for itself, and thus as subject to the law in the first place precisely because it can regard itself as the law’s author.

Die Imperativen nach der vorigen Vorstellungsart, nämlich der allgemein einer Naturordnung ähnlichen Gesetzmäßigkeit der Handlungen, oder des allgemeinen Zwecksvorzuges vernünftiger Wesen an sich selbst, schlossen zwar von ihrem gebietenden Ansehen alle Beimischung irgend eines Interesse als Triebfeder aus, eben dadurch dass sie als kategorisch vorgestellt wurden; sie wurden aber nur als kategorisch angenommen, weil man dergleichen annehmen musste, wenn man den Begriff von Pflicht erklären wollte. Dass es aber praktische Sätze gäbe, die kategorisch geböten, könnte für sich nicht bewiesen werden, so wenig wie es überhaupt in diesem Abschnitte auch hier noch nicht geschehen kann; allein eines hätte doch geschehen können, nämlich: dass die Lossagung von allem Interesse beim Wollen aus Pflicht, als das spezifische Unterscheidungszeichen des kategorischen vom hypothetischen Imperativ, in dem Imperativ selbst durch irgend eine Bestimmung, die er enthielte, mit angedeutet würde, und dieses geschieht in gegenwärtiger dritten Formel des Prinzips, nämlich der Idee des Willens eines jeden vernünftigen Wesens als eines allgemein gesetzgebenden Willens.

On the preceding way of presenting them—that is, in terms either of the universal lawfulness of actions modeled on an order of nature, or of the universal priority of rational beings as ends in themselves—the imperatives excluded from their commanding authority any admixture of interest as an incentive, precisely because they were presented as categorical. But they were only assumed to be categorical, because such an assumption was necessary if the concept of duty was to be explained. It could not be proved independently that there are practical propositions that command categorically; nor, indeed, can this yet be done here in this section. Still, one thing could have been done: the imperative itself, through some feature it contained, could also have indicated that renouncing all interest when willing from duty is the specific mark distinguishing the categorical imperative from the hypothetical one. This is what happens in the present third formula of the principle: the idea of the will of every rational being as a will that legislates universally.

Denn wenn wir einen solchen denken, so kann, obgleich ein Wille, der unter Gesetzen steht, noch vermittelst eines Interesse an dieses Gesetz gebunden sein mag, dennoch ein Wille, der selbst zu oberst gesetzgebend ist, unmöglich so fern von irgend einem Interesse abhängen; denn ein solcher abhängender Wille würde selbst noch eines andern Gesetzes bedürfen, welches das Interesse seiner Selbstliebe auf die Bedingung einer Gültigkeit zum allgemeinen Gesetz einschränkte.

For if we conceive such a will, then although a will subject to laws may still be bound to a law by some interest in it, a will that is itself the supreme lawgiver cannot, in that capacity, depend on any interest. For such a dependent will would itself need yet another law, one that restricted the interest of its self-love by the condition that its maxim be valid as a universal law.

Also würde das Prinzip eines jeden menschlichen Willens, als eines durch alle seine Maximen allgemein gesetzgebenden Willens, wenn es sonst mit ihm nur seine Richtigkeit hätte, sich zum kategorischen Imperativ darin gar wohl schicken, dass es eben um der Idee der allgemeinen Gesetzgebung willen sich auf kein Interesse gründet und also unter allen möglichen Imperativen allein unbedingt sein kann; oder noch besser, indem wir den Satz umkehren: wenn es einen kategorischen Imperativ gibt (d. i. ein Gesetz für jeden Willen eines vernünftigen Wesens), so kann er nur gebieten, alles aus der Maxime seines Willens als eines solchen zu tun, der zugleich sich selbst als allgemein gesetzgebend zum Gegenstande haben könnte; denn alsdann nur ist das praktische Prinzip und der Imperativ, dem er gehorcht, unbedingt, weil er gar kein Interesse zum Grunde haben kann.

Thus the principle of every human will, considered as a will that legislates universally through all its maxims, would—assuming only that this principle is sound—be entirely suited to the categorical imperative in this respect: precisely because it involves the idea of universal legislation, it is based on no interest and can therefore, alone among all possible imperatives, be unconditional. Or, better still, let us reverse the proposition: if there is a categorical imperative—that is, a law for every will of a rational being—it can only command that everything be done from the maxim of one’s will considered as a will that could at the same time take itself, as universally legislating, as its object. For only then are the practical principle and the imperative that the will obeys unconditional, since they can have no interest as their basis.

Es ist nun kein Wunder, wenn wir auf alle bisherige Bemühungen, die jemals unternommen worden, um das Prinzip der Sittlichkeit ausfindig zu machen, zurücksehen, warum sie insgesamt haben fehlschlagen müssen. Man sah den Menschen durch seine Pflicht an Gesetze gebunden, man ließ es sich aber nicht einfallen, dass er nur seiner eigenen und dennoch allgemeinen Gesetzgebung unterworfen sei, und dass er nur verbunden sei, seinem eigenen, dem Naturzwecke nach aber allgemein gesetzgebenden Willen gemäß zu handeln. Denn wenn man sich ihn nur als einem Gesetz (welches es auch sei) unterworfen dachte: so musste dieses irgend ein Interesse als Reiz oder Zwang bei sich führen, weil es nicht als Gesetz aus seinem Willen entsprang, sondern dieser gesetzmäßig von etwas anderem genötigt wurde, auf gewisse Weise zu handeln. Durch diese ganz notwendige Folgerung aber war alle Arbeit, einen obersten Grund der Pflicht zu finden, unwiederbringlich verloren. Denn man bekam niemals Pflicht, sondern Notwendigkeit der Handlung aus einem gewissen Interesse heraus. Dieses mochte nun ein eigenes oder fremdes Interesse sein. Aber alsdann musste der Imperativ jederzeit bedingt ausfallen und konnte zum moralischen Gebote gar nicht taugen. Ich will also diesen Grundsatz das Prinzip der Autonomie des Willens im Gegensatz mit jedem andern, das ich deshalb zur Heteronomie zähle, nennen.

If we now look back at all the efforts ever made to discover the principle of morality, it is no wonder that all of them had to fail. The human being was seen as bound by his duty to laws, but no one considered that he is subject only to his own lawgiving, which is nevertheless universal, and that he is obliged to act only in accordance with his own will, which, in keeping with nature’s end, gives universal law. For if he was thought of merely as subject to a law, whatever that law might be, then the law had to carry with it some interest as an incentive or a constraint. This was because the law did not arise from his will; instead, something else compelled his will, in conformity with a law, to act in a certain way. But this entirely necessary inference made every effort to find a supreme ground of duty irretrievably futile. For what one arrived at was never duty, but the necessity of acting from a certain interest. This interest might be one’s own or someone else’s. But then the imperative always had to be conditional and could not serve at all as a moral command. I shall therefore call this basic principle the principle of the autonomy of the will, in contrast to every other principle, which I accordingly classify as heteronomy.

Der Begriff eines jeden vernünftigen Wesens, das sich durch alle Maximen seines Willens als allgemein gesetzgebend betrachten muss, um aus diesem Gesichtspunkte sich selbst und seine Handlungen zu beurteilen, führt auf einen ihm anhängenden sehr fruchtbaren Begriff, nämlich den eines Reichs der Zwecke.

The concept of every rational being as one that must regard itself, in all the maxims of its will, as making universal law, so that it may judge itself and its actions from this point of view, leads to a very fruitful concept bound up with it: that of a realm of ends.

Ich verstehe aber unter einem Reiche die systematische Verbindung verschiedener vernünftiger Wesen durch gemeinschaftliche Gesetze. Weil nun Gesetze die Zwecke ihrer allgemeinen Gültigkeit nach bestimmen, so wird, wenn man von dem persönlichen Unterschiede vernünftiger Wesen, imgleichen allem Inhalte ihrer Privatzwecke abstrahiert, ein Ganzes aller Zwecke (sowohl der vernünftigen Wesen als Zwecke an sich, als auch der eigenen Zwecke, die ein jedes sich selbst setzen mag) in systematischer Verknüpfung, d. i. ein Reich der Zwecke, gedacht werden können, welches nach obigen Prinzipien möglich ist.

By a realm, however, I understand the systematic union of different rational beings under common laws. Since laws determine ends in terms of their universal validity, we can abstract from the personal differences between rational beings and from all the content of their private ends. We can then conceive a whole comprising all ends, systematically connected—both rational beings as ends in themselves and the individual ends that each may set for itself. This is a realm of ends, which is possible according to the principles stated above.

Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, dass jedes derselben sich selbst und alle andere niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle. Hierdurch aber entspringt eine systematische Verbindung vernünftiger Wesen durch gemeinschaftliche Objektive Gesetze, d. i. ein Reich, welches, weil diese Gesetze eben die Beziehung dieser Wesen auf einander als Zwecke und Mittel zur Absicht haben, ein Reich der Zwecke (freilich nur ein Ideal) heißen kann.

For all rational beings are subject to the law that each should treat itself and every other never merely as a means, but always at the same time as an end in itself. From this there arises a systematic union of rational beings under shared objective laws: a realm. Since these laws are aimed precisely at the relations among these beings as ends and means, this realm can be called a realm of ends—though admittedly only an ideal.

Es gehört aber ein vernünftiges Wesen als Glied zum Reiche der Zwecke, wenn es darin zwar allgemein gesetzgebend, aber auch diesen Gesetzen selbst unterworfen ist. Es gehört dazu als Oberhaupt, wenn es als gesetzgebend keinem Willen eines andern unterworfen ist.

A rational being belongs to the realm of ends as a member when, although it makes universal laws within that realm, it is also itself subject to those laws. It belongs to the realm as its head when, in making laws, it is subject to no other will.

Das vernünftige Wesen muss sich jederzeit als gesetzgebend in einem durch Freiheit des Willens möglichen Reiche der Zwecke betrachten, es mag nun sein als Glied, oder als Oberhaupt. Den Platz des letztern kann es aber nicht bloß durch die Maxime seines Willens, sondern nur alsdann, wenn es ein völlig unabhängiges Wesen ohne Bedürfnis und Einschränkung seines dem Willen adäquaten Vermögens ist, behaupten.

A rational being must always regard itself as making laws in a realm of ends made possible by freedom of the will, whether as a member or as its sovereign. But it can hold the latter position not merely through the maxim of its will, but only if it is a completely independent being, without needs and without any limitation of its capacity to carry out its will.

Moralität besteht also in der Beziehung aller Handlung auf die Gesetzgebung, dadurch allein ein Reich der Zwecke möglich ist. Diese Gesetzgebung muss aber in jedem vernünftigen Wesen selbst angetroffen werden und aus seinem Willen entspringen können, dessen Prinzip also ist: keine Handlung nach einer andern Maxime zu tun, als so, dass es auch mit ihr bestehen könne, dass sie ein allgemeines Gesetz sei, und also nur so, dass der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne. Sind nun die Maximen mit diesem Objektiven Prinzip der vernünftigen Wesen, als allgemein gesetzgebend, nicht durch ihre Natur schon notwendig einstimmig, so heißt die Notwendigkeit der Handlung nach jenem Prinzip praktische Nötigung, d. i. Pflicht. Pflicht kommt nicht dem Oberhaupte im Reiche der Zwecke, wohl aber jedem Gliede und zwar allen in gleichem Maße zu.

Morality therefore consists in relating every action to the legislation through which alone a realm of ends is possible. But this legislation must be found within every rational being and must be able to arise from its will. Its principle is therefore this: perform no action on any maxim unless it can also be consistent with that maxim’s being a universal law, and thus act only so that the will can, through its maxim, regard itself at the same time as universally legislating. Now, if maxims are not already by their nature necessarily in agreement with this objective principle of rational beings as universally legislating, then the necessity of acting according to that principle is called practical necessitation—that is, duty. Duty does not apply to the sovereign in the realm of ends, but it does apply to every member, and to all in equal measure.

Die praktische Notwendigkeit nach diesem Prinzip zu handeln, d. i. die Pflicht, beruht gar nicht auf Gefühlen, Antrieben und Neigungen, sondern bloß auf dem Verhältnisse vernünftiger Wesen zu einander, in welchem der Wille eines vernünftigen Wesens jederzeit zugleich als gesetzgebend betrachtet werden muss, weil es sie sonst nicht als Zweck an sich selbst denken könnte. Die Vernunft bezieht also jede Maxime des Willens als allgemein gesetzgebend auf jeden anderen Willen und auch auf jede Handlung gegen sich selbst und dies zwar nicht um irgend eines andern praktischen Bewegungsgrundes oder künftigen Vorteils willen, sondern aus der Idee der Würde eines vernünftigen Wesens, das keinem Gesetze gehorcht als dem, das es zugleich selbst gibt.

The practical necessity of acting on this principle—that is, duty—rests not at all on feelings, impulses, or inclinations, but solely on the relation of rational beings to one another. In this relation, the will of a rational being must always be regarded as also making law, because otherwise that being could not think of the others as ends in themselves. Reason therefore relates every maxim of the will, considered as making universal law, to every other will and also to every action toward oneself. It does so not for the sake of any other practical motive or future advantage, but

Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis, oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.

In the kingdom of ends, everything has either a price or a dignity. Something that has a price can be replaced by something else as its equivalent. By contrast, something that is above all price, and therefore admits of no equivalent, has a dignity.

Was sich auf die allgemeinen menschlichen Neigungen und Bedürfnisse bezieht, hat einen Marktpreis; das, was, auch ohne ein Bedürfnis vorauszusetzen, einem gewissen Geschmacke, d. i. einem Wohlgefallen am bloßen zwecklosen Spiel unserer Gemütskräfte, gemäß ist, einen Affektionspreis; das aber, was die Bedingung ausmacht, unter der allein etwas Zweck an sich selbst sein kann, hat nicht bloß einen relativen Wert, d. i. einen Preis, sondern einen innern Wert, d. i. Würde.

What relates to universal human inclinations and needs has a market price. What, even without presupposing any need, accords with a certain taste—that is, with pleasure in the merely purposeless play of our mental powers—has a price based on affection. But what constitutes the condition under which alone something can be an end in itself has not merely a relative value, that is, a price, but an intrinsic value, that is, dignity.

Nun ist Moralität die Bedingung, unter der allein ein vernünftiges Wesen Zweck an sich selbst sein kann, weil nur durch sie es möglich ist, ein gesetzgebend Glied im Reiche der Zwecke zu sein. Also ist Sittlichkeit und die Menschheit, so fern sie derselben fähig ist, dasjenige, was allein Würde hat. Geschicklichkeit und Fleiß im Arbeiten haben einen Marktpreis; Witz, lebhafte Einbildungskraft und Launen einen Affektionspreis; dagegen Treue im Versprechen, Wohlwollen aus Grundsätzen (nicht aus Instinkt) haben einen innern Wert. Die Natur sowohl als Kunst enthalten nichts, was sie in Ermangelung derselben an ihre Stelle setzen könnten; denn ihr Wert besteht nicht in den Wirkungen, die daraus entspringen, im Vorteil und Nutzen, den sie schaffen, sondern in den Gesinnungen, d. i. den Maximen des Willens, die sich auf diese Art in Handlungen zu offenbaren bereit sind, obgleich auch der Erfolg sie nicht begünstigte. Diese Handlungen bedürfen auch keiner Empfehlung von irgend einer subjektiven Disposition oder Geschmack, sie mit unmittelbarer Gunst und Wohlgefallen anzusehen, keines unmittelbaren Hanges oder Gefühles für dieselbe: sie stellen den Willen, der sie ausübt, als Gegenstand einer unmittelbaren Achtung dar, dazu nichts als Vernunft gefordert wird, um sie dem Willen aufzuerlegen, nicht von ihm zu erschmeicheln, welches letztere bei Pflichten ohnedem ein Widerspruch wäre. Diese Schätzung gibt also den Wert einer solchen Denkungsart als Würde zu erkennen und setzt sie über allen Preis unendlich weg, mit dem sie gar nicht in Anschlag und Vergleichung gebracht werden kann, ohne sich gleichsam an der Heiligkeit derselben zu vergreifen.

Now morality is the condition under which alone a rational being can be an end in itself, since only through morality can it be a lawmaking member of the realm of ends. Thus morality—and humanity insofar as it is capable of morality—is the only thing that has dignity. Skill and diligence in work have a market price; wit, lively imagination, and originality have a price based on taste; by contrast, faithfulness in keeping promises and benevolence based on principles rather than instinct have inner worth. Neither nature nor art contains anything that could replace them if they were absent. For their worth lies not in the effects they produce, in the advantage and benefit they create, but in the dispositions—that is, in the maxims of the will—which are ready to express themselves in actions of this kind even if success does not favor them. Nor do these actions need to be commended by any subjective disposition or taste that would make us regard them with immediate favor and pleasure, or by any immediate propensity or feeling for them. They present the will that performs them as an object of immediate respect. Nothing but reason is required to impose them on the will, not to coax them from it—which, in the case of duties, would in any event be a contradiction. This way of valuing them therefore reveals the worth of such a way of thinking as dignity and places it infinitely above every price. It cannot be weighed or compared with anything that has a price without, as it were, violating its sacredness.

Und was ist es denn nun, was die sittlich gute Gesinnung oder die Tugend berechtigt, so hohe Ansprüche zu machen? Es ist nichts Geringeres als der Anteil, den sie dem vernünftigen Wesen an der allgemeinen Gesetzgebung verschafft und es hierdurch zum Gliede in einem möglichen Reiche der Zwecke tauglich macht, wozu es durch seine eigene Natur schon bestimmt war, als Zweck an sich selbst und eben darum als gesetzgebend im Reiche der Zwecke, in Ansehung aller Naturgesetze als frei, nur denjenigen allein gehorchend, die es selbst gibt und nach welchen seine Maximen zu einer allgemeinen Gesetzgebung (der es sich zugleich selbst unterwirft) gehören können. Denn es hat nichts einen Wert als den, welchen ihm das Gesetz bestimmt. Die Gesetzgebung selbst aber, die allen Wert bestimmt, muss eben darum eine Würde, d. i. unbedingten, unvergleichbaren Wert, haben, für welchen das Wort Achtung allein den geziemenden Ausdruck der Schätzung abgibt, die ein vernünftiges Wesen über sie anzustellen hat. Autonomie ist also der Grund der Würde der menschlichen und jeder vernünftigen Natur.

What, then, entitles a morally good disposition, or virtue, to make such lofty claims? It is nothing less than the share it gives a rational being in universal legislation. In this way, it makes that being fit to be a member of a possible kingdom of ends—a role for which its own nature had already destined it: as an end in itself and, for that very reason, as a legislator in the kingdom of ends; as free with respect to all laws of nature; and as obeying only those laws that it gives itself and by which its maxims can belong to a universal legislation, to which it also subjects itself. For nothing has any value except the value that the law determines for it. But the legislation itself, which determines all value, must for that very reason have dignity—that is, unconditional and incomparable value. Only the word respect fittingly expresses the esteem that a rational being must have for it. Autonomy is therefore the ground of the dignity of human nature and of every rational nature.

Die angeführten drei Arten, das Prinzip der Sittlichkeit vorzustellen, sind aber im Grunde nur so viele Formeln eben desselben Gesetzes, deren die eine die anderen zwei von selbst in sich vereinigt. Indessen ist doch eine Verschiedenheit in ihnen, die zwar eher subjektiv als Objektiv-praktisch ist, nämlich um eine Idee der Vernunft der Anschauung (nach einer gewissen Analogie) und dadurch dem Gefühle näher zu bringen. Alle Maximen haben nämlich

The three ways given above of representing the principle of morality are fundamentally only so many formulations of the very same law, each of which by itself unites the other two within it. Yet there is still a difference among them. This difference is subjective rather than objectively practical: it serves to bring an idea of reason closer to intuition (by a certain analogy), and thereby closer to feeling. For all maxims have

1) eine Form, welche in der Allgemeinheit besteht, und da ist die Formel des sittlichen Imperativs so ausgedrückt: dass die Maximen so müssen gewählt werden, als ob sie wie allgemeine Naturgesetze gelten sollten;

1) a form, which consists in universality; here the formula of the moral imperative is expressed as follows: maxims must be chosen as if they were to hold as universal laws of nature;

2) eine Materie, nämlich einen Zweck, und da sagt die Formel, dass das vernünftige Wesen als Zweck seiner Natur nach, mithin als Zweck an sich selbst jeder Maxime zur einschränkenden Bedingung aller bloß relativen und willkürlichen Zwecke dienen müsse;

2) a matter—namely, an end—and here the formula says that the rational being, by its nature an end, and therefore an end in itself, must serve in every maxim as the limiting condition on all merely relative and arbitrary ends;

3) eine vollständige Bestimmung aller Maximen durch jene Formel, nämlich: dass alle Maximen aus eigener Gesetzgebung zu einem möglichen Reiche der Zwecke, als einem Reiche der Natur, zusammenstimmen sollen. Der Fortgang geschieht hier wie durch die Kategorien der Einheit der Form des Willens (der Allgemeinheit desselben), der Vielheit der Materie (der Objekte, d. i. der Zwecke) und der Allheit oder Totalität des Systems derselben. Man tut aber besser, wenn man in der sittlichen Beurteilung immer nach der strengen Methode verfährt und die allgemeine Formel des kategorischen Imperativs zum Grunde legt: handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann. Will man aber dem sittlichen Gesetze zugleich Eingang verschaffen: so ist sehr nützlich, ein und eben dieselbe Handlung durch benannte drei Begriffe zu führen und sie dadurch, so viel sich tun lässt, der Anschauung zu nähern.

3) a complete determination of all maxims by that formula: all maxims, through their own lawgiving, should harmonize in a possible kingdom of ends, as in a kingdom of nature. Here the progression proceeds as if through the categories: the unity of the will’s form (its universality), the plurality of its matter (its objects, that is, its ends), and the allness or totality of their system. In making moral judgments, however, it is better always to follow the strict method and to take as one’s basis the universal formula of the categorical imperative: act on the maxim that can at the same time make itself a universal law. But if one also wants to help the moral law gain acceptance, it is very useful to take one and the same action through the three concepts just named and thus, as far as possible, bring it closer to intuition.

Wir können nunmehr da endigen, von wo wir im Anfange ausgingen, nämlich dem Begriffe eines unbedingt guten Willens. Der Wille ist schlechterdings gut, der nicht böse sein, mithin dessen Maxime, wenn sie zu einem allgemeinen Gesetze gemacht wird, sich selbst niemals widerstreiten kann. Dieses Prinzip ist also auch sein oberstes Gesetz: handle jederzeit nach derjenigen Maxime, deren Allgemeinheit als Gesetzes du zugleich wollen kannst; dieses ist die einzige Bedingung, unter der ein Wille niemals mit sich selbst im Widerstreite sein kann, und ein solcher Imperativ ist kategorisch. Weil die Gültigkeit des Willens als eines allgemeinen Gesetzes für mögliche Handlungen mit der allgemeinen Verknüpfung des Daseins der Dinge nach allgemeinen Gesetzen, die das Formale der Natur überhaupt ist, Analogie hat, so kann der kategorische Imperativ auch so ausgedrückt werden: Handle nach Maximen, die sich selbst zugleich als allgemeine Naturgesetze zum Gegenstande haben können. So ist also die Formel eines schlechterdings guten Willens beschaffen.

We can now end where we began: with the concept of an unconditionally good will. A will is absolutely good if it cannot be evil, and thus if its maxim can never conflict with itself when made into a universal law. Its supreme law is therefore this principle: always act on the maxim whose universality as a law you can at the same time will. This is the only condition under which a will can never conflict with itself, and such an imperative is categorical. The validity of the will as a universal law for possible actions is analogous to the universal connection of the existence of things according to universal laws, which constitutes the formal aspect of nature in general. The categorical imperative can therefore also be expressed as follows: act on maxims that can at the same time have themselves as universal laws of nature as their object. This, then, is the formula of an absolutely good will.

Die vernünftige Natur nimmt sich dadurch vor den übrigen aus, dass sie ihr selbst einen Zweck setzt. Dieser würde die Materie eines jeden guten Willens sein. Da aber in der Idee eines ohne einschränkende Bedingung (der Erreichung dieses oder jenes Zwecks) schlechterdings guten Willens durchaus von allem zu bewirkenden Zwecke abstrahiert werden muss (als der jeden Willen nur relativ gut machen würde), so wird der Zweck hier nicht als ein zu bewirkender, sondern selbständiger Zweck, mithin nur negativ gedacht werden müssen, d. i. dem niemals zuwider gehandelt, der also niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck in jedem Wollen geschätzt werden muss. Dieser kann nun nichts anders als das Subjekt aller möglichen Zwecke selbst sein, weil dieses zugleich das Subjekt eines möglichen schlechterdings guten Willens ist; denn dieser kann ohne Widerspruch keinem andern Gegenstande nachgesetzt werden. Das Prinzip: handle in Beziehung auf ein jedes vernünftige Wesen (auf dich selbst und andere) so, dass es in deiner Maxime zugleich als Zweck an sich selbst gelte, ist demnach mit dem Grundsatze: handle nach einer Maxime, die ihre eigene allgemeine Gültigkeit für jedes vernünftige Wesen zugleich in sich enthält, im Grunde einerlei. Denn dass ich meine Maxime im Gebrauche der Mittel zu jedem Zwecke auf die Bedingung ihre Allgemeingültigkeit als eines Gesetzes für jedes Subjekt einschränken soll, sagt eben so viel, als: das Subjekt der Zwecke, d. i. das vernünftige Wesen selbst, muss niemals bloß als Mittel, sondern als oberste einschränkende Bedingung im Gebrauche aller Mittel, d. i. jederzeit zugleich als Zweck, allen Maximen der Handlungen zum Grunde gelegt werden.

Rational nature distinguishes itself from everything else by setting itself an end. This end would be the matter of every good will. But the idea of an absolutely good will, good without the limiting condition that it attain this or that end, requires us to abstract entirely from every end to be brought about, since such an end would make any will good only in relation to it. Here, then, the end must be conceived not as something to be brought about, but as an independent end, and therefore only negatively: as something that must never be acted against, and so must never be valued merely as a means, but always at the same time as an end in every act of willing. This end can be nothing other than the subject of all possible ends itself, because that subject is also the subject of a possible absolutely good will; for such a will cannot,

Nun folgt hieraus unstreitig: dass jedes vernünftige Wesen als Zweck an sich selbst sich in Ansehung aller Gesetze, denen es nur immer unterworfen sein mag, zugleich als allgemein gesetzgebend müsse ansehen können, weil eben diese Schicklichkeit seiner Maximen zur allgemeinen Gesetzgebung es als Zweck an sich selbst auszeichnet, imgleichen dass dieses seine Würde (Prärogativ) vor allen bloßen Naturwesen es mit sich bringe, seine Maximen jederzeit aus dem Gesichtspunkte seiner selbst, zugleich aber auch jedes andern vernünftigen als gesetzgebenden Wesens (die darum auch Personen heißen) nehmen zu müssen. Nun ist auf solche Weise eine Welt vernünftiger Wesen (mundus intelligibilis) als ein Reich der Zwecke möglich und zwar durch die eigene Gesetzgebung aller Personen als Glieder. Demnach muss ein jedes vernünftige Wesen so handeln, als ob es durch seine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reiche der Zwecke wäre. Das formale Prinzip dieser Maximen ist: handle so, als ob deine Maxime zugleich zum allgemeinen Gesetze (aller vernünftigen Wesen) dienen sollte. Ein Reich der Zwecke ist also nur möglich nach der Analogie mit einem Reiche der Natur, jenes aber nur nach Maximen, d. i. sich selbst auferlegten Regeln, diese nur nach Gesetzen äußerlich genötigter wirkenden Ursachen. Dem unerachtet gibt man doch auch dem Naturganzen, ob es schon als Maschine angesehen wird, dennoch, so fern es auf vernünftige Wesen als seine Zwecke Beziehung hat, aus diesem Grunde den Namen eines Reichs der Natur. Ein solches Reich der Zwecke würde nun durch Maximen, deren Regel der kategorische Imperativ allen vernünftigen Wesen vorschreibt, wirklich zu Stande kommen, wenn sie allgemein befolgt würden. Allein obgleich das vernünftige Wesen darauf nicht rechnen kann, dass, wenn es auch gleich diese Maxime selbst pünktlich befolgte, darum jedes andere eben derselben treu sein würde, imgleichen dass das Reich der Natur und die zweckmäßige Anordnung desselben mit ihm, als einem schicklichen Gliede, zu einem durch es selbst möglichen Reiche der Zwecke zusammenstimmen, d. i. seine Erwartung der Glückseligkeit begünstigen werde, so bleibt doch jenes Gesetz: handle nach Maximen eines allgemein gesetzgebenden Gliedes zu einem bloß möglichen Reiche der Zwecke, in seiner vollen Kraft, weil es kategorisch gebietend ist. Und hierin liegt eben das Paradoxon: dass bloß die Würde der Menschheit als vernünftiger Natur ohne irgend einen andern dadurch zu erreichenden Zweck oder Vorteil, mithin die Achtung für eine bloße Idee dennoch zur unnachlässlichen Vorschrift des Willens dienen sollte, und dass gerade in dieser Unabhängigkeit der Maxime von allen solchen Triebfedern die Erhabenheit derselben bestehe und die Würdigkeit eines jeden vernünftigen Subjekts, ein gesetzgebendes Glied im Reiche der Zwecke zu sein; denn sonst würde es nur als dem Naturgesetze seines Bedürfnisses unterworfen vorgestellt werden müssen. Obgleich auch das Naturreich sowohl, als das Reich der Zwecke als unter einem Oberhaupte vereinigt gedacht würde, und dadurch das letztere nicht mehr bloße Idee bliebe, sondern wahre Realität erhielte, so würde hierdurch zwar jener der Zuwachs einer starken Triebfeder, niemals aber Vermehrung ihres innern Werts zu statten kommen; denn diesem ungeachtet müsste doch selbst dieser alleinige unumschränkte Gesetzgeber immer so vorgestellt werden, wie er den Wert der vernünftigen Wesen nur nach ihrem uneigennützigen, bloß aus jener Idee ihnen selbst vorgeschriebenen Verhalten beurteilte. Das Wesen der Dinge ändert sich durch ihre äußere Verhältnisse nicht, und was, ohne an das letztere zu denken, den absoluten Wert des Menschen allein ausmacht, darnach muss er auch, von wem es auch sei, selbst vom höchsten Wesen beurteilt werden. Moralität ist also das Verhältnis der Handlungen zur Autonomie des Willens, das ist zur möglichen allgemeinen Gesetzgebung durch die Maximen desselben. Die Handlung, die mit der Autonomie des Willens zusammen bestehen kann, ist erlaubt; die nicht damit stimmt, ist unerlaubt. Der Wille, dessen Maximen notwendig mit den Gesetzen der Autonomie zusammenstimmen, ist ein heiliger, schlechterdings guter Wille. Die Abhängigkeit eines nicht schlechterdings guten Willens vom Prinzip der Autonomie (die moralische Nötigung) ist Verbindlichkeit. Diese kann also auf ein heiliges Wesen nicht gezogen werden. Die Objektive Notwendigkeit einer Handlung aus Verbindlichkeit heißt Pflicht.

It follows undeniably that every rational being, as an end in itself, must be able to regard itself as also making universal law with respect to every law to which it may be subject. For it is precisely the fitness of its maxims to make universal law that distinguishes it as an end in itself. Likewise, its dignity—its prerogative over all merely natural beings—requires it always to adopt its maxims from its own standpoint, but also from the standpoint of every other rational being that makes law; such beings are therefore also called persons. In this way, a world of rational beings (mundus intelligibilis) is possible as a realm of ends, through the lawmaking of all persons themselves as its members. Accordingly, every rational being must act as though, through its maxims, it were always a universally lawmaking member of the realm of ends. The formal principle of these maxims is: act as though your maxim were at the same time to serve as a universal law for all rational beings. A realm of ends is therefore possible only by analogy with a realm of nature. The former operates only according to maxims, that is, self-imposed rules; the latter only according to laws governing efficient causes that are externally compelled. Nevertheless, although the whole of nature is regarded as a machine, it is still called a realm of nature insofar as it is related to rational beings as its ends. Such a realm of ends would actually come about through maxims whose rule the categorical imperative prescribes for all rational beings, if those maxims were universally followed. Yet a rational being cannot count on every other rational being faithfully following the same maxim, even if it follows that maxim strictly itself. Nor can it count on the realm of nature and its purposive order harmonizing with it, as a fitting member, to form a realm of ends made possible through itself—that is, on their favoring its expectation of happiness. Even so, the law remains fully in force: act according to the maxims of a universally lawmaking member of a merely possible realm of ends. For this law commands categorically. And precisely here lies the paradox: the dignity of humanity as rational nature, without any other end or advantage to be attained through it—and hence respect for a mere idea—must nevertheless serve as an inflexible prescription for the will. The sublimity of the maxim consists precisely in its independence from all such incentives, and so does the worthiness of every rational subject to be a lawmaking member of the realm of ends. Otherwise, that subject would have to be represented merely as subject to the natural law of its needs. Even if the realm of nature and the realm of ends were both conceived as united under a supreme head, so that the latter would no longer remain a mere idea but would acquire true reality, this would indeed provide it with a powerful additional incentive, but could never increase its inner worth. For despite this, even this sole and unlimited lawgiver would still have to be represented as judging the worth of rational beings only by their disinterested conduct, prescribed to them by themselves solely from that idea. The nature of things does not change through their external relations. Whatever alone constitutes the absolute worth of a human being, without regard to those relations, must also be the standard by which that person is judged, whoever the judge may be—even the supreme being. Morality is therefore the relation of actions to the autonomy of the will, that is, to the possible making of universal law through its maxims. An action that can coexist with the autonomy of the will is permitted; one that is incompatible with it is forbidden. A will whose maxims necessarily agree with the laws of autonomy is a holy, absolutely good will. The dependence of a will that is not absolutely good on the principle of autonomy—moral necessitation—is obligation. Obligation therefore cannot apply to a holy being. The objective necessity of an action from obligation is called duty.

Man kann aus dem kurz vorhergehenden sich es jetzt leicht erklären, wie es zugehe: dass, ob wir gleich unter dem Begriffe von Pflicht uns eine Unterwürfigkeit unter dem Gesetze denken, wir uns dadurch doch zugleich eine gewisse Erhabenheit und Würde an derjenigen Person vorstellen, die alle ihre Pflichten erfüllt. Denn so fern ist zwar keine Erhabenheit an ihr, als sie dem moralischen Gesetze unterworfen ist, wohl aber so fern sie in Ansehung eben desselben zugleich gesetzgebend und nur darum ihm untergeordnet ist. Auch haben wir oben gezeigt, wie weder Furcht, noch Neigung, sondern lediglich Achtung fürs Gesetz diejenige Triebfeder sei, die der Handlung einen moralischen Wert geben kann. Unser eigener Wille, so fern er nur unter der Bedingung einer durch seine Maximen möglichen allgemeinen Gesetzgebung handeln würde, dieser uns mögliche Wille in der Idee ist der eigentliche Gegenstand der Achtung, und die Würde der Menschheit besteht eben in dieser Fähigkeit, allgemein gesetzgebend, obgleich mit dem Beding, eben dieser Gesetzgebung zugleich selbst unterworfen zu sein.

From what has just been said, we can now easily explain how it is that, although the concept of duty leads us to think of ourselves as subject to the law, we at the same time attribute a certain sublimity and dignity to the person who fulfills all their duties. For there is no sublimity in such a person insofar as they are subject to the moral law. But there is insofar as, with respect to that very law, they also give the law and are subject to it only for that reason. We have also shown above that neither fear nor inclination, but solely respect for the law, is the incentive that can give an action moral worth. Our own will, insofar as it would act only on the condition that its maxims make universal lawgiving possible—this will, which is possible for us in idea—is the proper object of respect. And the dignity of humanity consists precisely in this capacity to give universal law, though on the condition that it is itself at the same time subject to this very lawgiving.

Die Autonomie des Willens als oberstes Prinzip der Sittlichkeit

Autonomie des Willens ist die Beschaffenheit des Willens, dadurch derselbe ihm selbst (unabhängig von aller Beschaffenheit der Gegenstände des Wollens) ein Gesetz ist. Das Prinzip der Autonomie ist also: nicht anders zu wählen als so, dass die Maximen seiner Wahl in demselben Wollen zugleich als allgemeines Gesetz mit begriffen seien. Dass diese praktische Regel ein Imperativ sei, d. i. der Wille jedes vernünftigen Wesens an sie als Bedingung notwendig gebunden sei, kann durch bloße Zergliederung der in ihm vorkommenden Begriffe nicht bewiesen werden, weil es ein synthetischer Satz ist; man müsste über die Erkenntnis der Objekte und zu einer Kritik des Subjekts, d. i. der reinen praktischen Vernunft, hinausgehen, denn völlig a priori muss dieser synthetische Satz, der apodiktisch gebietet, erkannt werden können, dieses Geschäft aber gehört nicht in gegenwärtigen Abschnitt. Allein dass gedachtes Prinzip der Autonomie das alleinige Prinzip der Moral sei, lässt sich durch bloße Zergliederung der Begriffe der Sittlichkeit gar wohl dartun. Denn dadurch findet sich, dass ihr Prinzip ein kategorischer Imperativ sein müsse, dieser aber nichts mehr oder weniger als gerade diese Autonomie gebiete.

Autonomy of the Will as the Supreme Principle of Morality

Autonomy of the will is the property of the will by which it is a law to itself, independently of every property of the objects of willing. The principle of autonomy is therefore this: choose only in such a way that the maxims of one’s choice are also included as universal law in that same act of willing. Mere analysis of the concepts contained in this principle cannot prove that this practical rule is an imperative—that is, that the will of every rational being is necessarily bound by it as a condition—because this is a synthetic proposition. We would have to go beyond cognition of objects and undertake a critique of the subject, that is, of pure practical reason. For this synthetic proposition, which commands with absolute necessity, must be capable of being known wholly a priori; but that task does not belong in the present section. Yet mere analysis of the concepts of morality can indeed show that the principle of autonomy just stated is the sole principle of morality. For this analysis shows that the principle of morality must be a categorical imperative, and that this imperative commands neither more nor less than precisely this autonomy.

Die Heteronomie des Willens als der Quell aller unechten Prinzipien der Sittlichkeit

Wenn der Wille irgend worin anders, als in der Tauglichkeit seiner Maximen zu seiner eigenen allgemeinen Gesetzgebung, mithin, wenn er, indem er über sich selbst hinausgeht, in der Beschaffenheit irgend eines seiner Objekte das Gesetz sucht, das ihn bestimmen soll, so kommt jederzeit Heteronomie heraus. Der Wille gibt alsdann sich nicht selbst, sondern das Objekt durch sein Verhältnis zum Willen gibt diesem das Gesetz. Dies Verhältnis, es beruhe nun auf der Neigung, oder auf Vorstellungen der Vernunft, lässt nur hypothetische Imperativen möglich werden: ich soll etwas tun darum, weil ich etwas anderes will. Dagegen sagt der moralische, mithin kategorische Imperativ: ich soll so oder so handeln, ob ich gleich nichts anderes wollte. Z. E. jener sagt: ich soll nicht lügen, wenn ich bei Ehren bleiben will; dieser aber: ich soll nicht lügen, ob es mir gleich nicht die mindeste Schande zuzöge. Der letztere muss also von allem Gegenstande so fern abstrahieren, dass dieser gar keinen Einfluss auf den Willen habe, damit praktische Vernunft (Wille) nicht fremdes Interesse bloß administriere, sondern bloß ihr eigenes gebietendes Ansehen als oberste Gesetzgebung beweise. So soll ich z. B. fremde Glückseligkeit zu befördern suchen, nicht als wenn mir an deren Existenz was gelegen wäre (es sei durch unmittelbare Neigung, oder irgend ein Wohlgefallen indirekt durch Vernunft), sondern bloß deswegen, weil die Maxime, die sie ausschließt, nicht in einem und demselben Wollen, als allgemeinen Gesetz, begriffen werden kann.

Heteronomy of the Will as the Source of All Spurious Principles of Morality

If the will seeks the law that is to determine it anywhere other than in the fitness of its maxims for its own universal lawmaking—if, therefore, it goes beyond itself and seeks that law in the character of any of its objects—the result is always heteronomy. The will then does not give itself the law. Instead, the object gives the law to the will through its relation to it. Whether this relation rests on inclination or on representations of reason, it makes only hypothetical imperatives possible: I ought to do something because I want something else. By contrast, the moral, and therefore categorical, imperative says: I ought to act in this or that way even if I wanted nothing else. For example, the former says: I ought not to lie if I want to preserve my honor; but the latter says: I ought not to lie even if lying would not bring me the slightest disgrace. The latter must therefore abstract so completely from every object that no object has any influence at all on the will. Practical reason—the will—must not merely manage an interest alien to it, but must demonstrate only its own commanding authority as supreme lawmaker. Thus, for example, I ought to try to promote the happiness of others, not because its existence matters to me—whether through immediate inclination or through some satisfaction mediated indirectly by reason—but solely because a maxim that excludes it cannot be included, as a universal law, in one and the same act of willing.

Einteilung aller möglichen Prinzipien der Sittlichkeit aus dem angenommenen Grundbegriffe der Heteronomie

Die menschliche Vernunft hat hier, wie allerwärts in ihrem reinen Gebrauche, so lange es ihr an Kritik fehlt, vorher alle mögliche unrechte Wege versucht, ehe es ihr gelingt, den einzigen wahren zu treffen.

Classification of All Possible Principles of Morality Based on the Assumed Fundamental Concept of Heteronomy

Here, as everywhere in its pure use, human reason, as long as it lacks critique, tries every possible wrong path before it succeeds in finding the only true one.

Alle Prinzipien, die man aus diesem Gesichtspunkte nehmen mag, sind entweder empirisch oder rational. Die ersteren, aus dem Prinzip der Glückseligkeit, sind aufs physische oder moralische Gefühl, die zweiten, aus dem Prinzip der Vollkommenheit, entweder auf den Vernunftbegriff derselben als möglicher Wirkung, oder auf den Begriff einer selbständigen Vollkommenheit (den Willen Gottes) als bestimmende Ursache unseres Willens gebaut.

All principles that may be adopted from this point of view are either empirical or rational. The empirical principles derive from the principle of happiness and are based on physical or moral feeling. The rational principles derive from the principle of perfection and are based either on reason’s concept of perfection as a possible effect or on the concept of an independently existing perfection—the will of God—as the determining cause of our will.

Empirische Prinzipien taugen überall nicht dazu, um moralische Gesetze darauf zu gründen. Denn die Allgemeinheit, mit der sie für alle vernünftige Wesen ohne Unterschied gelten sollen, die unbedingte praktische Notwendigkeit, die ihnen dadurch auferlegt wird, fällt weg, wenn der Grund derselben von der besonderen Einrichtung der menschlichen Natur, oder den zufälligen Umständen hergenommen wird, darin sie gesetzt ist. Doch ist das Prinzip der eigenen Glückseligkeit am meisten verwerflich, nicht bloß deswegen weil es falsch ist, und die Erfahrung dem Vorgeben, als ob das Wohlbefinden sich jederzeit nach dem Wohlverhalten richte, widerspricht, auch nicht bloß weil es gar nichts zur Gründung der Sittlichkeit beiträgt, indem es ganz was anderes ist, einen glücklichen, als einen guten Menschen, und diesen klug und auf seinen Vorteil abgewitzt, als ihn tugendhaft zu machen: sondern weil es der Sittlichkeit Triebfedern unterlegt, die sie eher untergraben und ihre ganze Erhabenheit zernichten, indem sie die Bewegursachen zur Tugend mit denen zum Laster in eine Klasse stellen und nur den Calcul besser ziehen lehren, den spezifischen Unterschied beider aber ganz und gar auslöschen; dagegen das moralische Gefühl, dieser vermeintliche besondere Sinn, (so leicht auch die Berufung auf selbigen ist, indem diejenigen, die nicht denken können, selbst in dem, was bloß auf allgemeine Gesetze ankommt, sich durchs Fühlen auszuhelfen glauben, so wenig auch Gefühle, die dem Grade nach von Natur unendlich von einander unterschieden sind, einen gleichen Maßstab des Guten und Bösen abgeben, auch einer durch sein Gefühl für andere gar nicht gültig urteilen kann) dennoch der Sittlichkeit und ihrer Würde dadurch näher bleibt, dass er der Tugend die Ehre beweist, das Wohlgefallen und die Hochschätzung für sie ihr unmittelbar zuzuschreiben, und ihr nicht gleichsam ins Gesicht sagt, dass es nicht ihre Schönheit, sondern nur der Vorteil sei, der uns an sie knüpfe.

Empirical principles are entirely unfit to serve as the basis of moral laws. For if their basis is drawn from the particular constitution of human nature or from the contingent circumstances in which human beings are placed, then the universality with which these laws are supposed to hold for all rational beings without distinction—and thus the unconditional practical necessity imposed on them—disappears. Yet the principle of one’s own happiness is the most objectionable of all. This is not merely because it is false and experience contradicts the claim that well-being always corresponds to good conduct. Nor is it merely because it contributes nothing at all to the foundation of morality, since making a person happy is entirely different from making that person good, and making someone prudent and shrewd in pursuing personal advantage is entirely different from making that person virtuous. Rather, it is because this principle supplies morality with incentives that tend instead to undermine it and destroy all its sublimity: it places the motives for virtue in the same class as those for vice, and teaches only how to calculate more effectively, while completely erasing the specific difference between the two. Moral feeling, by contrast—this supposed special sense—nevertheless remains closer to morality and its dignity. Admittedly, appealing to it is easy, since those who cannot think believe that feeling can help them out even in matters that depend solely on universal laws. Yet feelings naturally differ infinitely in degree and can therefore provide no common standard of good and evil; nor can anyone make judgments valid for others on the basis of personal feeling. Still, moral feeling honors virtue by crediting virtue itself directly with the pleasure and high esteem we have for it, rather than, as it were, telling virtue to its face that what binds us to it is not its beauty but only our advantage.

Unter den rationalen oder Vernunftgründen der Sittlichkeit ist doch der ontologische Begriff der Vollkommenheit (so leer, so unbestimmt, mithin unbrauchbar er auch ist, um in dem unermesslichen Felde möglicher Realität die für uns schickliche größte Summe auszufinden; so sehr er auch, um die Realität, von der hier die Rede ist, spezifisch von jeder anderen zu unterscheiden, einen unvermeidlichen Hang hat, sich im Zirkel zu drehen, und die Sittlichkeit, die er erklären soll, insgeheim vorauszusetzen, nicht vermeiden kann) dennoch besser als der theologische Begriff, sie von einem göttlichen, allervollkommensten Willen abzuleiten, nicht bloß deswegen weil wir seine Vollkommenheit doch nicht anschauen, sondern sie von unseren Begriffen, unter denen der der Sittlichkeit der vornehmste ist, allein ableiten können, sondern weil, wenn wir dieses nicht tun (wie es denn, wenn es geschähe, ein grober Zirkel im Erklären sein würde), der uns noch übrige Begriff seines Willens aus den Eigenschaften der Ehr- und Herrschbegierde, mit den furchtbaren Vorstellungen der Macht und des Racheifers verbunden, zu einem System der Sitten, welches der Moralität gerade entgegen gesetzt wäre, die Grundlage machen müsste.

Among the rational, or reason-based, grounds of morality, the ontological concept of perfection is still better than the theological concept, which derives morality from a divine and supremely perfect will. This remains true even though the ontological concept is so empty and indeterminate, and therefore so useless for identifying, within the immeasurable field of possible reality, the greatest total that is fitting for us; even though, in order to distinguish specifically the reality at issue here from every other kind, it has an unavoidable tendency to argue in a circle and cannot help secretly presupposing the morality it is meant to explain. The ontological concept is better not merely because we cannot directly perceive the perfection of the divine will but can derive it only from our own concepts, foremost among them the concept of morality. It is also better because, if we do not derive it in this way—as doing so would indeed be a blatant circle in the explanation—the only concept of the divine will left to us would be one drawn from the traits of craving for honor and domination, combined with terrifying ideas of power and vengefulness; and this concept would have to provide the foundation for a system of morals directly opposed to morality.

Wenn ich aber zwischen dem Begriff des moralischen Sinnes und dem der Vollkommenheit überhaupt (die beide der Sittlichkeit wenigstens nicht Abbruch tun, ob sie gleich dazu gar nichts taugen, sie als Grundlagen zu unterstützen) wählen müsste: so würde ich mich für den letzteren bestimmen, weil er, da er wenigstens die Entscheidung der Frage von der Sinnlichkeit ab und an den Gerichtshof der reinen Vernunft zieht, ob er gleich auch hier nichts entscheidet, dennoch die unbestimmte Idee (eines an sich guten Willens) zur nähern Bestimmung unverfälscht aufbehält.

But if I had to choose between the concept of a moral sense and that of perfection in general—both of which at least do no harm to morality, even though they are entirely unfit to serve as its foundations—I would choose the latter. For although it decides nothing, it at least removes the question from the domain of sensibility and brings it before the tribunal of pure reason, while preserving intact the still indeterminate idea of a good will in itself for more precise determination.

Übrigens glaube ich einer weitläufigen Widerlegung aller dieser Lehrbegriffe überhoben sein zu können. Sie ist so leicht, sie ist von denen selbst, deren Amt es erfordert, sich doch für eine dieser Theorien zu erklären (weil Zuhörer den Aufschub des Urteils nicht wohl leiden mögen), selbst vermutlich so wohl eingesehen, dass dadurch nur überflüssige Arbeit geschehen würde. Was uns aber hier mehr interessiert, ist, zu wissen: dass diese Prinzipien überall nichts als Heteronomie des Willens zum ersten Grunde der Sittlichkeit aufstellen und eben darum notwendig ihres Zwecks verfehlen müssen.

Besides, I believe I can spare myself a lengthy refutation of all these doctrines. Such a refutation is so easy, and is probably so well understood even by those whose profession requires them nonetheless to endorse one of these theories—because audiences are not inclined to tolerate any suspension of judgment—that it would be merely wasted effort. What concerns us more here is to recognize that all these principles make nothing but heteronomy of the will the primary ground of morality, and for that very reason must necessarily fail to achieve their aim.

Allenthalben, wo ein Objekt des Willens zum Grunde gelegt werden muss, um diesem die Regel vorzuschreiben, die ihn bestimme, da ist die Regel nichts als Heteronomie; der Imperativ ist bedingt, nämlich: wenn oder weil man dieses Objekt will, soll man so oder so handeln; mithin kann er niemals moralisch, d. i. kategorisch, gebieten. Es mag nun das Objekt vermittelst der Neigung, wie beim Prinzip der eigenen Glückseligkeit, oder vermittelst der auf Gegenstände unseres möglichen Wollens überhaupt gerichteten Vernunft, im Prinzip der Vollkommenheit, den Willen bestimmen, so bestimmt sich der Wille niemals unmittelbar selbst durch die Vorstellung der Handlung, sondern nur durch die Triebfeder, welche die vorausgesehene Wirkung der Handlung auf den Willen hat; ich soll etwas tun, darum weil ich etwas anderes will, und hier muss noch ein anderes Gesetz in meinem Subjekt zum Grunde gelegt werden, nach welchem ich dieses Andere notwendig will, welches Gesetz wiederum eines Imperativs bedarf, der diese Maxime einschränke. Denn weil der Antrieb, den die Vorstellung eines durch unsere Kräfte möglichen Objekts nach der Naturbeschaffenheit des Subjekts auf seinen Willen ausüben soll, zur Natur des Subjekts gehört, es sei der Sinnlichkeit (der Neigung und des Geschmacks) oder des Verstandes und der Vernunft, die nach der besonderen Einrichtung ihrer Natur an einem Objekte sich mit Wohlgefallen üben, so gäbe eigentlich die Natur das Gesetz, welches als ein solches nicht allein durch Erfahrung erkannt und bewiesen werden muss, mithin an sich zufällig ist und zur apodiktischen praktischen Regel, dergleichen die moralische sein muss, dadurch untauglich wird, sondern es ist immer nur Heteronomie des Willens, der Wille gibt sich nicht selbst, sondern ein fremder Antrieb gibt ihm vermittelst einer auf die Empfänglichkeit desselben gestimmten Natur des Subjekts das Gesetz.

Wherever an object of the will must be made the basis for prescribing the rule that is to determine the will, the rule is nothing but heteronomy. The imperative is conditional: if or because one wills this object, one ought to act in this or that way. It can therefore never command morally—that is, categorically. Whether the object determines the will through inclination, as in the principle of one’s own happiness, or through reason directed toward objects of our possible willing in general, as in the principle of perfection, the will never determines itself directly through the representation of the action. It is determined only through the incentive that the action’s anticipated effect exerts on the will. I ought to do something because I will something else; and here a further law must be made the basis within me, according to which I necessarily will this other thing. This law, in turn, requires an imperative to restrict this maxim. For the influence that the representation of an object attainable through our powers is supposed to exert on the will, in accordance with the subject’s natural constitution, belongs to the subject’s nature. This applies whether that nature is sensibility—in inclination and taste—or understanding and reason, which, in accordance with their particular natural constitution, take pleasure in exercising themselves upon an object. Thus it would really be nature that gave the law. As a law of this kind, it would have to be recognized and established through experience; consequently, it would in itself be contingent and would therefore be unfit to serve as the apodictic practical rule that a moral rule must be. Rather, this is always only heteronomy of the will: the will does not give itself the law; instead, an external incentive gives it the law through the subject’s nature, which is attuned to the will’s receptivity.

Der schlechterdings gute Wolle, dessen Prinzip ein kategorischer Imperativ sein muss, wird also, in Ansehung aller Objekte unbestimmt, bloß die Form des Wollens überhaupt enthalten und zwar als Autonomie, d. i. die Tauglichkeit der Maxime eines jeden guten Willens, sich selbst zum allgemeinen Gesetze zu machen, ist selbst das alleinige Gesetz, das sich der Wille eines jeden vernünftigen Wesens selbst auferlegt, ohne irgend eine Triebfeder und Interesse derselben als Grund unterzulegen.

The absolutely good will, whose principle must be a categorical imperative, is therefore undetermined with respect to all objects and will contain only the form of willing as such, namely autonomy. That is, the capacity of the maxim of every good will to make itself a universal law is itself the sole law that the will of every rational being imposes on itself, without grounding it in any incentive or interest.

Wie ein solcher synthetischer praktischer Satz a priori möglich und warum er notwendig sei, ist eine Aufgabe, deren Auflösung nicht mehr binnen den Grenzen der Metaphysik der Sitten liegt, auch haben wir seine Wahrheit hier nicht behauptet, viel weniger vorgegeben, einen Beweis derselben in unserer Gewalt zu haben. Wir zeigten nur durch Entwickelung des einmal allgemein im Schwange gehenden Begriffs der Sittlichkeit; dass eine Autonomie des Willens demselben unvermeidlicher Weise anhänge, oder vielmehr zum Grunde liege. Wer also Sittlichkeit für Etwas und nicht für eine schimärische Idee ohne Wahrheit hält, muss das angeführte Prinzip derselben zugleich einräumen. Dieser Abschnitt war also eben so, wie der erste bloß analytisch. Dass nun Sittlichkeit kein Hirngespinst sei, welches alsdann folgt, wenn der kategorische Imperativ und mit ihm die Autonomie des Willens wahr und als ein Prinzip a priori schlechterdings notwendig ist, erfordert einen möglichen synthetischen Gebrauch der reinen praktischen Vernunft, den wir aber nicht wagen dürfen, ohne eine Kritik dieses Vernunftvermögens selbst voranzuschicken, von welcher wir in dem letzten Abschnitte die zu unserer Absicht hinlängliche Hauptzüge darzustellen haben.

How such a synthetic practical proposition is possible a priori, and why it is necessary, is a problem whose solution no longer lies within the bounds of the metaphysics of morals. Nor have we asserted its truth here, much less claimed that we have a proof of it at our disposal. We showed only, by fully developing the generally current concept of morality, that autonomy of the will is unavoidably connected with that concept—or rather, that it underlies it. Anyone who therefore holds morality to be something real, and not a chimerical idea with no truth, must also accept the stated principle of morality. This section, then, like the first, was purely analytical. But showing that morality is not a mere figment—which follows if the categorical imperative, and with it autonomy of the will, is true and absolutely necessary as an a priori principle—requires a possible synthetic use of pure practical reason. We cannot venture on such a use without first providing a critique of this faculty of reason itself. In the final section, we must set out the main outlines of that critique to the extent required for our purpose.

Section III — From the metaphysics of morals to a critique of pure practical reason

Übergang von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen praktischen Vernunft

Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens

Der Wille ist eine Art von Kausalität lebender Wesen, so fern sie vernünftig sind, und Freiheit würde diejenige Eigenschaft dieser Kausalität sein, da sie unabhängig von fremden sie bestimmenden Ursachen wirkend sein kann: so wie Naturnotwendigkeit die Eigenschaft der Kausalität aller vernunftlosen Wesen, durch den Einfluss fremder Ursachen zur Tätigkeit bestimmt zu werden.

Transition from the Metaphysics of Morals to the Critique of Pure Practical Reason

The Concept of Freedom Is the Key to Explaining the Autonomy of the Will

The will is a kind of causality belonging to living beings insofar as they are rational. Freedom would be the property of this causality that enables it to operate independently of external causes determining it, just as natural necessity is the property of the causality of all nonrational beings by which the influence of external causes determines them to act.

Die angeführte Erklärung der Freiheit ist negativ und daher, um ihr Wesen einzusehen, unfruchtbar; allein es fließt aus ihr ein positiver Begriff derselben, der desto reichhaltiger und fruchtbarer ist. Da der Begriff einer Kausalität den von Gesetzen bei sich führt, nach welchen durch etwas, was wir Ursache nennen, etwas anderes, nämlich die Folge, gesetzt werden muss: so ist die Freiheit, ob sie zwar nicht eine Eigenschaft des Willens nach Naturgesetzen ist, darum doch nicht gar gesetzlos, sondern muss vielmehr eine Kausalität nach unwandelbaren Gesetzen, aber von besonderer Art sein; denn sonst wäre ein freier Wille ein Unding. Die Naturnotwendigkeit war eine Heteronomie der wirkenden Ursachen; denn jede Wirkung war nur nach dem Gesetze möglich, dass etwas anderes die wirkende Ursache zur Kausalität bestimmte; was kann denn wohl die Freiheit des Willens sonst sein als Autonomie, d. i. die Eigenschaft des Willens, sich selbst ein Gesetz zu sein? Der Satz aber: der Wille ist in allen Handlungen sich selbst ein Gesetz, bezeichnet nur das Prinzip, nach keiner anderen Maxime zu handeln, als die sich selbst auch als ein allgemeines Gesetz zum Gegenstande haben kann. Dies ist aber gerade die Formel des kategorischen Imperativs und das Prinzip der Sittlichkeit: also ist ein freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen einerlei.

The definition of freedom given above is negative and therefore unfruitful for grasping its essence. Yet from it follows a positive concept of freedom that is all the richer and more fruitful. The concept of causality carries with it the concept of laws, according to which something we call a cause must bring about something else, namely its effect. Thus, although freedom is not a property of the will governed by laws of nature, it is not therefore entirely lawless. Rather, it must be a causality governed by immutable laws, though of a special kind; otherwise a free will would be an impossibility. Natural necessity was a heteronomy of efficient causes, since every effect was possible only under the law that something else determined the efficient cause to exercise its causality. What, then, can freedom of the will be other than autonomy—that is, the property of the will by which it is a law to itself? But the proposition that the will is a law to itself in all its actions expresses only the principle of acting on no maxim except one that can also take itself, as a universal law, as its object. This, however, is precisely the formula of the categorical imperative and the principle of morality. Thus, a free will and a will under moral laws are one and the same.

Wenn also Freiheit des Willens vorausgesetzt wird, so folgt die Sittlichkeit samt ihrem Prinzip daraus durch bloße Zergliederung ihres Begriffs. Indessen ist das letztere doch immer ein synthetischer Satz: ein schlechterdings guter Wille ist derjenige, dessen Maxime jederzeit sich selbst, als allgemeines Gesetz betrachtet, in sich enthalten kann, denn durch Zergliederung des Begriffs von einem schlechthin guten Willen kann jene Eigenschaft der Maxime nicht gefunden werden. Solche synthetische Sätze sind aber nur dadurch möglich, dass beide Erkenntnisse durch die Verknüpfung mit einem dritten, darin sie beiderseits anzutreffen sind, unter einander verbunden werden. Der positive Begriff der Freiheit schafft dieses dritte, welches nicht wie bei den physischen Ursachen die Natur der Sinnenwelt sein kann (in deren Begriff die Begriffe von etwas als Ursache in Verhältnis auf etwas anderes als Wirkung zusammenkommen). Was dieses dritte sei, worauf uns die Freiheit weiset, und von dem wir a priori eine Idee haben, lässt sich hier sofort noch nicht anzeigen und die Deduktion des Begriffs der Freiheit aus der reinen praktischen Vernunft, mit ihr auch die Möglichkeit eines kategorischen Imperativs begreiflich machen, sondern bedarf noch einiger Vorbereitung.

If freedom of the will is presupposed, then morality, together with its principle, follows from it merely by analyzing its concept. Nevertheless, this principle is still a synthetic proposition: an absolutely good will is one whose maxim can always contain itself within itself when considered as a universal law. For this property of the maxim cannot be discovered by analyzing the concept of an absolutely good will. Such synthetic propositions are possible only because the two cognitions are connected with each other through their link to a third, in which both are to be found. The positive concept of freedom supplies this third element. Unlike in the case of physical causes, it cannot be the nature of the sensible world, whose concept brings together the concepts of something as a cause in relation to something else as its effect. We cannot yet say straightaway what this third element is, toward which freedom points us and of which we have an a priori idea, and thus make intelligible the derivation of the concept of freedom from pure practical reason and, with it, the possibility of a categorical imperative. This still requires some preparation.

Freiheit muss als Eigenschaft des Willens aller vernünftigen Wesen vorausgesetzt werden

Es ist nicht genug, dass wir unserem Willen, es sei aus welchem Grunde, Freiheit zuschreiben, wenn wir nicht eben dieselbe auch allen vernünftigen Wesen beizulegen hinreichenden Grund haben. Denn da Sittlichkeit für uns bloß als für vernünftige Wesen zum Gesetze dient, so muss sie auch für alle vernünftige Wesen gelten, und da sie lediglich aus der Eigenschaft der Freiheit abgeleitet werden muss, so muss auch Freiheit als Eigenschaft des Willens aller vernünftigen Wesen bewiesen werden, und es ist nicht genug, sie aus gewissen vermeintlichen Erfahrungen von der menschlichen Natur darzutun (wiewohl dieses auch schlechterdings unmöglich ist und lediglich a priori dargetan werden kann), sondern man muss sie als zur Tätigkeit vernünftiger und mit einem Willen begabter Wesen überhaupt gehörig beweisen. Ich sage nun: Ein jedes Wesen, das nicht anders als unter der Idee der Freiheit handeln kann, ist eben darum in praktischer Rücksicht wirklich frei, d. i. es gelten für dasselbe alle Gesetze, die mit der Freiheit unzertrennlich verbunden sind, eben so als ob sein Wille auch an sich selbst und in der theoretischen Philosophie gültig für frei erklärt würde. Nun behaupte ich: dass wir jedem vernünftigen Wesen, das einen Willen hat, notwendig auch die Idee der Freiheit leihen müssen, unter der es allein handle. Denn in einem solchen Wesen denken wir uns eine Vernunft, die praktisch ist, d. i. Kausalität in Ansehung ihrer Objekte hat. Nun kann man sich unmöglich eine Vernunft denken, die mit ihrem eigenen Bewusstsein in Ansehung ihrer Urteile anderwärts her eine Lenkung empfinge, denn alsdann würde das Subjekt nicht seiner Vernunft, sondern einem Antriebe die Bestimmung der Urteilskraft zuschreiben. Sie muss sich selbst als Urheberin ihrer Prinzipien ansehen unabhängig von fremden Einflüssen, folglich muss sie als praktische Vernunft, oder als Wille eines vernünftigen Wesens von ihr selbst als frei angesehen werden; d. i. der Wille desselben kann nur unter der Idee der Freiheit zuletzt zurückgeführt; diese aber konnten wir praktischer Absicht allen vernünftigen Wesen beigelegt werden.

Freedom Must Be Presupposed as a Property of the Will of All Rational Beings

It is not enough for us to attribute freedom to our own will, whatever our grounds may be, unless we also have sufficient reason to attribute the very same freedom to all rational beings. For morality serves as a law for us only insofar as we are rational beings; it must therefore hold for all rational beings. And since morality must be derived solely from the property of freedom, freedom must also be established as a property of the will of all rational beings. It is not enough to establish it from certain supposed experiences of human nature—though this is absolutely impossible in any case, since it can be established only a priori. Instead, freedom must be established as belonging to the agency of rational beings endowed with a will as such. I now say: any being that can act only under the idea of freedom is, for that very reason, actually free in practical terms. That is, all laws inseparably connected with freedom apply to that being just as if its will had also been validly declared free in itself and in theoretical philosophy. I now maintain that we must necessarily ascribe to every rational being that has a will the idea of freedom, under which alone it acts. For in such a being we conceive a reason that is practical, that is, that has causal power with respect to its objects. But it is impossible to conceive of a reason that, in judging, consciously receives direction from elsewhere. For then the subject would attribute the determination of its power of judgment not to its reason but to an impulse. Reason must regard itself as the author of its principles, independently of external influences. Consequently, as practical reason, or as the will of a rational being, it must regard itself as free; that is, the will of such a being can ultimately be traced back only under the idea of freedom, and for practical purposes we could attribute this freedom to all rational beings.

Von dem Interesse, welches den Ideen der Sittlichkeit anhängt

Wir haben den bestimmten Begriff der Sittlichkeit auf die Idee der Freiheit zuletzt zurückgeführt; diese aber konnten wir als etwas Wirkliches nicht einmal in uns selbst und in der menschlichen Natur beweisen; wir sahen nur, dass wir sie voraussetzen müssen, wenn wir uns ein Wesen als vernünftig und mit Bewusstsein seiner Kausalität in Ansehung der Handlungen, d. i. mit einem Willen, begabt uns denken wollen, und so finden wir, dass wir aus eben demselben Grunde jedem mit Vernunft und Willen begabten Wesen diese Eigenschaft, sich unter der Idee seiner Freiheit zum Handeln zu bestimmen, beilegen müssen.

On the Interest Attached to the Ideas of Morality

We ultimately traced the determinate concept of morality back to the idea of freedom. But we could not prove that freedom is something real, even in ourselves and in human nature. We saw only that we must presuppose it if we are to think of ourselves as rational beings conscious of our causality with respect to actions—that is, as beings endowed with a will. We therefore find that, for precisely the same reason, we must attribute to every being endowed with reason and will the capacity to determine itself to act under the idea of its freedom.

Es floss aber aus der Voraussetzung dieser Ideen auch das Bewusstsein eines Gesetzes zu handeln: dass die subjektiven Grundsätze der Handlungen, d. i. Maximen, jederzeit so genommen werden müssen, dass sie auch objektiv, d. i. allgemein als Grundsätze, gelten, mithin zu unserer eigenen allgemeinen Gesetzgebung dienen können. Warum aber soll ich mich denn diesem Prinzip unterwerfen und zwar als vernünftiges Wesen überhaupt, mithin auch dadurch alle andere mit Vernunft begabte Wesen? Ich will einräumen, dass mich hiezu kein Interesse treibt, denn das würde keinen kategorischen Imperativ geben; aber ich muss doch hieran notwendig ein Interesse nehmen und einsehen, wie das zugeht; denn dieses Sollen ist eigentlich ein Wollen, das unter der Bedingung für jedes vernünftige Wesen gilt, wenn die Vernunft bei ihm ohne Hindernisse praktisch wäre; für Wesen, die wie wir noch durch Sinnlichkeit als Triebfedern anderer Art affiziert werden, bei denen es nicht immer geschieht, was die Vernunft für sich allein tun würde, heißt jene Notwendigkeit der Handlung nur ein Sollen, und die subjektive Notwendigkeit wird von der objektiven unterschieden.

Yet the assumption of these ideas also gave rise to the consciousness of a law for action: the subjective principles of actions—that is, maxims—must always be adopted in such a way that they can also hold objectively, that is, universally as principles, and can therefore serve for our own universal legislation. But why should I submit to this principle as a rational being in general, and why, therefore, should every other being endowed with reason do so as well? I will grant that no interest impels me to do this, since that would not yield a categorical imperative. Nevertheless, I must necessarily take an interest in it and understand how this comes about. For this “ought” is really a willing that holds for every rational being on condition that reason were practical in it without hindrance. But beings like us are also affected by sensibility, which supplies incentives of a different kind, and so we do not always do what reason would do by itself. For such beings, that necessity of action is called only an “ought,” and subjective necessity is distinguished from objective necessity.

Es scheint also, als setzten wir in der Idee der Freiheit eigentlich das moralische Gesetz, nämlich das Prinzip der Autonomie des Willens selbst, nur voraus und könnten seine Realität und objektive Notwendigkeit nicht für sich beweisen, und da hätten wir zwar noch immer etwas ganz Beträchtliches dadurch gewonnen, dass wir wenigstens das ächte Prinzip genauer, als wohl sonst geschehen, bestimmt hätten, in Ansehung seiner Gültigkeit aber und der praktischen Notwendigkeit, sich ihm zu unterwerfen, wären wir um nichts weiter gekommen; denn wir könnten dem, der uns fragte, warum denn die Allgemeingültigkeit unserer Maxime, als eines Gesetzes, die einschränkende Bedingung unserer Handlungen sein müsse, und worauf wir den Werth gründen, den wir dieser Art zu handeln beilegen, der so groß sein soll, dass es überall kein höheres Interesse geben kann, und wie es zugehe, dass der Mensch dadurch allein seinen persönlichen Werth zu fühlen glaubt, gegen den der eines angenehmen oder unangenehmen Zustandes für nichts zu halten sei, keine genugtuende Antwort geben.

It therefore seems that, in the idea of freedom, we are really only presupposing the moral law itself—namely, the principle of the autonomy of the will—and that we cannot prove its reality and objective necessity independently. We would still have gained something quite substantial: at least we would have identified the genuine principle more precisely than has otherwise perhaps been done. But as regards its validity and the practical necessity of submitting to it, we would have made no progress at all. For we could give no satisfactory answer to someone who asked us why the universal validity of our maxim as a law must be the limiting condition of our actions; on what we base the value we assign to acting in this way—a value supposedly so great that there can be no higher interest at all; and how it comes about that only through this does a human being believe that he feels his personal value, compared with which the value of a pleasant or unpleasant state is to count for nothing.

Zwar finden wir wohl, dass wir an einer persönlichen Beschaffenheit ein Interesse nehmen können, die gar kein Interesse des Zustandes bei sich führt, wenn jene uns nur fähig macht, des letzteren teilhaftig zu werden, im Falle die Vernunft die Austeilung desselben bewirken sollte, d. i. dass die bloße Würdigkeit, glücklich zu sein, auch ohne den Bewegungsgrund, dieser Glückseligkeit teilhaftig zu werden, für sich interessieren könne: aber dieses Urteil ist in der Tat nur die Wirkung von der schon vorausgesetzten Wichtigkeit moralischer Gesetze (wenn wir uns durch die Idee der Freiheit von allem empirischen Interesse trennen); aber dass wir uns von diesem trennen, d. i. uns als frei im Handeln betrachten und so uns dennoch für gewissen Gesetzen unterworfen halten sollen, um einen Werth bloß in unserer Person zu finden, der uns allen Verlust dessen, was unserem Zustande einen Werth verschafft, vergüten könne, und wie dieses möglich sei, mithin woher das moralische Gesetz verbindet, können wir auf solche Art noch nicht einsehen.

We do indeed find that we can take an interest in a personal quality that brings with it no interest at all in our condition, provided only that this quality makes us capable of sharing in that condition if reason were to bring about its distribution. In other words, mere worthiness to be happy can interest us for its own sake, even without the motive of obtaining this happiness. But this judgment is in fact only an effect of the importance already ascribed to moral laws, when the idea of freedom separates us from every empirical interest. Yet in this way we still cannot understand why we should separate ourselves from such interest—that is, regard ourselves as free in acting—while nevertheless considering ourselves subject to certain laws, so as to find a value solely in our person that could compensate us for every loss of what gives value to our condition; nor can we understand how this is possible, and therefore where the moral law gets its binding force.

Es zeigt sich hier, man muss es frei gestehen, eine Art von Zirkel, aus dem, wie es scheint, nicht heraus zu kommen ist. Wir nehmen uns in der Ordnung der wirkenden Ursachen als frei an, um uns in der Ordnung der Zwecke unter sittlichen Gesetzen zu denken, und wir denken uns nachher als diesen Gesetzen unterworfen, weil wir uns die Freiheit des Willens beigelegt haben; denn Freiheit und eigene Gesetzgebung des Willens sind beides Autonomie, mithin Wechselbegriffe, davon aber einer eben um deswillen nicht dazu gebraucht werden kann, um den anderen zu erklären und von ihm Grund anzugeben, sondern höchstens nur, um in logischer Absicht verschieden scheinende Vorstellungen von eben demselben Gegenstande auf einen einzigen Begriff (wie verschiedne Brüche gleiches Inhalts auf die kleinsten Ausdrücke) zu bringen.

Here, we must frankly admit, a kind of circle appears, and there seems to be no way out of it. We take ourselves to be free in the order of causes that produce effects, so that we can think of ourselves, in the order of ends, as subject to moral laws. We then think of ourselves as subject to these laws because we have attributed freedom to the will. For freedom and the will’s giving law to itself are both autonomy and are therefore reciprocal concepts. Precisely for that reason, however, one cannot be used to explain the other or to provide its basis. At most, for logical purposes, they can bring apparently different representations of the very same object under a single concept, as when equivalent fractions are reduced to their lowest terms.

Eine Auskunft bleibt uns aber noch übrig, nämlich zu suchen: ob wir, wenn wir uns durch Freiheit als a priori wirkende Ursachen denken, nicht einen anderen Standpunkt einnehmen, als wenn wir uns selbst nach unseren Handlungen als Wirkungen, die wir vor unseren Augen sehen, uns vorstellen.

One line of inquiry, however, still remains: whether, when we think of ourselves through freedom as causes operating a priori, we take up a different standpoint than when we represent ourselves in terms of our actions as effects that we see before our eyes.

Es ist eine Bemerkung, welche anzustellen einen kein subtiles Nachdenken erfordert wird, sondern von der man annehmen kann, dass sie wohl der gemeinste Verstand, obzwar nach seiner Art durch eine dunkele Unterscheidung der Urteilskraft, die er Gefühl nennt, machen mag: dass alle Vorstellungen, die uns ohne unsere Willkür kommen (wie die der Sinne), uns die Gegenstände nicht anders zu erkennen geben, als sie uns affizieren, wobei, was sie an sich sein mögen, uns unbekannt bleibt, mithin dass, was diese Art Vorstellungen betrifft, wir dadurch auch bei der angestrengtesten Aufmerksamkeit und Deutlichkeit, die der Verstand nur immer hinzufügen mag, doch bloß zur Erkenntnis der Erscheinungen, niemals der Dinge an sich selbst gelangen können. Sobald dieser Unterschied (allenfalls bloß durch die bemerkte Verschiedenheit zwischen den Vorstellungen, die uns anders woher gegeben werden, und dabei wir leidend sind, von denen, die wir lediglich aus uns selbst hervorbringen, und dabei wir unsere Tätigkeit beweisen) einmal gemacht ist, so folgt von selbst, dass man hinter den Erscheinungen doch noch etwas anderes, was nicht Erscheinung ist, nämlich die Dinge an sich, einräumen und annehmen müsse, ob wir gleich uns von selbst bescheiden, dass, da sie uns niemals bekannt werden können, sondern immer nur, wie sie uns affizieren, wir ihnen nicht näher treten und, was sie an sich sind, niemals wissen können. Dieses muss eine, obzwar rohe, Unterscheidung einer Sinnenwelt von der Verstandeswelt abgeben, davon die erstere nach Verschiedenheit der Sinnlichkeit in mancherlei Weltbeschauern auch sehr verschieden sein kann, indessen die zweite, die ihr zum Grunde liegt, immer dieselbe bleibt. Sogar sich selbst und zwar nach der Kenntnis, die der Mensch durch innere Empfindung von sich hat, darf er sich nicht anmaßen zu erkennen, wie er an sich selbst sei. Denn da er doch sich selbst nicht gleichsam schafft und seinen Begriff nicht a priori, sondern empirisch bekommt, so ist natürlich, dass er auch von sich durch den innern Sinn und folglich nur durch die Erscheinung seiner Natur und die Art, wie sein Bewusstsein affiziert wird, Kundschaft einziehen könne, indessen er doch notwendiger Weise über diese aus lauter Erscheinungen zusammengesetzte Beschaffenheit seines eigenen Subjekts noch etwas anderes zum Grunde Liegendes, nämlich sein Ich, so wie es an sich selbst beschaffen sein mag, annehmen und sich also im Absicht auf die bloße Wahrnehmung und Empfänglichkeit der Empfindungen zur Sinnenwelt, in Ansehung dessen aber, was in ihm reine Tätigkeit sein mag, (dessen, was gar nicht durch Affizierung der Sinne, sondern unmittelbar zum Bewusstsein gelangt) sich zur intellektuellen Welt zählen muss, die er doch nicht weiter kennt.

It takes no subtle reflection to make the following observation; we may assume that even the most ordinary understanding can make it, though in its own way, through an obscure distinction made by judgment that it calls feeling. All representations that come to us without our choosing, such as those of the senses, enable us to know objects only as they affect us, while what they may be in themselves remains unknown to us. Thus, as far as representations of this kind are concerned, even the most strenuous attention and all the clarity the understanding can add bring us only to knowledge of appearances, never of things in themselves. Once this distinction has been made—even if only by noticing the difference between representations that are given to us from elsewhere, in receiving which we are passive, and those that we produce solely from ourselves, in producing which we display our activity—it follows of itself that we must allow and assume that behind appearances there is something else that is not appearance, namely things in themselves. At the same time, we readily acknowledge that, since we can never know them as they are, but only as they affect us, we can never come closer to them or know what they are in themselves. This must yield a distinction, however rough, between a world of sense and a world of understanding. The first may vary greatly among different observers of the world because their sensibility differs, while the second, which underlies it, always remains the same. A human being must not even presume to know what he is in himself from the knowledge he has of himself through inner sensation. For he does not, as it were, create himself, and he obtains his concept of himself not a priori but empirically. It is therefore natural that he can learn about himself only through inner sense, and hence only through the appearance of his nature and the way his consciousness is affected. Yet beyond this constitution of his own subject, which is composed entirely of appearances, he must necessarily assume something else that underlies it, namely his I as it may be constituted in itself. Thus, with respect merely to his perception and receptivity to sensations, he must count himself as belonging to the world of sense; but with respect to whatever may be pure activity in him—whatever reaches consciousness not through any affection of the senses but immediately—he must count himself as belonging to the intellectual world, though he has no further knowledge of it.

Dergleichen Schluss muss der nachdenkende Mensch von allen Dingen, die ihm vorkommen mögen, fällen; vermutlich ist er auch im gemeinsten Verstande anzutreffen, der, wie bekannt, sehr geneigt ist, hinter den Gegenständen der Sinne noch immer etwas Unsichtbares, für sich selbst Tätiges zu erwarten, es aber wiederum dadurch verdirbt, dass er dieses Unsichtbare sich bald wiederum versinnlicht, d. i. zum Gegenstande der Anschauung machen will, und dadurch also nicht um einen Grad klüger wird.

A reflective person must draw this kind of conclusion about everything he may encounter. Presumably, it is found even in the most ordinary understanding, which, as is well known, is strongly inclined to expect that behind the objects of the senses there is always something invisible and active on its own. But it then spoils this insight by immediately trying to make that invisible something sensible again—that is, to turn it into an object of intuition—and so becomes not one degree wiser.

Nun findet der Mensch in sich wirklich ein Vermögen, dadurch er sich von allen andern Dingen, ja von sich selbst, so fern er durch Gegenstände affiziert wird, unterscheidet, und das ist die Vernunft. Diese, als reine Selbsttätigkeit, ist sogar darin noch über den Verstand erhoben: dass, obgleich dieser auch Selbsttätigkeit ist und nicht wie der Sinn bloß Vorstellungen enthält, die nur entspringen, wenn man von Dingen affiziert (mithin leidend) ist, er dennoch aus seiner Tätigkeit keine andere Begriffe hervorbringen kann als die, so bloß dazu dienen, um die sinnlichen Vorstellungen unter Regeln zu bringen und sie dadurch in einem Bewusstsein zu vereinigen, ohne welchen Gebrauch der Sinnlichkeit er gar nichts denken würde, da hingegen die Vernunft unter dem Namen der Ideen eine so reine Spontaneität zeigt, dass sie da durch weit über alles, was ihr Sinnlichkeit nur liefern kann, hinausgeht und ihr vornehmstes Geschäfte darin beweiset, Sinnenwelt und Verstandeswelt von einander zu unterscheiden, dadurch aber dem Verstande selbst seine Schranken vorzuzeichnen.

Human beings actually find within themselves a capacity by which they distinguish themselves from all other things, and even from themselves insofar as they are affected by objects. This capacity is reason. As pure self-activity, reason stands above even the understanding in the following respect. The understanding is also self-active: unlike sense, it does not merely contain representations that arise only when we are affected by things, and are therefore passive. Yet through its activity the understanding can produce no concepts except those that serve merely to bring sensory representations under rules and thereby unite them in a single consciousness. Without this use of sensibility, it would think nothing at all. Reason, by contrast, displays under the name of ideas such pure spontaneity that it goes far beyond anything sensibility can supply to it. It shows that its principal task is to distinguish the world of sense from the world of understanding and thereby to mark out the limits of the understanding itself.

Um deswillen muss ein vernünftiges Wesen sich selbst als Intelligenz (also nicht von Seiten seiner untern Kräfte), nicht als zur Sinnen, sondern zur Verstandeswelt gehörig, ansehen; mithin hat es zwei Standpunkte, daraus es sich selbst betrachten und Gesetze des Gebrauchs seiner Kräfte, folglich aller seiner Handlungen erkennen kann, einmal, so fern es zur Sinnenwelt gehört, unter Naturgesetzen (Heteronomie), zweitens, als zur intelligibelen Welt gehörig, unter Gesetzen, die, von der Natur unabhängig, nicht empirisch, sondern bloß in der Vernunft gegründet sind.

For this reason, a rational being must regard itself as an intelligence—that is, not in terms of its lower faculties—and as belonging not to the world of sense but to the world of understanding. It therefore has two standpoints from which it can consider itself and recognize the laws governing the use of its powers, and hence all its actions: first, insofar as it belongs to the world of sense, it is under laws of nature (heteronomy); second, as belonging to the intelligible world, it is under laws that are independent of nature, not empirical, but grounded solely in reason.

Als ein vernünftiges, mithin zur intelligibelen Welt gehöriges Wesen kann der Mensch die Kausalität seines eigenen Willens niemals anders als unter der Idee der Freiheit denken; denn Unabhängigkeit von den bestimmenden Ursachen der Sinnenwelt (dergleichen die Vernunft jederzeit sich selbst beilegen muss) ist Freiheit. Mit der Idee der Freiheit ist nun der Begriff der Autonomie unzertrennlich verbunden, mit diesem aber das allgemeine Prinzip der Sittlichkeit, welches in der Idee allen Handlungen vernünftiger Wesen eben so zum Grunde liegt, als das Naturgesetz allen Erscheinungen.

As a rational being, and therefore as one who belongs to the intelligible world, the human being can never think of the causality of his own will except under the idea of freedom. For freedom is independence from the determining causes of the world of the senses—the kind of independence that reason must always attribute to itself. The concept of autonomy is inseparably connected with the idea of freedom, and with autonomy in turn the universal principle of morality. In the idea, this principle underlies all actions of rational beings, just as the law of nature underlies all appearances.

Nun ist der Verdacht, den wir oben rege machten, gehoben, als wäre ein geheimer Zirkel in unserem Schlusse aus der Freiheit auf die Autonomie und aus dieser aufs sittliche Gesetz enthalten, dass wir nämlich vielleicht die Idee der Freiheit nur um des sittlichen Gesetzes willen zum Grunde legten, um dieses nachher aus der Freiheit wiederum zu schließen, mithin von jenem gar keinen Grund angeben könnten, sondern es nur als Erbittung eines Prinzips, das uns gutgesinnte Seelen wohl gerne einräumen werden, welches wir aber niemals als einen erweislichen Satz aufstellen könnten. Denn jetzt sehen wir, dass, wenn wir uns als frei denken, so versetzen wir uns als Glieder in die Verstandeswelt und erkennen die Autonomie des Willens samt ihrer Folge, der Moralität; denken wir uns aber als verpflichtet, so betrachten wir uns als zur Sinnenwelt und doch zugleich zur Verstandeswelt gehörig.

The suspicion we raised above has now been removed: that our inference from freedom to autonomy, and from autonomy to the moral law, contained a hidden circle. We might, after all, have adopted the idea of freedom as our foundation only for the sake of the moral law, so that we could then infer the moral law in turn from freedom. We would therefore be unable to give any ground for that law and could only beg it as a principle that well-disposed souls might gladly grant us, but that we could never establish as a proposition capable of proof. For we now see that, when we conceive ourselves as free, we place ourselves, as members, in the world of understanding and recognize the autonomy of the will together with its consequence, morality. But when we conceive ourselves as obligated, we regard ourselves as belonging to the world of sense and yet at the same time to the world of understanding.

Wie ist ein kategorischer Imperativ möglich?

Das vernünftige Wesen zählt sich als Intelligenz zur Verstandeswelt, und bloß als eine zu dieser gehörige wirkende Ursache nennt es seine Kausalität einen Willen. Von der anderen Seite ist es sich seiner doch auch als eines Stücks der Sinnenwelt Bewusst, in welcher seine Handlungen als bloße Erscheinungen jener Kausalität angetroffen werden, deren Möglichkeit aber aus dieser, die wir nicht kennen, nicht eingesehen werden kann, sondern an deren Statt jene Handlungen als bestimmt durch andere Erscheinungen, nämlich Begierden und Neigungen, als zur Sinnenwelt gehörig eingesehen werden müssen. Als bloßen Gliedes der Verstandeswelt würden also alle meine Handlungen dem Prinzip der Autonomie des reinen Willens vollkommen gemäß sein; als bloßen Stücks der Sinnenwelt würden sie gänzlich dem Naturgesetz der Begierden und Neigungen, mithin der Heteronomie der Natur gemäß genommen werden müssen. (Die ersteren würden auf dem obersten Prinzip der Sittlichkeit, die zweiten der Glückseligkeit beruhen.) Weil aber die Verstandeswelt den Grund der Sinnenweit, mithin auch der Gesetze derselben enthält, also in Ansehung meines Willens (der ganz zur Verstandeswelt gehört) unmittelbar gesetzgebend ist und also auch als solche gedacht werden muss, so werde ich mich als Intelligenz, obgleich andererseits wie ein zur Sinnenwelt gehöriges Wesen, dennoch dem Gesetze der ersteren, d. i. der Vernunft, die in der Idee der Freiheit das Gesetz derselben enthält, und also der Autonomie des Willens unterworfen erkennen, folglich die Gesetze der Verstandeswelt für mich als Imperativen und die diesem Prinzip gemäße Handlungen als Pflichten ansehen müssen.

How Is a Categorical Imperative Possible?

A rational being counts itself, as an intelligence, as belonging to the world of understanding; and it calls its causality a will only insofar as it is an active cause belonging to that world. From another perspective, however, it is also conscious of itself as a part of the world of sense. In that world, its actions are encountered as mere appearances of that causality. But since we do not know this causality, the possibility of those actions cannot be understood from it. Instead, those actions must be understood as belonging to the world of sense and as determined by other appearances, namely desires and inclinations. Thus, if I were merely a member of the world of understanding, all my actions would conform perfectly to the principle of the autonomy of the pure will; if I were merely a part of the world of sense, they would have to be regarded as conforming entirely to the natural law of desires and inclinations, and therefore to the heteronomy of nature. (The former would rest on the highest principle of morality, the latter on that of happiness.) But the world of understanding contains the ground of the world of sense, and therefore also the ground of its laws. It thus legislates directly for my will—which belongs wholly to the world of understanding—and must therefore also be conceived as doing so. Hence, as an intelligence, although from another perspective I am also a being belonging to the world of sense, I shall recognize myself as nevertheless subject to the law of the world of understanding—that is, to reason, which contains that law in the idea of freedom—and thus subject to the autonomy of the will. Consequently, I must regard the laws of the world of understanding as imperatives for me, and actions conforming to this principle as duties.

Und so sind kategorische Imperativen möglich, dadurch dass die Idee der Freiheit mich zu einem Gliede einer intelligibelen Welt macht, wodurch, wenn ich solches allein wäre, alle meine Handlungen der Autonomie des Willens jederzeit gemäß sein würden, da ich mich aber zugleich als Glied der Sinnenwelt anschaue, gemäß sein sollen, welches kategorische Sollen einen synthetischen Satz a priori vorstellt, dadurch dass über meinen durch sinnliche Begierden affizierten Willen noch die Idee ebendesselben, aber zur Verstandeswelt gehörigen reinen, für sich selbst praktischen Willens hinzukommt, welcher die oberste Bedingung des ersteren nach der Vernunft enthält; ungefähr so, wie zu den Anschauungen der Sinnenwelt Begriffe des Verstandes, die für sich selbst nichts als gesetzliche Form überhaupt bedeuten, hinzu kommen und dadurch synthetische Sätze a priori, auf welchen alle Erkenntnis einer Natur beruht, möglich machen.

Categorical imperatives are therefore possible because the idea of freedom makes me a member of an intelligible world. If I were a member of that world alone, all my actions would always conform to the autonomy of the will. But since I also regard myself as a member of the sensible world, they ought to conform to it. This categorical ought is a synthetic proposition a priori, because the idea of this same will is added to my will as affected by sensuous desires—the idea of it as a pure will that belongs to the world of understanding and is practical in itself, and that contains, according to reason, the supreme condition of the former will. This is roughly like the way concepts of the understanding, which by themselves signify nothing but lawful form in general, are added to the intuitions of the sensible world, thereby making possible synthetic propositions a priori on which all cognition of nature rests.

Der praktische Gebrauch der gemeinen Menschenvernunft bestätigt die Richtigkeit dieser Deduktion. Es ist niemand, selbst der ärgste Bösewicht, wenn er nur sonst Vernunft zu brauchen gewohnt ist, der nicht, wenn man ihm Beispiele der Redlichkeit in Absichten, der Standhaftigkeit in Befolgung guter Maximen, der Teilnehmung und des allgemeinen Wohlwollens (und noch dazu mit großen Aufopferungen von Vorteilen und Gemächlichkeit verbunden) vorlegt, nicht wünsche, dass er auch so gesinnt sein möchte. Er kann es aber nur wegen seiner Neigungen und Antriebe nicht wohl in sich zu Stande bringen, wobei er dennoch zugleich wünscht, von solchen ihm selbst lästigen Neigungen frei zu sein. Er beweiset hierdurch also, dass er mit einem Willen, der von Antrieben der Sinnlichkeit frei ist, sich in Gedanken in eine ganz andere Ordnung der Dinge versetze, als die seiner Begierden im Felde der Sinnlichkeit, weil er von jenem Wunsche keine Vergnügung der Begierden, mithin keinen für irgend eine seiner wirklichen oder sonst erdenklichen Neigungen befriedigenden Zustand (denn dadurch würde selbst die Idee, welche ihm den Wunsch ablockt, ihre Vorzüglichkeit einbüßen), sondern nur einen größeren inneren Werth seiner Person erwarten kann. Diese bessere Person glaubt er aber zu sein, wenn er sich in den Standpunkt eines Gliedes der Verstandeswelt versetzt, dazu die Idee der Freiheit, d. i. Unabhängigkeit von bestimmenden Ursachen der Sinnenwelt, ihn unwillkürlich nötigt, und in welchem er sich eines guten Willens Bewusst ist, der für seinen bösen Willen als Gliedes der Sinnenwelt nach seinem eigenen Geständnisse das Gesetz ausmacht, dessen Ansehen er kennt, indem er es übertritt. Das moralische Sollen ist also eigenes notwendiges Wollen als Gliedes einer intelligibelen Welt und wird nur so fern von ihm als Sollen gedacht, als er sich zugleich wie ein Glied der Sinnenwelt betrachtet.

The practical use of ordinary human reason confirms that this deduction is correct. No one—not even the worst villain, provided that he is otherwise accustomed to using reason—can be shown examples of honesty of intention, steadfastness in following good maxims, compassion, and universal benevolence, especially when these involve great sacrifices of advantage and comfort, without wishing that he too might be so disposed. Yet because of his inclinations and impulses, he cannot quite bring this about in himself, even though at the same time he wishes to be free from those inclinations that he himself finds burdensome. He thereby shows that, in thought, with a will free from the impulses of sensibility, he places himself in an order of things entirely different from the order of his desires in the realm of sensibility. For from that wish he can expect no gratification of his desires, and thus no condition that would satisfy any of his actual or even conceivable inclinations—for that would deprive the very idea that draws this wish from him of its superiority. He can expect only a greater inner worth of his person. But he believes himself to be this better person when he adopts the standpoint of a member of the world of understanding. The idea of freedom—that is, independence from determining causes in the world of sense—unavoidably compels him to adopt this standpoint. From it, he is conscious of a good will that, by his own admission, constitutes the law for his evil will as a member of the world of sense. He recognizes the authority of this law even as he violates it. The moral ought is therefore his own necessary willing as a member of an intelligible world; he thinks of it as an ought only insofar as he considers himself at the same time a member of the world of sense.

Von der äußersten Grenze aller praktischen Philosophie

Alle Menschen denken sich dem Willen nach als frei. Daher kommen alle Urteile über Handlungen als solche, die hätten geschehen sollen, ob sie gleich nicht geschehen sind. Gleichwohl ist diese Freiheit kein Erfahrungsbegriff und kann es auch nicht sein, weil er immer bleibt, obgleich die Erfahrung das Gegenteil von denjenigen Forderungen zeigt, die unter Voraussetzung derselben als notwendig vorgestellt werden. Auf der anderen Seite ist es eben so notwendig, dass alles, was geschieht, nach Naturgesetzen unausbleiblich bestimmt sei, und diese Naturnotwendigkeit ist auch kein Erfahrungsbegriff, eben darum weil er den Begriff der Notwendigkeit, mithin einer Erkenntnis a priori bei sich führt. Aber dieser Begriff von einer Natur wird durch Erfahrung bestätigt und muss selbst unvermeidlich vorausgesetzt werden, wenn Erfahrung, d. i. nach allgemeinen Gesetzen zusammenhängende Erkenntnis der Gegenstände der Sinne, möglich sein soll. Daher ist Freiheit nur eine Idee der Vernunft, deren objektive Realität an sich zweifelhaft ist, Natur aber ein Verstandesbegriff, der seine Realität an Beispielen der Erfahrung beweiset und notwendig beweisen muss.

On the Furthest Limit of All Practical Philosophy

All human beings think of themselves as free with respect to their will. This is the source of all judgments that actions ought to have taken place, even though they did not. Nevertheless, this freedom is not a concept derived from experience, nor can it be, since it always remains in place even though experience shows the opposite of what is demanded as necessary when freedom is presupposed. On the other hand, it is equally necessary that everything that happens should be inevitably determined according to laws of nature. This natural necessity is likewise not a concept derived from experience, precisely because it contains the concept of necessity and therefore of cognition a priori. Yet this concept of nature is confirmed by experience and must itself unavoidably be presupposed if experience—that is, cognition of the objects of the senses connected according to universal laws—is to be possible. Freedom is therefore only an idea of reason whose objective reality is in itself doubtful, whereas nature is a concept of the understanding that demonstrates its reality in examples from experience and necessarily must do so.

Ob nun gleich hieraus eine Dialektik der Vernunft entspringt, da in Ansehung des Willens die ihm beigelegte Freiheit mit der Naturnotwendigkeit im Widerspruch zu stehen scheint, und bei dieser Wegescheidung die Vernunft in spekulativer Absicht den Weg der Naturnotwendigkeit viel gebahnter und brauchbarer findet, als den der Freiheit: so ist doch in praktischer Absicht der Fußsteig der Freiheit der einzige, auf welchem es möglich ist, von seiner Vernunft bei unserem Tun und Lassen Gebrauch zu machen; daher wird es der subtilsten Philosophie eben so unmöglich, wie der gemeinsten Menschenvernunft, die Freiheit wegzuvernünfteln. Diese muss also wohl voraussetzen: dass kein wahrer Widerspruch zwischen Freiheit und Naturnotwendigkeit ebenderselben menschlichen Handlungen angetroffen werde, denn sie kann eben so wenig den Begriff der Natur, als den der Freiheit aufgeben.

Although this gives rise to a dialectic of reason—since the freedom attributed to the will seems to conflict with natural necessity, and at this fork reason, from a speculative standpoint, finds the path of natural necessity far better prepared and more usable than the path of freedom—still, from a practical standpoint, the footpath of freedom is the only one on which we can use our reason in what we do and refrain from doing. Thus, even the most subtle philosophy is no more able than the most ordinary human reason to reason freedom away. Reason must therefore assume that no genuine contradiction is to be found between freedom and the natural necessity of the very same human actions, for it can no more give up the concept of nature than the concept of freedom.

Indessen muss dieser Scheinwiderspruch wenigstens auf überzeugende Art vertilgt werden, wenn man gleich, wie Freiheit möglich sei, niemals begreifen könnte. Denn wenn sogar der Gedanke von der Freiheit sich selbst, oder der Natur, die eben so notwendig ist, widerspricht, so müsste sie gegen die Naturnotwendigkeit durchaus aufgegeben werden.

Nevertheless, this apparent contradiction must at least be convincingly eliminated, even if we could never comprehend how freedom is possible. For if even the thought of freedom contradicted either itself or nature, which is equally necessary, freedom would have to be abandoned altogether in the face of natural necessity.

Es ist aber unmöglich, diesem Widerspruch zu entgehen, wenn das Subjekt, was sich frei dünkt, sich selbst in demselben Sinne, oder in eben demselben Verhältnisse dächte, wenn es sich frei nennt, als wenn es sich in Absicht auf die nämliche Handlung dem Naturgesetze unterworfen annimmt. Daher ist es eine unnachlässliche Aufgabe der spekulativen Philosophie: wenigstens zu zeigen, dass ihre Täuschung wegen des Widerspruchs darin beruhe, dass wir den Menschen in einem anderen Sinne und Verhältnisse denken, wenn wir ihn frei nennen, als wenn wir ihn als Stück der Natur dieser ihren Gesetzen für unterworfen halten, und dass beide nicht allein gar wohl beisammen stehen können, sondern auch als notwendig vereinigt in demselben Subjekt gedacht werden müssen, weil sonst nicht Grund angegeben werden könnte, warum wir die Vernunft mit einer Idee belästigen sollten, die, ob sie sich gleich ohne Widerspruch mit einer anderen, genugsam bewährten vereinigen lässt, dennoch uns in ein Geschäfte verwickelt, wodurch die Vernunft in ihrem theoretischen Gebrauche sehr in die Enge gebracht wird. Diese Pflicht liegt aber bloß der spekulativen Philosophie ob, damit sie der praktischen freie Bahn schaffe. Also ist es nicht in das Belieben des Philosophen gesetzt, ob er den scheinbaren Widerstreit heben, oder ihn unangerührt lassen will; denn im letzteren Falle ist die Theorie hierüber bonum vacans, in dessen Besitz sich der Fatalist mit Grunde setzen und alle Moral aus ihrem ohne Titel besessenen vermeinten Eigentum verjagen kann.

But there is no way to escape this contradiction if the subject that considers itself free thinks of itself in the same sense, or in exactly the same relation, when it calls itself free as when it takes itself, with regard to the very same action, to be subject to the law of nature. Speculative philosophy therefore has an indispensable task: it must at least show that the illusion of a contradiction arises because we think of the human being in a different sense and relation when we call the human being free than when we regard the human being as a part of nature subject to nature’s laws. It must also show not only that the two can very well coexist, but that they must be thought of as necessarily united in the same subject. Otherwise, no reason could be given why we should burden reason with an idea which, though it can be combined without contradiction with another idea that has been sufficiently established, nevertheless involves us in a task that puts reason under severe pressure in its theoretical use. But this duty falls solely to speculative philosophy, so that it may clear the way for practical philosophy. The philosopher is therefore not free to choose whether to resolve the apparent conflict or leave it untouched. For in the latter case, the theory on this matter is ownerless property, which the fatalist may rightfully take possession of and use to drive all morality from the supposed estate it has occupied without title.

Doch kann man hier noch nicht sagen, dass die Grenze der praktischen Philosophie anfange. Denn jene Beilegung der Streitigkeit gehört gar nicht ihr zu, sondern sie fordert nur von der spekulativen Vernunft, dass diese die Uneinigkeit, darin sie sich in theoretischen Fragen selbst verwickelt, zu Ende bringe, damit praktische Vernunft Ruhe und Sicherheit für äußere Angriffe habe, die ihr den Boden, worauf sie sich anhauen Will, streitig machen könnten.

Yet one cannot say that practical philosophy begins at this boundary. For resolving that dispute does not belong to practical philosophy at all. It asks only that speculative reason put an end to the conflict in which it has entangled itself over theoretical questions, so that practical reason may have peace and security from external attacks that could challenge the ground on which it seeks to establish itself.

Der Rechtsanspruch aber selbst der gemeinen Menschenvernunft auf Freiheit des Willens gründet sich auf das Bewusstsein und die zugestandene Voraussetzung der Unabhängigkeit der Vernunft von bloß subjektiv bestimmenden Ursachen, die insgesamt das ausmachen, was bloß zur Empfindung, mithin unter die allgemeine Benennung der Sinnlichkeit gehört. Der Mensch, der sich auf solche Weise als Intelligenz betrachtet, setzt sich dadurch in eine andere Ordnung der Dinge und in ein Verhältnis zu bestimmenden Gründen von ganz anderer Art, wenn er sich als Intelligenz mit einem Willen, folglich mit Kausalität, begabt denkt, als wenn er sich wie ein Phänomen in der Sinnenwelt (welches er wirklich auch ist) wahrnimmt und seine Kausalität äußerer Bestimmung nach Naturgesetzen unterwirft. Nun wird er bald inne, dass beides zugleich stattfinden könne, ja sogar müsse. Denn dass ein Ding in der Erscheinung (das zur Sinnenwelt gehörig) gewissen Gesetzen unterworfen ist, von welchen eben dasselbe als Ding oder Wesen an sich selbst unabhängig ist, enthält nicht den mindesten Widerspruch; dass er sich selbst aber auf diese zwiefache Art vorstellen und denken müsse, beruht, was das erste betrifft, auf dem Bewusstsein seiner selbst als durch Sinne affizierten Gegenstandes, was das zweite anlangt, auf dem Bewusstsein seiner selbst als Intelligenz, d. i. als unabhängig im Vernunftgebrauch von sinnlichen Eindrücken (mithin als zur Verstandeswelt gehörig).

But common human reason’s rightful claim to freedom of the will rests on its awareness—and its accepted presupposition—that reason is independent of merely subjective determining causes. Taken together, these causes make up everything that belongs merely to sensation and thus falls under the general heading of sensibility. When a human being regards himself in this way as an intelligence, he places himself within a different order of things and in a relation to determining grounds of an entirely different kind: he thinks of himself as an intelligence endowed with a will, and therefore with causality. This differs from how he perceives himself as a phenomenon in the world of sense—which he really is as well—and subjects his causality to external determination according to laws of nature. He soon realizes that both can, and indeed must, hold at the same time. For there is not the slightest contradiction in a thing as appearance, belonging to the world of sense, being subject to certain laws from which that very same thing, as a thing or being in itself, is independent. That he must represent and think of himself in these two ways rests, in the first case, on his awareness of himself as an object affected through the senses and, in the second, on his awareness of himself as an intelligence—that is, as independent of sensory impressions in his use of reason, and thus as belonging to the world of understanding.

Daher kommt es, dass der Mensch sich eines Willens anmaßt, der nichts auf seine Rechnung kommen lässt, was bloß zu seinen Begierden und Neigungen gehört, und dagegen Handlungen durch sich als möglich, ja gar als notwendig denkt, die nur mit Hintansetzung aller Begierden nach sinnlichen Anreizungen geschehen können. Die Kausalität derselben liegt in ihm als Intelligenz und in den Gesetzen der Wirkungen und Handlungen nach Prinzipien einer intelligibelen Welt, von der er wohl nichts weiter weiß, als dass darin lediglich die Vernunft und zwar reine, von Sinnlichkeit unabhängige Vernunft das Gesetz gebe, imgleichen da er daselbst nur als Intelligenz das eigentliche Selbst (als Mensch hingegen nur Erscheinung seiner selbst) ist, jene Gesetze ihn unmittelbar und kategorisch angehen, so dass, wozu Neigungen und Antriebe (mithin die ganze Natur der Sinnenwelt) anreizen, den Gesetzen seines Wollens als Intelligenz keinen Abbruch tun kann, so gar, dass er die erstere nicht verantwortet und seinem eigentlichen Selbst, d. i. seinem Willen, nicht zuschreibt, wohl aber die Nachsicht, die er gegen sie tragen möchte, wenn er ihnen zum Nachteil der Vernunftgesetze des Willens Einfluss auf seine Maximen einräumte.

This is why a human being lays claim to a will that does not count as its own anything belonging merely to his desires and inclinations. By contrast, through this will he thinks actions possible, and even necessary, that can occur only if all desires arising from sensory incentives are set aside. The causality of this will lies in him as an intelligence, and in the laws governing effects and actions according to principles of an intelligible world. He knows nothing more about that world than that in it reason alone—pure reason, independent of sensibility—gives the law. Likewise, because there he is, solely as an intelligence, his true self (whereas as a human being he is only the appearance of himself), those laws apply to him immediately and categorically. Thus, whatever inclinations and impulses—and therefore the whole nature of the sensible world—urge him to do cannot detract from the laws of his willing as an intelligence. Indeed, he does not hold himself responsible for the former or attribute them to his true self, that is, to his will. But he does hold himself responsible for any indulgence he might show them if he allowed them to influence his maxims to the detriment of reason’s laws for the will.

Dadurch, dass die praktische Vernunft sich in eine Verstandeswelt hinein denkt, überschreitet sie gar nicht ihre Grenzen, wohl aber wenn sie sich hineinschauen, hineinempfinden wollte. Jenes ist nur ein negativer Gedanke in Ansehung der Sinnenwelt, die der Vernunft in Bestimmung des Willens keine Gesetze gibt, und nur in diesem einzigen Punkte positiv, dass jene Freiheit als negative Bestimmung zugleich mit einem (positiven) Vermögen und sogar mit einer Kausalität der Vernunft verbunden sei, welche wir einen Willen nennen, so zu handeln, dass das Prinzip der Handlungen der wesentlichen Beschaffenheit einer Vernunftursache, d. i. der Bedingung der Allgemeingültigkeit der Maxime als eines Gesetzes, gemäß sei. Würde sie aber noch ein Objekt des Willens, d. i. eine Bewegursache, aus der Verstandeswelt herholen, so überschritte sie ihre Grenzen und maßte sich an, etwas zu kennen, wovon sie nichts weiß. Der Begriff einer Verstandeswelt ist also nur ein Standpunkt, den die Vernunft sich genötigt sieht, außer den Erscheinungen zu nehmen, um sich selbst als praktisch zu denken, welches, wenn die Einflüsse der Sinnlichkeit für den Menschen bestimmend wären, nicht möglich sein würde, welches aber doch notwendig ist, wofern ihm nicht das Bewusstsein seiner selbst als Intelligenz mithin als vernünftige und durch Vernunft Tätige, d. i. frei wirkende, Ursache abgesprochen werden soll. Dieser Gedanke führt freilich die Idee einer anderen Ordnung und Gesetzgebung, als die des Naturmechanismus, der die Sinnenwelt trifft, herbei und macht den Begriff einer intelligibelen Welt (d. i. das Ganze vernünftiger Wesen, als Dinge an sich selbst) notwendig, aber ohne die mindeste Anmaßung, hier weiter als bloß ihrer formalen Bedingung nach, d. i. der Allgemeinheit der Maxime des Willens als Gesetz, mithin der Autonomie des letzteren, die allein mit der Freiheit desselben bestehen kann, gemäß zu denken; da hingegen alle Gesetze, die auf ein Objekt bestimmt sind, Heteronomie geben, die nur an Naturgesetzen angetroffen werden und auch nur die Sinnenwelt treffen kann.

By thinking its way into a world of understanding, practical reason does not overstep its bounds at all; it would do so, however, if it tried to gain insight or feeling into that world. The former is only a negative thought with respect to the sensible world, which gives reason no laws for determining the will. It is positive only in this single respect: freedom, though a negative determination, is at the same time connected with a positive capacity, and even with a causality of reason, which we call a will—the capacity to act so that the principle of one’s actions accords with the essential character of a rational cause, that is, with the condition that the maxim be universally valid as a law. But if reason were also to derive an object of the will—that is, a motivating cause—from the world of understanding, it would overstep its bounds and presume to know something about which it knows nothing. The concept of a world of understanding is therefore only a standpoint that reason finds itself compelled to adopt outside appearances in order to think of itself as practical. This would not be possible if the influences of sensibility were determining for the human being. Yet it is necessary unless we are to deny the human being consciousness of himself as an intelligence, and thus as a rational cause that acts through reason—that is, acts freely. This thought does, to be sure, introduce the idea of an order and a lawgiving different from the mechanism of nature that applies to the sensible world, and it makes necessary the concept of an intelligible world—that is, the totality of rational beings as things in themselves. But it does so without the slightest presumption of thinking of this world beyond its merely formal condition: the universality of the maxim of the will as a law, and thus the autonomy of the will, which alone is compatible with its freedom. By contrast, all laws specified in terms of an object yield heteronomy, which is found only in laws of nature and can concern only the sensible world.

Aber alsdann würde die Vernunft alle ihre Grenze überschreiten, wenn sie es sich zu erklären unterfinge, wie reine Vernunft praktisch sein könne, welches völlig einerlei mit der Aufgabe sein würde, zu erklären, wie Freiheit möglich sei.

But reason would then overstep all its bounds if it ventured to explain how pure reason can be practical—which would be exactly the same as trying to explain how freedom is possible.

Denn wir können nichts erklären, als was wir auf Gesetze zurückführen können, deren Gegenstand in irgend einer möglichen Erfahrung gegeben werden kann. Freiheit aber ist eine bloße Idee, deren objektive Realität auf keine Weise nach Naturgesetzen, mithin auch nicht in irgend einer möglichen Erfahrung dargetan werden kann, die also darum, weil ihr selbst niemals nach irgend einer Analogie ein Beispiel untergelegt werden mag, niemals begriffen, oder auch nur eingesehen werden kann. Sie gilt nur als notwendige Voraussetzung der Vernunft in einem Wesen, das sich eines Willens, d. i. eines vom bloßen Begehrungsvermögen noch verschiedenen Vermögens, (nämlich sich zum Handeln als Intelligenz, mithin nach Gesetzen der Vernunft unabhängig von Naturinstinkten zu bestimmen) Bewusst zu sein glaubt. Wo aber Bestimmung nach Naturgesetzen aufhört, da hört auch alle Erklärung auf, und es bleibt nichts übrig als Verteidigung, d. i. Abtreibung der Einwürfe derer, die tiefer in das Wesen der Dinge geschaut zu haben vorgeben und darum die Freiheit dreist für unmöglich erklären. Man kann ihnen nur zeigen, dass der vermeintlich von ihnen darin entdeckte Widerspruch nirgends anders liege als darin, dass, da sie, um das Naturgesetz in Ansehung menschlicher Handlungen geltend zu machen, den Menschen notwendig als Erscheinung betrachten mussten und nun, da man von ihnen fordert, dass sie ihn als Intelligenz auch als Ding an sich selbst denken sollten, sie ihn immer auch da noch als Erscheinung betrachten, wo denn freilich die Absonderung seiner Kausalität (d. i. seines Willens) von allen Naturgesetzen der Sinnenweit in einem und demselben Subjekte im Widerspruche stehen würde, welcher aber wegfällt, wenn sie sich besinnen und wie billig eingestehen wollten, dass hinter den Erscheinungen doch die Sachen an sich selbst (obzwar verborgen) zum Grunde liegen müssen, von deren Wirkungsgesetzen man nicht verlangen kann, dass sie mit denen einerlei sein sollten, unter denen ihre Erscheinungen stehen.

For we can explain only what we can trace back to laws whose object can be given in some possible experience. Freedom, however, is a mere idea. Its objective reality cannot in any way be demonstrated by laws of nature, and thus cannot be demonstrated in any possible experience. Because no example corresponding to it can ever be supplied by any analogy, it can never be comprehended or even discerned. It holds only as a necessary presupposition of reason in a being that believes itself conscious of a will—that is, of a faculty distinct from the mere faculty of desire: namely, the faculty of determining itself to act as an intelligence, and thus according to laws of reason, independently of natural instincts. But where determination by laws of nature ends, all explanation also ends. Nothing remains but defense—that is, warding off the objections of those who claim to have looked more deeply into the essence of things and therefore boldly declare freedom impossible. One can only show them that the contradiction they imagine they have discovered lies nowhere but in this: to uphold the law of nature with regard to human actions, they necessarily had to regard the human being as an appearance; but when they are then required to think of the human being, as an intelligence, also as a thing in itself, they still continue to regard the human being as an appearance. In that case, separating the human being’s causality—that is, the will—from all the laws of nature governing the sensible world would indeed be contradictory within one and the same subject. But the contradiction disappears if they reflect and acknowledge, as is reasonable, that things in themselves must underlie appearances, even though they remain hidden, and that the laws governing their effects cannot be required to be identical with the laws governing their appearances.

Die subjektive Unmöglichkeit, die Freiheit des Willens zu erklären, ist mit der Unmöglichkeit, ein Interesse ausfindig und begreiflich zu machen, welches der Mensch an moralischen Gesetzen nehmen könne, einerlei; und gleichwohl nimmt er wirklich daran ein Interesse, wozu wir die Grundlage in uns das moralische Gefühl nennen, welches fälschlich für das Richtmaß unserer sittlichen Beurteilung von einigen ausgegeben worden, da es vielmehr als die subjektive Wirkung, die das Gesetz auf den Willen ausübt, angesehen werden muss, wozu Vernunft allein die objektiven Gründe hergibt.

The subjective impossibility of explaining freedom of the will is one and the same as the impossibility of discovering and making intelligible an interest that a human being could take in moral laws. Yet a human being really does take an interest in them. We call the basis for this interest within us moral feeling. Some have wrongly presented this feeling as the standard for our moral judgment, whereas it must instead be regarded as the subjective effect that the law exerts on the will—an effect for which reason alone supplies the objective grounds.

Um das zu wollen, wozu die Vernunft allein dem sinnlich-affizierten vernünftigen Wesen das Sollen vorschreibt, dazu gehört freilich ein Vermögen der Vernunft, ein Gefühl der Lust oder des Wohlgefallens an der Erfüllung der Pflicht einzuflößen, mithin eine Kausalität derselben, die Sinnlichkeit ihren Prinzipien gemäß zu bestimmen. Es ist aber gänzlich unmöglich, einzusehen, d. i. a priori begreiflich zu machen, wie ein bloßer Gedanke, der selbst nichts Sinnliches in sich enthält, eine Empfindung der Lust oder Unlust hervorbringe; denn das ist eine besondere Art von Kausalität, von der wie von aller Kausalität wir gar nichts a priori bestimmen können, sondern darum allein die Erfahrung befragen müssen. Da diese aber kein Verhältnis der Ursache zur Wirkung, als zwischen zwei Gegenständen der Erfahrung an die Hand geben kann, hier aber reine Vernunft durch bloße Ideen (die gar keinen Gegenstand für Erfahrung abgeben) die Ursache von einer Wirkung, die freilich in der Erfahrung liegt, sein soll, so ist die Erklärung, wie und warum uns die Allgemeinheit der Maxime als Gesetzes, mithin die Sittlichkeit interessiere, uns Menschen gänzlich unmöglich. So viel ist nur gewiss: dass es nicht darum für uns Gültigkeit hat, weil es interessiert (denn das ist Heteronomie und Abhängigkeit der praktischen Vernunft von Sinnlichkeit, nämlich einem zum Grunde liegenden Gefühl, wobei sie niemals sittlich gesetzgebend sein könnte), sondern dass es interessiert, weil es für uns als Menschen gilt, da es aus unserem Willen als Intelligenz, mithin aus unserem eigentlichen Selbst entsprungen ist; was aber zur bloßen Erscheinung gehört, wird von der Vernunft notwendig der Beschaffenheit der Sache an sich selbst untergeordnet.

To will what reason alone tells a rational being affected by the senses that it ought to do requires, to be sure, that reason have the capacity to instill a feeling of pleasure or satisfaction in fulfilling duty, and thus a causality by which it determines sensibility in accordance with its principles. Yet it is wholly impossible to see—that is, to make comprehensible a priori—how a mere thought, which itself contains nothing sensory, could produce a sensation of pleasure or displeasure. For this is a particular kind of causality, and of this, as of all causality, we can determine nothing at all a priori but must consult experience alone. Yet experience can supply a relation of cause and effect only between two objects of experience. Here, however, pure reason, through mere ideas—which provide no object for experience at all—is supposed to be the cause of an effect that does indeed lie within experience. It is therefore wholly impossible for us human beings to explain how and why the universality of the maxim as a law, and thus morality, interests us. Only this much is certain: it is not valid for us because it interests us—for that would be heteronomy and the dependence of practical reason on sensibility, namely on an underlying feeling, in which case practical reason could never legislate morally. Rather, it interests us because it is valid for us as human beings, since it has arisen from our will as intelligence, and thus from our true self. But whatever belongs merely to appearance is necessarily subordinated by reason to the nature of the thing in itself.

Die Frage also, wie ein kategorischer Imperativ möglich sei, kann zwar so weit beantwortet werden, als man die einzige Voraussetzung angeben kann, unter der er allein möglich ist, nämlich die Idee der Freiheit, imgleichen als man die Notwendigkeit dieser Voraussetzung einsehen kann, welches zum praktischen Gebrauche der Vernunft, d. i. zur Überzeugung von der Gültigkeit dieses Imperativs, mithin auch des sittlichen Gesetzes hinreichend ist, aber wie diese Voraussetzung selbst möglich sei, lässt sich durch keine menschliche Vernunft jemals einsehen. Unter Voraussetzung der Freiheit des Willens einer Intelligenz aber ist die Autonomie desselben, als die formale Bedingung, unter der er allein bestimmt werden kann, eine notwendige Folge. Diese Freiheit des Willens vorauszusetzen, ist auch nicht allein (ohne in Widerspruch mit dem Prinzip der Naturnotwendigkeit in der Verknüpfung der Erscheinungen der Sinnenwelt zu geraten) ganz wohl möglich (wie die spekulative Philosophie zeigen kann), sondern auch sie praktisch, d. i. in der Idee, allen seinen willkürlichen Handlungen als Bedingung unterzulegen, ist einem vernünftigen Wesen, das sich seiner Kausalität durch Vernunft, mithin eines Willens (der von Begierden unterschieden ist) Bewusst ist, ohne weitere Bedingung notwendig. Wie nun aber reine Vernunft ohne andere Triebfedern, die irgend woher sonst genommen sein mögen, für sich selbst praktisch sein, d. i. wie das bloße Prinzip der Allgemeingültigkeit aller ihrer Maximen als Gesetze (welches freilich die Form einer reinen praktischen Vernunft sein würde) ohne alle Materie (Gegenstand) des Willens, woran man zum voraus irgend ein Interesse nehmen dürfe, für sich selbst eine Triebfeder abgeben und ein Interesse, welches rein moralisch heißen würde, bewirken, oder mit anderen Worten, wie reine Vernunft praktisch sein könne, das zu erklären, dazu ist alle menschliche Vernunft gänzlich unvermögend, und alle Mühe und Arbeit, hievon Erklärung zu suchen, ist verloren.

The question of how a categorical imperative is possible can therefore be answered to this extent: we can state the one presupposition under which alone it is possible, namely the idea of freedom, and we can likewise understand why this presupposition is necessary. That is sufficient for the practical use of reason—that is, for conviction that this imperative, and therefore also the moral law, is valid. But no human reason can ever understand how this presupposition itself is possible. If, however, we presuppose freedom of the will in an intelligent being, then the autonomy of that will follows necessarily as the formal condition under which alone it can be determined. Presupposing this freedom of the will is not only entirely possible without contradicting the principle that appearances in the world of sense are connected by natural necessity, as speculative philosophy can show. It is also necessary, without any further condition, for a rational being conscious of its causality through reason, and hence conscious of a will distinct from desires, to make freedom in practice—that is, in the idea—the condition underlying all its voluntary actions. But all human reason is wholly incapable of explaining how pure reason can be practical on its own, without incentives drawn from anywhere else; that is, how the mere principle that all its maxims must be universally valid as laws—which would indeed be the form of a pure practical reason—can, without any matter or object of the will in which one might take some prior interest, itself provide an incentive and produce an interest that would be called purely moral. In other words, human reason is wholly incapable of explaining how pure reason can be practical, and every effort and all labor spent seeking an explanation of this are wasted.

Es ist eben dasselbe, als ob ich zu ergründen suchte, wie Freiheit selbst als Kausalität eines Willens möglich sei. Denn da verlasse ich den philosophischen Erklärungsgrund und habe keinen anderen. Zwar könnte ich nun in der intelligibelen Welt, die mir noch übrig bleibt, in der Welt der Intelligenzen, herumschwärmen; aber ob ich gleich davon eine Idee habe, die ihren guten Grund hat, so habe ich doch von ihr nicht die mindeste Kenntnis und kann auch zu dieser durch alle Bestrebung meines natürlichen Vernunftvermögens niemals gelangen. Sie bedeutet nur ein Etwas, das da übrig bleibt, wenn ich alles, was zur Sinnenwelt gehört, von den Bestimmungsgründen meines Willens ausgeschlossen habe, bloß um das Prinzip der Bewegursachen aus dem Felde der Sinnlichkeit einzuschränken, dadurch dass ich es begrenze und zeige, dass es nicht Alles in Allem in sich fasse, sondern dass außer ihm noch mehr sei; dieses Mehrere aber kenne ich nicht weiter. Von der reinen Vernunft, die dieses Ideal denkt, bleibt nach Absonderung aller Materie, d. i. Erkenntnis der Objekte, mir nichts als die Form übrig, nämlich das praktische Gesetz der Allgemeingültigkeit der Maximen und diesem gemäß die Vernunft in Beziehung auf eine reine Verstandeswelt als mögliche wirkende, d. i. als den Willen bestimmende, Ursache zu denken; die Triebfeder muss hier gänzlich fehlen; es müsste denn diese Idee einer intelligibelen Welt selbst die Triebfeder oder dasjenige sein, woran die Vernunft ursprünglich ein Interesse nähme; welches aber begreiflich zu machen gerade die Aufgabe ist, die wir nicht auflösen können.

This is exactly the same as trying to discover how freedom itself is possible as the causality of a will. For at that point I leave behind the philosophical basis for explanation, and I have no other. I could now, of course, let my speculation roam through the intelligible world that still remains to me, the world of intelligences. But although I have an idea of it, and that idea has a sound basis, I have not the slightest knowledge of it, nor can any effort of my natural capacity for reason ever give me such knowledge. This idea signifies only something that remains after I have excluded everything belonging to the world of the senses from the grounds that determine my will. I do this solely to restrict the principle that motivating causes come from the realm of sensibility: I set limits to that principle and show that it does not contain everything within itself, but that something more exists beyond it. Yet I have no further knowledge of this something more. Once all matter—that is, cognition of objects—has been separated from pure reason, which thinks this ideal, nothing remains to me but form: namely, the practical law that maxims must be universally valid. In accordance with this law, I must think of reason, in relation to a pure world of understanding, as a cause capable of having effects—that is, of determining the will. Here the incentive must be entirely absent, unless this idea of an intelligible world is itself the incentive, or that in which reason originally takes an interest. But making this intelligible is precisely the problem we cannot solve.

Hier ist nun die oberste Grenze aller moralischen Nachforschung, welche aber zu bestimmen, auch schon darum von großer Wichtigkeit ist, damit die Vernunft nicht einerseits in der Sinnenwelt auf eine den Sitten schädliche Art nach der obersten Bewegursache und einem begreiflichen, aber empirischen Interesse herumsuche, andererseits aber, damit sie auch nicht in dem für sie leeren Raum transszendenter Begriffe unter dem Namen der intelligibelen Welt kraftlos ihre Flügel schwinge, ohne von der Stelle zu kommen, und sich unter Hirngespinsten verliere. Übrigens bleibt die Idee einer reinen Verstandeswelt als eines Ganzen aller Intelligenzen, wozu wir selbst als vernünftige Wesen (obgleich andererseits zugleich Glieder der Sinnenwelt) gehören, immer eine brauchbare und erlaubte Idee zum Behufe eines vernünftigen Glaubens, wenn gleich alles Wissen an der Grenze derselben ein Ende hat, um durch das herrliche Ideal eines allgemeinen Reichs der Zwecke an sich selbst (vernünftiger Wesen), zu welchem wir nur alsdann als Glieder gehören können, wenn wir uns nach Maximen der Freiheit, als ob sie Gesetze der Natur wären, sorgfältig verhalten, ein lebhaftes Interesse an dem moralischen Gesetze in uns zu bewirken.

Here, then, is the ultimate boundary of all moral inquiry. Determining it is of great importance, if only to prevent reason, on the one hand, from searching in the world of sense— in a way harmful to morality—for the supreme motivating cause and for an interest that is intelligible but empirical; and, on the other hand, from beating its wings helplessly without moving from the spot in what is, for it, the empty space of transcendent concepts, called the intelligible world, and losing itself among fantasies. Nevertheless, the idea of a pure world of understanding as a whole comprising all intelligences—to which we ourselves belong as rational beings, although in another respect we are also members of the world of sense—always remains a useful and permissible idea for the purposes of rational faith, even though all knowledge ends at its boundary. Through the magnificent ideal of a universal kingdom of ends in themselves—that is, rational beings—to which we can belong as members only if we carefully conduct ourselves according to maxims of freedom as though they were laws of nature, this idea can produce in us a lively interest in the moral law.

Der spekulative Gebrauch der Vernunft in Ansehung der Natur führt auf absolute Notwendigkeit irgend einer obersten Ursache der Welt; der praktische Gebrauch der Vernunft in Absicht auf die Freiheit führt auch auf absolute Notwendigkeit, aber nur der Gesetze der Handlung en eines vernünftigen Wesens als eines solchen. Nun ist es ein wesentliches Prinzip alles Gebrauchs unserer Vernunft, ihr Erkenntnis bis zum Bewusstsein ihrer Notwendigkeit zu treiben (denn ohne diese wäre sie nicht Erkenntnis der Vernunft). Es ist aber auch eine eben so wesentliche Einschränkung eben derselben Vernunft, dass sie weder die Notwendigkeit dessen, was da ist, oder was geschieht, noch dessen, was geschehen soll, einsehen kann, wenn nicht eine Bedingung, unter der es da ist oder geschieht oder geschehen soll, zum Grunde gelegt wird. Auf diese Weise aber wird durch die beständige Nachfrage nach der Bedingung die Befriedigung der Vernunft nur immer weiter aufgeschoben. Daher sucht sie rastlos das Unbedingt-Notwendige und sieht sich genötigt, es anzunehmen, ohne irgend ein Mittel, es sich begreiflich zu machen; glücklich genug, wenn sie nur den Begriff ausfindig machen kann, der sich mit dieser Voraussetzung verträgt. Es ist also kein Tadel für unsere Deduktion des obersten Prinzips der Moralität, sondern ein Vorwurf, den man der menschlichen Vernunft überhaupt machen müsste, dass sie ein unbedingtes praktisches Gesetz (dergleichen der kategorische Imperativ sein muss) seiner absoluten Notwendigkeit nach nicht begreiflich machen kann; denn dass sie dieses nicht durch eine Bedingung, nämlich vermittelst irgend eines zum Grunde gelegten Interesse, tun will, kann ihr nicht verdacht werden, weil es alsdann kein moralisches, d. i. oberstes Gesetz der Freiheit sein würde. Und so begreifen wir zwar nicht die praktische unbedingte Notwendigkeit des moralischen Imperativs, wir begreifen aber doch seine Unbegreiflichkeit, welches alles ist, was billigermaßen von einer Philosophie, die bis zur Grenze der menschlichen Vernunft in Prinzipien strebt, gefordert werden kann.

The speculative use of reason with regard to nature leads to the absolute necessity of some supreme cause of the world. The practical use of reason with regard to freedom likewise leads to absolute necessity, but only to the necessity of the laws governing the actions of a rational being as such. Now it is an essential principle of every use of our reason to advance its knowledge until it becomes conscious of that knowledge’s necessity (for without this, it would not be knowledge derived from reason). Yet it is an equally essential limitation of this same reason that it cannot grasp the necessity of what exists, of what happens, or of what ought to happen unless it assumes some condition under which it exists, happens, or ought to happen. But in this way, by continually asking after the condition, reason only postpones its satisfaction further and further. It therefore searches ceaselessly for what is unconditionally necessary and finds itself compelled to assume it, though it has no means of making it comprehensible to itself. It is fortunate enough if it can merely discover a concept that is compatible with this presupposition. It is therefore no criticism of our deduction of the supreme principle of morality, but rather a charge that would have to be brought against human reason as such, that reason cannot make comprehensible the absolute necessity of an unconditional practical law (which the categorical imperative must be). For reason cannot be blamed for refusing to do this by means of a condition—namely, by basing the law on some interest—since it would then not be a moral law, that is, the supreme law of freedom. Thus, although we do not comprehend the practical, unconditional necessity of the moral imperative, we do comprehend why it is incomprehensible. This is all that can reasonably be demanded of a philosophy that strives in its principles to reach the limits of human reason.